In ausgeklügelten Versuchen decken Psychologen die verborgenen Abgründe der menschlichen Natur auf. Ein riskantes Spiel. Viele der Experimente sind eskaliert und endeten in Menschenquälerei. Manche Versuchspersonen sind für den Rest ihres Lebens traumatisiert.
Ein halbes Jahr lang wurden die elf kleinen Waisenkinder erbarmungslos schikaniert – im Dienst der Wissenschaft. »Deine Sprache ist nicht normal«, redeten ihre Betreuer ihnen ein, »du stotterst!« Auch wenn die Kinder gar nicht stotterten, schärfte man ihnen ein: »Du musst sofort damit aufhören! Sag nichts, was du nicht richtig aussprechen kannst!« Jeder kleine Sprechfehler wurde bestraft.
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Dieser brutale Versuch fand 1939 im Soldatenwaisenhaus des US-Bundesstaats Iowa statt. Die verantwortlichen Psychologen hatten es gut gemeint. Sie wollten beweisen, dass Stottern kein Schicksal, sondern eine erworbene Störung ist, also heilbar. Ihr Leiter Wendell Johnson war selbst starker Stotterer. Doch sie scheiterten. Die Stotterer unter den Versuchskindern stotterten weiter, sogar noch stärker. Und schlimmer noch: Manche der zuvor gesunden Kinder begannen zu stottern. Andere wollten überhaupt nicht mehr sprechen. Die Forscher hatten tatsächlich gezeigt, dass Stottern ein erworbenes Leiden ist – aber nicht indem sie die Kranken heilten, sondern indem sie die Gesunden krank machten. Als sie erkannten, was sie angerichtet hatten, war es zu spät: Die gepeinigten Kleinen litten lebenslang unter der Misshandlung. Ihr Selbstwertgefühl war irreparabel gebrochen.
Später bekam der unselige Versuch den Namen »Monsterstudie«. Es war nicht der erste Fehltritt der Seelenforschung, und es blieb nicht der letzte.