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P.M. Magazin 10/2007
Städtebau
Das Bergwerk kommt. Die Stadt muss gehen!

Schwedens nördlichste Gemeinde droht zu versinken. Schuld ist der Bergbau. Nun wird Kiruna verlegt – und wieder neu aufgebaut. Ein in Europa einmaliges Jahrhundert-Projekt. Wie fühlen sich die Bewohner?

Sogar die Kirche muss umziehen. Genauso wie das Rathaus – und der Rest der Stadt. Ein in Europa einmaliges Großunternehmen, das 25 Jahre dauern und einige Milliarden Euro kosten wird. Eine Stadt der Zukunft soll es werden, in der sich die alten Traditionen der Ureinwohner Lapplands mit den Visionen von Hightech und moderner Lebensqualität verbinden.

Die schwedische Bergbau- und Weltraumstadt Kiruna liegt 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Über sanfte, von eiszeitlichen Gletschern geschliffene Hügel breitet sie sich in die weite Tundra hinein aus. Im Zentrum der 20000 Quadratkilometer großen Gemeinde, in der ganz Slowenien Platz hätte, versammeln sich in einem weiten Tal mehrstöckige Wohnhauskästen neben kleinen, hundert Jahre alten Holzhäusern entlang einem Netz geschwungener Straßen. Rund 26000 Einwohner zählt Kiruna – für schwedische Verhältnisse eine passable Mittelstadt. Doch in 30 Jahren droht sie zu versinken. Dann nämlich wird die Mine des größten und modernsten Eisenerzbergwerks der Welt im Kirunavaara-Berg dem Marktplatz so nahe sein, dass die Häuser einzustürzen drohen. Also muss die Polarstadt weichen – sieben Kilometer nach Nordwesten an den Hang des Berges Luossavaara, mit weitem Blick über den See Luossajärvi.

Bis Anfang der 1960er Jahre konnte die Grubengesellschaft das Erz der beiden »Hausberge« Kirunas billig im Tagebau abbauen. Klaffende, kilometerlange Wunden blieben zurück. Während die Mine im Luossavaara erschöpft ist, reicht die Erzader im Kirunavaara noch heute tief in den Untergrund. Sie besteht aus hochreinem Magnetit-Erz, das hier zu 60 bis 80 Prozent aus Eisen besteht. Der Zugangsstollen verläuft bereits mehr als 1000 Meter unter der Erdoberfläche, und inzwischen haben sich um den ganzen Berg herum Risse aufgetan. Es werden immer mehr, je tiefer Bohrer und Bagger vorstoßen. 2033 werden zwei Kilometer erreicht sein – dann würde sich die Zone der Verwerfungen genau bis zur architektonisch einzigartigen Holzkirche im Stadtzentrum erstrecken.

Autor(in): Hanns-Joachim Neubert

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