Hatten die Wikinger nichts im Kopf außer Prügeln und Saufen? Oder waren sie die edelsten und tapfersten Wilden aller Zeiten? Es kommt darauf an, wen man fragt ...
Wenn ein Wikinger sich in Angriffslaune bringen will, stellt er sich all die Sachen vor, die er hasst: Wanzen im Bett. Stinkenden Fisch. Altes Öl. Bad am Samstag. Spinat von gestern. Frisches Hemd. Tischsitten. Getränkesteuer. Wenn die Wut dann kocht, reißt er die Arme hoch und stürmt mit gezücktem Schwert nach vorne. So zeichnete es Anfang der 80er-Jahre der Amerikaner Dik Browne in einem Comicstrip der Reihe »Hägar der Schreckliche«. Hägar ist ein Bild von einem Wikinger: rotbärtig und knollennasig, streitbar, dickköpfig und trinkfreudig.
Überzeichnet zu werden wie in einem Comic ist das Schicksal der Wikinger. Und das schon seit über 1000 Jahren, als die mittelalterlichen Chronisten über die Raubzüge an Englands Küsten zu berichten begannen. »Und sie kamen zur Kirche von Lindisfarne, verwüsteten alles mit schlimmer Plünderung«, schreibt Simeon von Durham über den Überfall auf die englische Klosteranlage 793, »zertraten die heiligen Stätten mit ihren unreinen Füßen, stürzten die Altäre um und rissen alle Schätze der heiligen Kirche mit sich, viele jagten sie davon, nackt und unter Beschimpfungen, und manche ertränkten sie in der See.«
Genau so liebt man es im 1950er-Jahre-Filmklassiker »Die Wikinger«. Da segelt Kirk Douglas als Einar nach England, um eine Prinzessin zu entführen.