Die Chinesen nennen sie Chi, bei den Indern heißt sie Prana, die Indianer
sprechen vom Atem Gottes: die rätselhafte Kraft, die das Universum und jeden Menschen durchströmt. Heiler und Schamanen können sie fühlen und sogar sehen. Sie wissen um die positive Wirkung und setzen sie gezielt ein. Immer mehr Menschen glauben an die unsichtbaren Schwingungen – doch die westliche Wissenschaft bleibt skeptisch.
Albert Einstein war nicht nur ein genialer, sondern auch ein höflicher Mann. Am 13. Januar 1941 empfing der Nobelpreisträger in seiner Wohnung in Princeton (USA) den umstrittenen österreichischen Psychologen Wilhelm Reich (1897–1957). Der war kurz zuvor wegen seiner spleenigen Ideen aus der Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen worden und wollte nun den großen Physiker um seine Meinung zu seinem »Orgon-Akkumulator« bitten. In diesem von ihm erfundenen Experimentierkasten glaubte Reich, der geheimnisvollen und von ihm so benannten Energie »Orgon« auf die Spur gekommen zu sein, die jeden Menschen durchströme und die er als einen Lichtschein sichtbar machen könne. Einstein musste ihn leider enttäuschen: Zu sehen seien nichts als subjektive Empfindungen, beschied er. Reich nahm sich später das Leben, immer noch fest davon überzeugt, mit Orgon die »Lebensenergie des Kosmos« sichtbar gemacht zu haben.
Quantenphysik: Wie die Kräfte des Kosmos unser Leben bestimmen
Wieder war ein Versuch gescheitert, mit westlich-wissenschaftlichen Methoden zu ergründen, welche unsichtbaren Energien die Welt und die Menschen bewegen. Reichs Tragik: Er war ganz dicht dran gewesen an dem, was die meisten Menschen auf der Welt für eine Tatsache halten, nämlich dass es eine große, allumfassende Energie gibt, die sowohl den Kosmos wie auch jede einzelne Zelle unseres Körpers steuert.
Ein anderer Nobelpreisträger, der Begründer der Quantenphysik Max Planck (1858–1947), hatte Zeit seines Lebens »nach der Kraft gesucht, die alles zusammenhält«. Er gestand, daran schier verzweifelt zu sein, dass er immer dann, wenn er meinte, einen Teil davon erklären zu können, auf eine noch viel größere Energie gestoßen sei, für die er wieder keinen Namen hatte. Dabei gibt es bereits unzählige Namen dafür: Chi, Prana, Qui, Kundalini, großer Geist, Atem Gottes – die Liste der Begriffe ist lang, die in unterschiedlichen Kulturen der Welt für die allumfassende Lebensenergie verwendet werden. Und alle meinen dasselbe. »Wir sind alle am Netz«, sagt der US-Schamane und Buchautor Kenneth Meadows, »alle Manifestationen dieser Welt sind Ausdruck einer universalen Kraft, die ganz real in uns und um uns existiert.«
Manche sehen sie, andere fühlen sie: Schamanen können die leuchtenden Energiefelder (Huaskas) sehen, von denen es viele Darstellungen gibt wie die Scheibe über dem Kopf Tutanchamuns oder den Lichtschein Christi; asiatische Heiler können die Lebensenergie (Chi) ertasten, die durch den Körper fließt und unsere Organe mit Kraft versorgt. Sind unsere Energieströme gestört, erkranken wir organisch, und die Aufgabe der Heiler ist es, die energetische Balance wiederherzustellen – durch Handauflegen wie beim Reiki in Japan und Indonesien, durch Nadeln wie bei der chinesischen Akupunktur oder durch Illuminationsprozesse, mit denen die Schamanen arbeiten.