P.M. Interview Wie beweisen Sie die Existenz Gottes?
Es muss ein höheres Wesen geben, bei dem alle Wahrheiten aufgehoben sind, sagt der renommierte Philosoph Robert Spaemann. Holger Fuß fragte ihn nach seiner Gottesidee.
P.M.: Herr Spaemann, was bedeutet Gott für Sie? Robert Spaemann: Wer an Gott glaubt, der glaubt an eine letztendliche Identität von Sinn und Faktizität. Also eine Identität zwischen dem, was gut ist, und dem, was der Fall ist. Es gibt ja die entgegengesetzte und sehr verbreitete Meinung, dass das Faktische, die Wirklichkeit, schlecht ist – und demgegenüber stehen die Postulate, die moralischen Forderungen.
Ihr Gottesbegriff klingt nach einer grundsätzlichen Bejahung der Wirklichkeit – das Wirkliche ist zugleich das Gute?
Ja. Ich denke, das Böse ist parasitär. Das Böse kann man nicht ohne das Gute denken. Schon Platon hat darauf hingewiesen, dass etwas vollkommen Böses nicht existieren kann. Das heißt, das Gute hat absoluten Vorrang. Das Böse kann nur existieren kraft des Guten. Aber das Umgekehrte gilt nicht. Das Gute kann auch ohne das Böse existieren.
Und warum?
Weil das Gute verbunden ist mit der Vernunft, mit der Einsicht in das Richtige. Das Gute ist das Schöpferische und das Erhaltende. Das Böse hingegen ist das Zerstörerische. Aber zerstören können Sie nur etwas, was schon da ist.
Sie setzen Gott mit der Wirklichkeit gleich. Aber worum geht es bei dieser Wirklichkeit?