Der Traum vom Fliegen Das ist doch zum In-die-Luft-gehen!
Der einfachste Raketenantrieb der Welt wird auf den Rücken geschnallt – und dann geht es los. Und wie! Warum Raketen-menschen gefährlich leben, hat P.M.-Autor Michael Kneissler hautnah erlebt.
Der erste Raketenmensch, den ich jemals gesehen habe, flog quer über meinen Fernseher. Das war 1984 während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Los Angeles. Der Flug war spektakulär, obwohl er nur ein paar Sekunden dauerte. Wie von Geisterhand gesteuert, schwebte da jemand in aufrechter Körperhaltung ein paar Meter in die Höhe, beschleunigte dann vorwärts und landete am anderen Ende des Stadions auf beiden Beinen. Der Mann trug einen Helm, einen weißen Overall mit roten Seitenstreifen und auf dem Rücken ein paar Gasflaschen. Beim Start stieg ein bisschen weißer Dampf auf – an mehr kann ich mich nicht erinnern. Den Namen des Raketenmenschen kannte ich nicht.
Bis letzten September.
Da schüttelt er plötzlich meine Hand und stellt sich vor: »Bill Suitor, ich bin der Raketenmann von Los Angeles. Willkommen in Niagara Falls.«
Kein Wunder, dass ich in dem kleinen Ort an der Grenze zwischen Kanada und den USA auf Bill stoße: Hier haben sich alle noch lebenden Raketen-Piloten (vier), einige Raketen-Ingenieure (sieben) und jede Menge Fans zur weltweit ersten Rocketbelt-Messe getroffen. Mit Rocketbelt werden Ein-Mann-Raketen bezeichnet, die man auf den Rücken schnallt wie einen Rucksack. Einfacher und eleganter kann der Mensch die Schwerkraft nicht besiegen.