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Kultur & Gesellschaft

Woher kommt "durch den Kakao ziehen"?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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iStockphoto

Als Göttergetränk bezeichneten die Maya ihr xocoatl – eine bräunliche Flüssigkeit gewonnen aus Kakaobohnen.

Auch den spanischen Eroberern scheint das bei den Maya und Azteken oft schwach alkoholische Gebräu auf Anhieb gemundet zu haben.

Jedenfalls raubten sie bei ihren Beutezügen durch Mittel- und Südamerika nicht nur reichlich Gold, sondern auch Kakaobohnen, die sie wenig später in die Alte Welt importierten. Der europäische Adel, immer versessen auf neuartige Genüsse, entdeckte, dass sich das exotische Getränk mit Zucker verfeinern ließ: „Heiße Schokolade“ wurde zur Leidenschaft feiner Damen und Herren, zumal man ihr damals eine starke aphrodisierende Wirkung zuschrieb.

Verlassen wir vorübergehend die adligen Salons, in denen zu geistreichen Plaudereien der Kakao genossen wurde, und begeben uns zeitlich ein wenig zurück: in eine der schrecklichsten Zeiten, die Europa je erlebt hat – den 30-jährigen Krieg. Die schwedische Soldateska, die durch die Lande zog, war berüchtigt für ihre rabiaten Foltermethoden, zu denen auch ein grausamer Umgang mit Jauche und ähnlichen Dreckserzeugnissen gehörte. Wer nicht schnell genug davonrannte, bekam die braune Soße zwangsweise eingetrichtert (das war der sogenannte „Schwedentrunk“).

Die Erinnerung an derartige Schrecken hatte sich vermutlich tief ins kollektive Bewusstsein eingebrannt. Und so dürfte die sprachliche Nähe zwischen dem neuen Luxusgetränk Kakao und den ekligen Ausscheidungsprodukten des Menschen auch den ersten Schoko-Genießern ganz entgangen sein. Ein Wortspiel jedenfalls drängte sich geradezu auf: „Durch den Kakao ziehen“ wurde zum verschlüsselten Ausdruck für garstige Spielchen mit den Mitmenschen, zu denen auch das Spötteln und Verspotten gehört.

In den Volksmund eingegangen ist die Wortkombination aber wohl erst 1931 durch einen unsterblichen Vers des Dichters Erich Kästner: „Was auch immer geschieht, nie dürft Ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken.“

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