Jahrhundertelang haben fromme Menschen das Tuch geküsst, mit den Händen berührt, unzählige Kerzen neben ihm verbrannt. Doch der empfindliche Stoff blieb unversehrt.
Die aztekische Schrift Nican Mopohua (16. Jh.) berichtet von einem unglaublichen Ereignis, das sich im Dezember 1531 in Mexiko zugetragen hat. Damals kam der aztekischstämmige Juan Diego aus Tolpetlac am Hügel Tepeyac vorbei, der heute die Wallfahrtsstätte Guadalupe ist. Von der Kuppe her hörte er Musik und Gesang, und als sie verstummt waren, erklomm er den Hügel und sah sich einer bildschönen weiblichen Gestalt gegenüber.
Diese stellte sich als heilige Maria vor und bat Juan, beim Bischof P. Juan de Zumárraga (1468–1548) den Bau einer Kirche zu erwirken. Natürlich kam Juan diesem Wunsch unverzüglich nach. Doch der Bischof war misstrauisch und lehnte ab, auch nach einer weiteren Erscheinung und einem weiteren Treffen.