Wer bei den Olympischen Spielen auf den vorderen Plätzen landen will, kommt ohne Computer nicht mehr aus. Er überwacht das Training, analysiert die Daten – und deckt gnadenlos Schwächen auf.
Konzentriert duckt sich der Eisschnellläufer Jörg Dallmann in die Startposition. Ganz allein steht er auf der Eisbahn, man sieht die Anspannung in seinem Gesicht. Was man nicht sieht, steckt unter der Kleidung: ein elektronischer Pulssensor und ein Funksender, der ihn mit zwölf Überwachungsstationen im Hallenrund verbindet. »Sein Puls ist knapp 100, das ist akzeptabel«, sagt Joachim Müller. Der Diplom-Ingenieur sitzt oberhalb der Bahn in einer gläsernen Kabine und überwacht den Athleten auf einem 17-Zoll-Monitor. Dann fällt der Startschuss – Dallmann sprintet los. 1500 Meter liegen vor ihm.
Der Erfurter Eliteläufer trainiert für Olympia 2010, und hier in der Eissporthalle von Berlin-Hohenschönhausen kann er zum ersten Mal in dieser Saison seine Klasse beweisen. Dallmann nimmt die erste Kurve. Eine dünne gelbe Linie auf einem Monitor in der Kontrollkabine zeichnet seinen Weg zentimetergenau nach. Jede Abweichung von der Ideallinie wird der Athlet nach dem Lauf vorgerechnet bekommen. Sein Puls klettert auf 180. Auf der Gegengeraden zeigt die Messung im Kontrollraum 58 km/h. Dallmanns rechter Arm fliegt in den Kurven auf und ab, alles sieht perfekt aus. Doch die Messdaten sprechen eine andere Sprache: »Könnte besser sein«, meint Müller lakonisch.
Joachim Müller ist Mitarbeiter des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig (IAT). Es ist das zentrale Forschungsinstitut, das für den deutschen Spitzen- und Nachwuchsleistungssport im Einsatz ist.