Fundamentalismus gibt es auch unter christen. Besonders im Süden der USA, dem »Bible Belt«, wollen Gläubige sich buchstabengetreu an biblische Werte und Gebote halten. Und Hollywoodfilme tragen diese intolerante Weltsicht auch zu uns.
Sam Shepard ist Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur, Musiker und Ehemann von Jessica Lange. Er war mit Bob Dylan auf Tournee und mit den Rolling Stones befreundet. Shepard, mittlerweile 65 Jahre alt, ist ein aufgeklärter Amerikaner. Über die christlichen Rechten in seinem Land sagte er einmal: »Ich habe nichts gegen die Bibel oder Christus, aber ich habe wirklich etwas gegen diese Scheinmoral, die da verkündet wird. Entweder ist man auf der rechten oder auf der linken Seite. Die Definitionen sind so schlicht, und die Leute sind sogar bereit, dafür zu töten oder selbst zu sterben.« Es gibt sehr viele erzkonservative, bibeltreue Menschen in den USA, die meisten sind evangelikale Christen. Einer von ihnen, George W. Bush, war vor einem Jahr noch Präsident der Vereinigten Staaten; er hat das Land und die ganze Welt verändert und sogar Kriege geführt im Namen Gottes. Bush hatte den Rückhalt der christlichen Rechten, und die genießen seither noch mehr Aufmerksamkeit als früher: in den Medien im In- und Ausland, bei Soziologen, Politikforschern – und in Hollywood.
Zum Beispiel der Film »Junebug« (Junikäfer) von 2005. Die Kunsthändlerin Madeleine und der Geschäftsmann George wohnen in Chicago. Madeleine will den Maler David Wark für sich gewinnen, der in North Carolina lebt – nur 50 Meilen von der Kleinstadt Pfafftown entfernt, in der ihr Mann George geboren ist. Das Paar beschließt, Wark und Georges Familie zu besuchen. George hat alles, was sein Bruder Johnny gerne hätte: Distanz zu Pfafftown, Erfolg und eine kluge Frau an seiner Seite. Johnnys schwangere Frau Ashley hingegen ist ein naives Landei und möchte ihr Kind »Junebug« nennen. Hier prallen das liberale Amerika (Chicago) und der evangelikale Wertkonservativismus des Landes (Pfafftown) aufeinander. Regisseur Phil Morrison zeigt Stärken und Schwächen von beiden – Bildung, aber kaltes Karrierestreben auf der einen, Geborgenheit, aber erdrückende Regeln auf der anderen Seite. Gott ist allgegenwärtig in Pfafftown, ständig wird gebetet, und Ashley kritisiert ihren unsozialen, lieblosen Mann nicht offen, sondern über die religiösen Bande: »Gott liebt dich, wie du bist, aber er liebt dich zu sehr, um dich so zu lassen.« In Pfafftown herrscht ein Gottesglaube, der einem die Luft abschnürt: Er macht die, die nicht mitmachen, zu Außenseitern. Aber er ist nicht offen aggressiv.