Tierische Testesser Wie die Industrie Hunde verführt
Tierfutter ist ein Milliardengeschäft. Bevor eine neue Sorte in die Supermärkte kommt, durchläuft sie ein aufwendiges Auswahlverfahren. Denn Hunde und Katzen sind wählerisch. Eine kleine Veränderung in der Rezeptur – und schon wandern sie zur Konkurrenz ab.
Schäferhündin Zilli ist ein Profi. Gezielt steckt sie kurz ihre Nase in den rechten, dann in den linken Futternapf. Die Entscheidung fällt binnen Sekunden – die neue Rezeptur mit Geflügel mundet ihr gar nicht. Zilli präferiert Rind. Eindeutig. Wenn ihre Kollegen in den nächsten Tests auch so entscheiden, ist die Entwicklungsarbeit von Monaten zunichtegemacht.
Das stattliche Tier hat zusammen mit 60 anderen Hunden und 130 Katzen einen verantwortungsvollen Job: Zilli ist Testesser im europäischen Tiernahrungs-Technologie-Zentrum des Futterherstellers Mars und entscheidet darüber, welche neuen Sorten auf den Markt kommen werden und welche nicht. Sie lebt im niedersächsischen Verden mit ihren Artgenossen im sogenannten »Pet Center«. Das Heimtierzentrum ist Entwicklungslabor und Luxuspension in einem, wo die Vierbeiner von einem guten Dutzend Pflegern, Tiertrainern und einem Hundefriseur umsorgt werden. Ihre Hauptaufgabe: fressen und testen.
Kommt ein neues Frolic, Pedigree, Chappi, Sheba oder Whiskas in die Supermärkte, hatten Zilli und Kollegen die Nase im Spiel.