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Geschichte & Politik
Wo treffen sich Spione aus aller Welt?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Der Kalte Krieg ist seit 20 Jahren vorbei, aber eines hat sich in der Hauptstadt der Schweiz nicht geändert: In Bern treffen sich immer noch die Geheimagenten aus ganz Europa. Im Berner Club (auch "Club de Berne") tauschen Spione aus Ost und West inoffizielle Informationen aus - und das ohne jegliche politische Kontrolle. Der Versammlungsort ist geheim, es gibt kein Sekretariat, und es werden keine Beschlüsse gefasst. Der Agenten-Club besteht aus den Chefs der Inlandsnachrichtendienste von derzeit wahrscheinlich rund 20 (west)europäischen Staaten, darunter auch Deutschland.
Er formierte sich im Jahr 1971, bestand zunächst nur aus Vertretern von Ländern der Alpenregion (Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich) und führt seitdem ein Leben im Geheimen. Die Treffen finden zweimal im Jahr statt und werden reihum vorbereitet. Was der Verein tatsächlich tut, wer dabei auftritt, wer die Geschäfte führt, auf welcher rechtlichen Grundlage der Club operiert, all das ist top secret. Noch! Denn nach der Schlappe in Libyen (hier haben die Geheimdienste die Entwicklung in Nordafrika vollkommen verschlafen) plant die EU ein neues, eigenes Spionagenetz. Unter der Kontrolle von EU-Außenministerin Lady Catherine Ashton arbeitet bereits ein EU-Mini-Geheimdienst, der die Weltlage analysiert: Streng abgeschirmt beobachtet das Analysezentrum Sit- Cenin in der Avenue Cortenbergh im EU-Zentrum Brüssels rund um die Uhr internationale Entwicklungen und versorgt die EUInstitutionen mit Einschätzungen und Warnungen.
Hier leben die meisten Agenten
Wien hat als Drehscheibe zwischen Ost und West die weltweit höchste Agentendichte. "Die Spione sind den Behörden oft bekannt, werden selten in ihrer Tätigkeit behindert. Alles wird mit Wohlwollen und Diplomatie geregelt. Da gibt es hier eine lange Tradition", sagt Siegfried Beer, Leiter des Zentrums für Geheimdienst in Graz. Österreichs Hauptstadt ist der Sitz zahlreicher internationaler Gremien wie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), hier wohnen nicht weniger als 17 000 Diplomaten – "ungefähr die Hälfte von ihnen hat Verbindungen zu den Geheimdiensten", sagt Beer. Allein Russland hält nach Einschätzung des Experten rund 500 Spione in Wien im Einsatz, die vor allem mit der Überwachung der Exil-Tschetschenen beschäftigt sind.
P.M. Fragen & Antworten 10/2011

























