Sie sind Slawen, und sie sind Deutsche. 60000 Sorben leben im Osten der Bundesrepublik – mit eigener Sprache und Kultur.
Die slawischen Stammesfürsten waren gekommen, um sich anzuhören, was der neue sächsische Markgraf Gero ihnen zu sagen hatte. Sie wussten, mit ihm würde man verhandeln können, denn es blieb ihm auch kaum etwas anderes übrig. Vor nicht allzu langer Zeit, am 2. Juli 936, war der alte König Heinrich I., den man westlich der Elbe als Reichseiniger gefeiert hatte, überraschend gestorben. Heinrich war mit seinen Vasallen in das Slawenland gekommen und hatte dort ein grausames Regiment gehalten. Tausende tapferer Krieger slawischer Zunge waren gefallen, viele Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei geführt. Die einstigen stattlichen Burgen mächtiger Stämme waren zerstört, und die neuen Bauten der Franken beherrschten das unterworfene Land. Aber nun war der alte König tot und sein junger Sohn Otto konnte, wie es schien, sich nicht einmal gegen den eigenen Adel durchsetzen. Jetzt fielen die Slawenstämme einer nach dem anderen von ihren aufgezwungenen Lehnsherrn ab, und auch die ungarischen Reiterscharen nutzten die Gelegenheit zu neuen Plünderungen im Ostfrankenreich.
Gute Voraussetzungen also, um mit Gero, dem neu eingesetzten Markgrafen der fränkisch-sächsischen Ostmark, das Verhältnis zwischen Franken und Slawen auf eine neue Grundlage zu stellen. Gero hatte die ehemals untertänigen Fürsten an seinen Tisch geladen, er würde einigen von ihnen vielleicht gar die Gleichberechtigung anbieten. Dem freudigen Anlass entsprechend, floss der Wein reichlich an diesem Abend. Die etwa 30 slawischen Fürsten, die vom Ufer der Ostsee bis zum Fuß des Erzgebirges zusammengekommen waren, begossen eine bessere Zukunft. Am nächsten Morgen waren sie alle tot.