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Vastu

Wohnen wie die Götter

Eine 5000 Jahre alte indische Architekturlehre wird neu entdeckt - auch bei uns. Sie orientiert sich an den vedischen Schriften und gilt als Mutter des Feng-Shui. Ihre klaren Regeln versprechen Gesundheit und Wohlstand.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Renaissance-Villa des italienischen Baumeisters Andrea Palladio -  Sie entstand nach Vastu-RegelnRenaissance-Villa des italienischen Baumeisters Andrea Palladio -  Sie entstand nach Vastu-Regeln
Renaissance-Villa des italienischen Baumeisters Andrea Palladio: Sie entstand nach Vastu-Regeln
iStockphoto

Es war kein gewöhnliches Haus, das Hilde Link vor vielen Jahren im Südosten Indiens gekauft hatte. Die deutsche Ethnologin und ihr Mann fühlten sich dort auf Anhieb heimisch, und sie hatten das Meer direkt vor der Tür. »Dieses Haus wird noch viel erleben und bewirken«, prophezeite ihnen ein indischer Priester, der zu Besuch gekommen war. Da konnte Hilde Link noch nicht ahnen, als wie außergewöhnlich das Haus sich eines Tages offenbaren sollte. Ende 2004 war die Expertin für Tempelarchitektur wieder einmal in Indien. Es war der 26. Dezember, und sie arbeitete gerade in ihrem Garten, als sie aufgeregte Kinderschreie hörte. Und noch etwas ließ sie innehalten: »Das Rauschen des Meeres, das sonst immer einem bestimmten Rhythmus folgt, hatte sich verändert. Es klang wie das laute Fauchen einer Schlange.« Kurz darauf überrollten die Wellen eines Tsunamis sämtliche Nachbarhäuser und Grundstücke. Nur vor Hilde Links Hausmauer blieb das Wasser stehen. »Mein Haus wurde als einziges in der Umgebung verschont«, erzählt die Wissenschaftlerin. Später stellte sich heraus, dass Unterwasserfelsen die heranrollende Riesenwelle in zwei Hälften geteilt hatten – genau vor Links Haus.

 

Aus Dankbarkeit startete die Deutsche mit ihrem Mann im indischen Pondicherry ein lokales Hilfsprojekt. Längst stehen hier neue Häuser, und die Schrecken der Flut sind dem Alltag gewichen. Für Hilde Link heißt Alltag in Indien meist, wenn sie nicht gerade im Garten zu tun hat, an einer wissenschaftlichen Arbeit zu schreiben. Und das fällt ihr hier nicht schwer: »Was immer ich in dem Haus anfange, gelingt mir und geht schnell. Ich habe hier viel Energie, nur zur Ruhe komme ich kaum – länger als ein paar Wochen kann ich deshalb nie bleiben.« Das ist für sie kein Zufall. Denn Link ist nicht nur Ethnologin, sie ist auch Vastu Expertin. Und deshalb weiß sie: Die Lage eines Hauses, die Position seiner Räume zu den Himmelsrichtungen, die räumliche Anordnung von Eingang, Küche und Betten, all das hat Auswirkungen auf das Befinden der Bewohner. Nach der indischen Vastu-Lehre ist jede Siedlung, jedes Haus, jede Wohnung, jedes Zimmer ein Abbild des Universums im Kleinen – und jeder Mensch übernimmt die Eigenschaften eines solchen Raumes. Veränderungen im Äußeren, im Haus, bewirken deshalb Veränderungen im Inneren, in der Seele. Das mag esoterisch klingen, wird aber sofort nachvollziehbar, wenn man sich zwei Situationen vorstellt: Man lege sich in Gedanken auf einen glatten, ebenen und von der Sonne erwärmten Felsen - oder auf einen glatten, ebenen und ebenso warmen Betonboden.

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.8 (6 Bewertungen)
Autor/in: Martin Tzschaschel


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