Entdeckerfieber an den Polen: Die Forscher wollen hier nach neuen Erkenntnissen über den Klimawandel bohren – und nach neuen Energiequellen. Dafür wird jetzt ein gigantischer Eisbrecher gebaut – in Deutschland.
Im Sommer 1991 gelang der »Polarstern«, dem Flaggschiff der deutschen Polarforschung, ein einzigartiger Coup: Sie brach bis zum Nordpol durch, als erstes konventionell angetriebenes Schiff. Das hatten zuvor nur atomgetriebene Eisbrecher und U-Boote geschafft. Doch die gewagte Fahrt durch die Kälte offenbarte auch die Grenzen der stolzen Polarstern: 3,5 Meter dicke Eisbarrieren zwangen das Schiff immer wieder zur Suche nach passierbaren Spalten im Eis und damit zu großen Umwegen.
Und so begannen die Polarforscher von einem neuen,stärkeren Schiff zu träumen. Von einem, mit dem sie den ganzen Jahreslauf der Natur im Eismeer beobachten können. Denn heute, 18 Jahre später, ist das Interesse an den Polen größer denn je. Das Eis der Arktis schmilzt schneller, als alle Klimamodelle vorhersagen, und der Wettlauf um die letzten großen Energiereserven und Bodenschätze am Grund des Eismeers hat begonnen.
Entscheidend für den Ausgang des Rennens könnte das Forschungsschiff der Superlative sein, das Wissenschaftler vom Polarkomitee der Europäischen Wissenschaftsstiftung, vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung sowie Ingenieure aus Bremerhaven und Hamburg gerade konzipieren: die »Aurora Borealis«. Sie soll ein Eisbrecher der höchsten Klasse werden, der sich auch im Winter mit drei Knoten durch 2,5 Meter dickes Eis schieben und 15 Meter hohe Eisbarrieren durchstoßen soll. Als Mehrzweck-Forschungsschiff soll sie alle Eismeere der Welt befahren. Man wird sie von Weitem an ihrem mächtigen Bohrturm erkennen können, mit dessen Hilfe sich kilometerlange Bohrkerne auch noch aus fünf Kilometer Wassertiefe holen lassen – und das inmitten von treibenden Eisschollen, drückendem Packeis und ohne Hilfe von anderen Eisbrechern. Die Aurora Borealis soll Europa an die Spitze der internationalen Polarforschung katapultieren.