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Kultur & Gesellschaft
Wo tanzt man mit den Toten?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Im madagassischen Hochland kommen die Toten nicht wirklich zur letzten Ruhe: Was sich oberflächlich wie Grabschändung oder ein makabrer Horrorfilm anhört, ist tatsächlich ein traditioneller Brauch und wichtiger Familienanlass: der Totentanz.
Bei der rituellen Umbettung der Toten, der Famadihana, werden die Gebeine der Vorfahren aus dem Familiengrab ausgegraben, um nach einer mehrtägigen Feier wieder bestattet zu werden.
Es ist das Fest der Feste auf Madagaskar, das jede Familie in ihrem eigenen Rhythmus feiert, das jedem Verstorbenen mindestens alle zehn Jahre zusteht und zu dem Verwandte aus nah und fern anreisen. Sinn des uralten Rituals ist es, mit dem Geist der Toten in Kontakt zu treten und die familiäre Beziehung aufrechtzuerhalten.
Die Vorfahren, so der Glaube, sind auch nach ihrem Tod allgegenwärtig und haben großen Einfluss auf das Schicksal der Hinterbliebenen. Man zollt ihnen darum nicht nur Respekt, sondern versucht den geliebten Ahnen mit dem Fest eine Freude zu bereiten: Nach der Exhumierung werden die Überreste in einer ekstatischen Tanzprozession von den engsten Familienangehörigen auf Händen und Schultern um die Gruft herumgetragen, begrüßt und geschaukelt. Musikanten sorgen für frenetische Tanzmusik.
Später wird im Dorf ein Festessen mit Reis, Zeburind und reichlich Rum veranstaltet. Man spricht mit den Ahnen und berichtet, was sich so alles in der Familie ereignet hat. Der tote Körper erhält für diese Stunden einen Ehrenplatz in der Menge. Am Ende werden die Gebeine gewaschen und in kostspielige Leichentücher aus Seide gehüllt. Nach der Verabschiedung legt man die Leichen wieder zurück in das Reich der Toten.

























