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P.M. Magazin
09/2003
WISSENSCHAFT aktuell Laser macht Leben in der Zelle sichtbar
Die Fachwelt feiert einen Quantensprung in der Medizintechnik und in den Life Sciences: Eine neuartige optische Darstellungstechnik der Pariser Hightech-Firma Mauna Kea Technologies (MKT) ermöglicht es, mit dem Mikroskop durch den Körper zu fahren und den Zellen in Echtzeit bei ihrer spannenden Arbeit zuzuschauen.
Um in die kleinsten Lebenseinheiten des Menschen zu blicken, musste man bisher die Zellen aus dem Körper herausschneiden, unter ein Mikroskop legen und im toten Zustand studieren. Medizintechnologen in aller Welt arbeiten daran, solche Invitro-Untersuchungen (im Reagenzglas außerhalb des Körpers) durch In-vivo-Verfahren im lebenden Körper zu ersetzen: Mit den elektromag-netischen Strahlen eines Magnetresonanz-Tomografen lässt sich mithilfe von Kontrastmitteln Zellgewebe zwar darstellen – doch dieses molekulare Bildgebungsverfahren schafft es noch nicht, Stoffwechsel- und Krankheitsprozesse zu erfassen.
Anders dagegen das von MKT entwickelte Gerät »Cell-viZio«: Es besteht aus mehreren Zehntausend Glasfasern, die das Gewebe mit kleinen Laserblitzen bestrahlen. Diese dringen in die Zellen ein, regen mit ihrer Energie die Elektronen der Moleküle an; wenn sie auf ihr Normalniveau zurückfallen, wird die Energie in Form einer Lichterscheinung wieder abgegeben. Aus diesen Signalen setzt der Computer ein Bild zusammen. Das System wurde von Anatomen und Astrophysikern entwickelt, die für Sternwarten eine ähnliche Bildgebungstechnik zur Beobachtung kosmischer Vorgänge entworfen haben und die jetzt die Abläufe in den fünf millionstel Meter großen Körperzellen ins Licht rückt.
Das eröffnet völlig neue Perspektiven in der Krankheitsdiagnose, insbesondere der von Krebs, der sich schon im Anfangsstadium auf Grund der vermehrten Zellteilung verrät und sich in dieser Phase problemlos behandeln lässt. Mit Cell-viZio kann der Diagnostiker entweder über die Haut fahren, oder er benutzt das Gerät endoskopisch und führt es in Körperhöhlen wie Bronchien, Speiseröhre, Magen, Darm oder Blase ein. Mit einem Blick erkennt der Arzt, ob sich die Zellwucherung noch im Deckgewebe, also oberhalb der Blutgefäße befindet. Erst wenn die Krebszellen diese erreichen, vom Blut fortgeschwemmt und über den Körper verteilt werden, setzt die kritische Krankheitsphase ein. Die eingeschlagene Therapie lässt sich mit der neuen Lichttechnologie aus Paris jederzeit überprüfen und sichtbar machen, notfalls korrigieren.
Krebs ist die zweithäufigste Todesursache weltweit. Die meisten Krebspatienten würden überleben, wenn es gelänge, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Das könnte jetzt durch Cell-viZio möglich werden. Auch die pharmazeutische Forschung hat bereits ihr Auge darauf geworfen. Damit ließe sich auch die Wirkung von Heilmitteln direkt in den Zellen beobachten – und wichtige Medikamente könnten schneller auf den Markt kommen.