Enttäuscht von der westlichen Medizin suchte die P.M.-Autorin Nele Husman in New York Hilfe bei einem chinesischen Arzt. Ein Selbstversuch mit verblüffenden Einsichten und Folgen.
Panik kommt auf. Seit drei Wochen quält mich eine eitrige Nagelbettentzündung am Mittelfinger. Bislang schlägt kein Antibiotikum an. Die Chirurgin hatte die sensible Haut großzügig eingeschnitten, um Eiter abfließen zu lassen. Seitdem haben sich auf der Rückseite des Fingers weitere recht große Eiterpickel gebildet. Die Gewebeproben sind aus dem Labor ohne Befund zurückgekommen. Der nächste Schritt wäre die Entfernung des Fingernagels – Erfolg ungewiss. In Manhattans beliebtem Café »Au Pain Quotidien« klage ich meiner deutschen Freundin Melanie mein Leid. Offenbar mit vor Angst schriller Stimme, denn eine Dame vom Nachbartisch schaltet sich ein – ebenfalls auf Deutsch, auch sie lebt seit langem in der Stadt: »Der Nagel muss nicht raus. Gehen Sie zu meinem chinesischen Arzt nach Chinatown. Der wird Sie heilen.«
Ich bin verblüfft – wie kann sie so sicher sein? Sie erzählt, dass sie eine faustgroße Geschwulst am rechten Knöchel gehabt hat, die in einer für die Beweglichkeit des Fußes gefährlichen Operation entfernt werden sollte. Stattdessen ging sie zu dem Chinesen. Ein Jahr später war die Geschwulst weg – durch eine Behandlung mit chinesischen Kräutern in Verbindung mit Akupunktur und Chi-Gong-Massage. Auf einer Serviette beschreibt sie mir den Weg zu Doktor Peter Yuan – den Weg zur östlichen Medizin, die meinen Finger retten soll.