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Wohin mit all den Bildern?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Wohin mit all den Bildern?Wohin mit all den Bildern?

Dank Digitalkameras fotografieren wir alles und jeden. Was tun, damit uns die neue Bilderflut nicht überrollt?

Meine digitale Kamera trage ich immer bei mir, und ich halte fast alles damit fest: Ich fotografiere meine Freunde ebenso wie die Rosen in meinem Garten. Ich mache »klick«, wenn ich eine besonders schöne Hausfassade sehe. Und ich knipse jedes Mal, wenn meine Tochter mit ihren Freunden einen Videoabend veranstaltet. Alle paar Tage lade ich mein digitales Leben von der Kamera auf den PC. Fast 10000 Bilder sind in zwei Jahren zusammengekommen. Was bloß soll ich damit tun? Das fragen sich immer mehr Menschen, für die digitales Fotografieren zum Lebensstil geworden ist – so wie für mich.

Seit Film nichts mehr kostet und jedes Bild mit einem Knopfdruck gelöscht werden kann, steigt die Lust am schnellen Klick. Dank Digitalkameras ist das Fotografieren so einfach geworden, dass auch der letzte Technikmuffel passable Bilder schießen kann – und zwar in Massen. Abermillionen solcher »Instant-Bilder« lagern auf privaten Festplatten oder werden ins Internet gestellt.

Jeder Digitalknipser schießt hierzulande mit durchschnittlich 470 Aufnahmen pro Jahr mehr als dreimal so viele Bilder wie in analogen Zeiten (140 Bilder). Allein während der Fußball-Weltmeisterschaft haben die Deutschen zwei Milliarden Digitalbilder geknipst, schätzt Europas größter Fotofinisher CeWe Color. Das sind 30 Prozent mehr als sonst im selben Zeitraum – und so viel wie nie zuvor.

Für 2006 rechnet der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) mit über acht Millionen verkauften Digitalkameras allein in Deutschland. Hinzu kommen die Fotohandys. Mit immer höherer Bildauflösung (vor einigen Monaten hat Samsung das erste Zehn-Megapixel-Kamerahandy SCH-B600 vorgestellt) mausern sie sich zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz zur Digitalkamera selbst. Fast die Hälfte der Freizeitfotografen, so eine im Auftrag von Nokia durchgeführte Studie, nutzt das Handy mittlerweile als Hauptkamera.

»Digitale Kameras sind direkt und unkompliziert«, sagt die amerikanische Foto-Künstlerin Natascha Merritt. »Sie sind ein Ausdruck des Lebensgefühls der so genannten digitalen Generation.« Eine Generation, deren Leben von Bildern geprägt ist, versichert sich so ihrer Existenz und verständigt sich mit Pixeln, nicht allein mit Buchstaben. Mit digitalen Kameras fertigt man so selbstverständlich wie früher mit einem Kugelschreiber Notizen von seinem Leben an und kommuniziert miteinander, indem man per Handy oder E-Mail Bilder aus seinem Alltagsleben verschickt: »Schau mal, wie findest Du mein neues Bett?« Der Netzbetreiber Vodafone hat durch eine Umfrage unter 3500 Fotohandy-Besitzerinnen herausgefunden, dass knapp ein Fünftel von ihnen Bilder aus der Umkleidekabine versendet, um beim Einkauf den Rat der besten Freundin einzuholen.

Aber wie lassen sich Abertausende speicherintensive Digitalbilder überhaupt archivieren – und zwar übersichtlich? Wie können wir verhindern, dass wir von unserer eigenen Bilderflut überrollt werden? Eine Lösung: Man mietet im Internet Speicherplatz, um seine Fotos abzulegen. Dort sind sie gut geschützt vor einem Systemabsturz. Eine andere Möglichkeit: Man druckt die wichtigsten Fotos mit einem speziellen Drucker, etwa dem Kodak Easy Share 500 (250 Euro), ohne PC direkt auf Fotopapier aus. Die Bilder werden aus der Kamera per Bluetooth (optional auch per WirelessLan) oder per USB-Anschluss auf das Gerät übertragen.

Wer seine digitalen Fotos dagegen ständig nur auf die Festplatte lädt, muss Ordnung halten, sonst sitzt man irgendwann hilflos vor einem riesigen Fundus von Dateien, die so geheimnisvolle Namen tragen wie »100_2752« oder »ManonHerbst05 021« . Wie soll man da ein ganz bestimmtes Foto finden, zum Beispiel sein Hochzeitsfoto? Das gelingt mit dem von Fraunhofer-Forschern entwickelten PhotoID-Verfahren, das bereits den Weg in ein Produkt gefunden hat (Magix Digital Photo Maker 2006, ab 22 Euro). Die Software durchstöbert nach Aufruf eines x-beliebigen Vergleichsfotos die Datenbank – so, als wäre das Foto ein Suchwort. Das Programm erkennt Motivähnlichkeiten und findet so das gesuchte Bild. Solch ein Foto kann man dann virtuell rahmen, mit dem digitalen Photo Display von Philips (229 Euro). Damit lassen sich bis zu 80 Bilder abwechselnd als Diashow präsentieren.

Für die Gestaltung von Fotobüchern bieten verschiedene Anbieter Software an, Apple zum Beispiel sein iphoto. Beim Kölner On-line-Fotoserviceanbieter Pixum kann man ebenfalls das entsprechende Werkzeug herunterladen: Das nach eigenem Geschmack gestaltete Pixum Easy Book wird über das Internet an die Firma Pixum geschickt, die das Dokument druckt. Ein 24-seitiges Buch etwa kostet 25 Euro.

Immer mehr Pixel-Fotografen wollen ihre Fotos auch gern mit anderen tauschen. Das gelingt bestens bei flickr.com, der größten Fotocommunity der Welt. Dort können Nutzer digitale Bilder speichern (bis zu 20 MB gratis/unbegrenzter Speicherplatz 25 Euro im Jahr), organisieren, tauschen und kommentieren. Dabei ist Flickr kein simples Fotoalbum. Denn Nutzer wie Betrachter können jedem Bild Begriffe, so genannte »Tags« zuordnen. Damit sind Bilder nicht nur leichter wiederzufinden, sondern auch Querverweise auf andere Fotos möglich, die mit denselben Tags etikettiert wurden. Außerdem kann man beliebte Tags abonnieren. Mit dem Begriff »München« lassen sich so täglich neue München-Bilder bestaunen. Inzwischen haben mehr als drei Millionen Mitglieder aus aller Welt schon Abermillionen Bilder ins Netz gestellt, und jede Woche werden es mehr.

Welchen Einfluss hat wohl die Bilderflut auf uns? Werden Fotos immer unwichtiger, weil es so viele davon gibt? Oder werden wir in Zukunft einfach knipsen, statt Tagebuch zu führen? Sicher ist nur eines: Es gibt unzählige Erlebnisse, die auf keinem Display erscheinen können, weil sie digital nicht zu erfassen sind. Sie können nur im zuverlässigsten Speichermedium der Welt festgehalten werden – in unserem Innersten.

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Autor/in: Manon Baukhage


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