Roboter gelten gemeinhin als tumbe Maschinen. Jetzt aber werden »soziale Roboter« »Kismet« entwickelt. Sie lernen wie Menschen und sehen uns auch ähnlich. Ist dies der Beginn einer Ära, in der Roboter Bewusstsein haben - und was bedeutet das für uns?
Es war ein sonniger Frühlingsnachmittag, als ich meinen ersten humanoiden Roboter kennenlernte. Er war von Doktoranden am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston entwickelt worden und hieß »Mertz«. Die Kamerasensoren hinter seinen Augen waren darauf programmiert, Gesichter zu erkennen. Eigentlich sollte der Roboter Blickkontakt mit mir aufnehmen und ein Gespräch beginnen. Doch Mertz streikte, und die Entwicklerin Lijin Aryananda fing an, nach dem Grund zu suchen.
Mertz besteht aus einem Metallkopf, der auf einem flexiblen Hals sitzt. Er hat eine kindliche Stimme und Augen wie Pingpong-Bälle, darüber buschige Augenbrauen – alles Merkmale, die bei Menschen Sympathien für den Roboter wecken sollen. Aber wenn irgendwas in seinem Computerprogramm nicht stimmt, fängt Mertz sinnlos zu brabbeln an, und es wird klar, dass hinter den großen schwarzen Augen niemand zu Hause ist.
An diesem Nachmittag war Mertz in denkbar übler Verfassung. Zusammenhanglos reihte er irgendwelche Sätze aneinander: »Du bist zu weit weg« – »Bitte bring mir ein paar Farben bei« – »Du bist zu weit weg«. Vielleicht stimmt etwas mit dem Kamerasensor nicht, sagte Aryananda. War das der Grund, warum Mertz immerzu zur Decke blickte und Klagen ausstieß? Ich wünschte dem Roboter alles Gute. Doch zugleich dachte ich: »Wenn dieses Ding noch einmal ›Du bist zu weit weg‹ jammert, erwürge ich es.«