Von einer verheerenden Flutkatastrophe berichten viele alte Sagen. Steckt im Kern der biblischen Erzählung eine tatsächliche Überschwemmung, die vor Jahrtausenden das Gebiet des Schwarzen Meeres heimgesucht hat? Geologen untersuchten diese Theorie und kamen zu gegensätzlichen Ergebnissen.
Wenn die Befürchtungen renommierter Seismologen Wirklichkeit werden, dann wird eines nicht allzu fernen Tages ein Erdbeben Istanbul zerstören. Experten schätzen, dass dann bis zu einer halben Million Menschen – wenn nicht noch rasch Vorsorgemaßnahmen getroffen werden – in der unkontrolliert wuchernden Megacity ums Leben kommen könnten. Eine epochale Katastrophe am Bosporus, die sich tief ins Gedächtnis der Menschheit eingraben würde.
Es hat sie vielleicht schon einmal gegeben, die Katastrophe am Bosporus, die das Bewusstsein der Menschen für alle Zeiten geprägt hat. Vor vielen tausend Jahren: Weil es auf der Erde immer wärmer wird, schmelzen die Gletscher. Der Spiegel des Mittelmeers steigt und steigt. Nur ein schmaler Landrücken, die Bosporus-Schwelle, trennt das Marmarameer noch von dem riesigen Süßwassersee im Norden, dem heutigen Schwarzen Meer. Eines Tages kann die Steinbarriere dem gigantischen Wasserdruck nicht mehr standhalten. Das Mittelmeer bricht durch und ergießt sich mit der Gewalt von 200 Niagarafällen ins Becken des 120 Meter tiefer gelegenen Sees, an dessen Ufern bis zu diesem Tag Ackerbauern friedlich in Steinzeitdörfern gelebt haben. Entsetzt und ohnmächtig müssen sie zusehen, wie die Wassermassen Tag für Tag weiter vordringen. Zunächst versinken die am Seeufer gelegenen Siedlungen in den Fluten, dann auch Dörfer, die scheinbar sicher auf kleinen Hügeln gelegen sind. Die Menschen raffen ihren spärlichen Hausrat zusammen, treiben ihre Tiere davon, fliehen. Ihre Welt versinkt im Wasser. Eine Sintflut.