Als Gott Adam das Leben einhauchte, setzte er seiner Schöpfung die Krone auf. Bis heute glauben Millionen Menschen aus drei Weltreligionen an die biblische Genesis. Doch was bedeutet diese Geschichte für uns?
Jedes Jahr am ersten Neumond des Frühjahrs war in Babylon großer Jubel angesagt: Es war Neujahr. Elf Tage lang wurde in der antiken Großstadt gefeiert, wobei der vierte Tag der eigentliche Höhepunkt war, als die Priester dem versammelten Volk ein langes Lehrgedicht, das »Enuma Elisch« vortrugen, das von der Schöpfung der Welt berichtete. Es war eine recht komplizierte Geschichte und begann mit dem Erscheinen zweier Götter, Apsu, einer Art Urhimmel, und Tiamat, einer wässrigen Urerde. Sie waren Vater und Mutter der Götter. Doch kaum hatten diese zwei Urerzeuger Nachkommen erschaffen, wurden sie von den eigenen göttlichen Kindern ermordet. Das »Enuma Elisch« ist letztlich eine Geschichte voll Mord und Totschlag, Intrigen und verzwickten Liebesbeziehungen, bis schließlich die Menschheit aus dem Blut des Gottes Kingu erschaffen wird und ein Obergott namens Marduk die Macht ergreift, um über die Götterwelt und die Menschen zu herrschen.
Gut möglich, dass sich unter die feiernde Menge damals auch die neugierigen Mitglieder eines noch unbedeutenden Nomadenvolks mischten, die sich »Hebräer« nannten – vermutlich steht dieser Name für »Wanderer«. Wenn ja, dann haben diese Hebräer das heilige Gedicht über den Werdegang der Götter und der Menschheit sicherlich etwas irritiert oder mit einem Schmunzeln gehört und immer wieder den Kopf geschüttelt. Denn diese Wüstennomaden hatten eine eigene Geschichte über den Ursprung der Welt, und sie stimmte nicht mit jener der Großstädter in Babylon überein.