Viele Pflanzen sind das reinste Gift – auch wenn sie uns mit ihren prächtigen Farben und Formen zu täuschen versuchen. Wir zeigen Ihnen die aggressivsten Arten, wo man sie findet und wie man sich schützen kann.
Er ist grün, gesund und gern gesehene Garnierung für Pizza und Pasta. Doch vor wenigen Monaten verschwand Rucola bundesweit vorübergehend aus den Gemüseregalen der Supermärkte. Der Grund: Ein Kunde hatte zwischen den Raukeblättern einen Stängel Jakobskreuzkraut entdeckt. Das gelb blühende Gewächs, das sich wegen der Erderwärmung auf heimischen Böden prächtig vermehrt, enthält Pyrrolizidinalkaloide. Diese giftigen Substanzen können bei Mensch und Tier schwere Leberschäden verursachen. In Baden-Württemberg starb ein Neugeborenes, weil die Mutter während der Schwangerschaft große Mengen eines Gesundheitstees getrunken hatte, der Pyrrolizidinalkaloide enthielt.
Diese Fälle erinnern daran, dass die Natur nicht nur Gutes hervorbringt. Im Gegenteil: Einige der stärksten Gifte kommen in Wald, Wiese oder auch im Garten vor. Die amerikanische Pflanzenexpertin Amy Stewart warnt daher in ihrem gerade erschienenen Buch »Wicked Plants« vor »naivem Naturvertrauen«: »Wir würden niemals aus einem auf der Straße liegenden, halb vollen Kaffeebecher trinken. Aber auf Wanderungen probieren wir schon mal unbekannte Beeren, weil sie so appetitlich aussehen. Wir brauen Heiltees aus Baumrinden oder Blättern, nur weil sie ein Freund empfohlen hat und etwas ›Natürliches‹ mit Sicherheit am besten wirkt.« Ein gefährlicher Irrtum: Denn angesichts des anhaltenden Ökotrends paart sich die Vorliebe für »grüne Produkte« schon mal mit mangelnder Kenntnis über die Wirkweise von Pflanzen. Was die Sache nicht einfacher macht: Manche der hochtoxischen Übeltäter werden auch zur Heilung von Krankheiten eingesetzt. Denn wie schon der legendäre Mediziner und Apotheker Paracelsus wusste: »Allein die Dosis macht das Gift.«