Medizin und Robotik Dr. Roboter – bitte in den OP!
Die Wirbelsäule ist freigelegt, die Operation kann beginnen – aber wo bleibt der Chirurg? Der steht einige Meter neben dem Patienten und tippt mit einem kugelschreibergroßen Metallstift auf dem Touchscreen eines Computers einen Steuerbefehl ein. Sofort surrt eine silberne Roboter-Plattform heran und kommt – über dem Patienten schwebend – zum Stehen. Dann angelt sich das stählerne Ungetüm aus seinem Wechselmagazin einen passenden Bohrer und neigt sich zum Rückgrat hinunter. Sekunden später drillt der Roboterarm Löcher in zwei Wirbelkörper – mit 90000 Umdrehungen in der Minute. Schließlich holt er eine mehrere Zentimeter lange Schraube aus dem Werkzeugkarussell und dreht sie in die vorgebohrten Öffnungen. Erst nachdem auch die zweite Schraube befestigt ist, legt der Chirurg selbst Hand an: Er bringt zwischen den Schrauben Metallstäbe an, um so die Wirbelkörper miteinander zu verbinden – nun können sie nicht mehr verrutschen und einen erneuten Bandscheibenvorfall verursachen.
Bei so heiklen Eingriffen geht es um Bruchteile von Millimetern. Höchste Präzision ist notwendig, um das empfindliche Rückenmark nicht zu verletzen: Querschnittslähmung droht. »Doch trotz aller Sorgfalt setzen Chirurgen bis zu 25 Prozent ihrer Schrauben nicht korrekt«, sagt Andrea Hiller vom Berliner Fraunhofer-Institut, das weltweit führend in der Entwicklung von Medizinrobotern ist. »Unser Ziel für den Einsatz des Roboters ist, präziser zu sein als der Mensch.« Gehört »Dr. Roboter« die Zukunft? Sind Maschinen den einfühlsamen Händen eines Operateurs überlegen?