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Natur & Reise
Wo sind die neuen Skigebiete?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Skifahren in Osteuropa wird bei Westeuropäern immer beliebter. Warum eigentlich erst jetzt? Schließlich hat der Wintersport im Osten Europas Tradition: Der junge Papst Johannes Paul II. verfeinerte seine Skitechnik auf den Pisten von Zakopane (Polen), in Poiana Braçov (Rumänien) wedelten die Bonzenfreunde des Diktators Ceausescus über die Hänge, und im slowenischen Maribor stand bereits Rosi Mittermaier auf dem Weltcup-Treppchen, lange bevor Carving-Ski für ein wiedererstarktes Interesse am Pistenfahren sorgte. Nein, Skifahren in Osteuropa ist wahrlich keine Erfindung der vergangenen EU-Jahre. Aber erst jetzt haben ausländische Touristen die Regionen für sich entdeckt. Ihr Hauptargument: günstige Preise auf und abseits der Pisten.
Wie heissen die attraktivsten Skizentren?
Viele kennen die Schneekoppe nur als Müsli. Ein Fehler, denn die breite Kuppe überblickt die attraktive Wintersportregion des Riesengebirges. Populärster Skiort auf tschechischer Seite ist Spindleruv Mlyn (Spindlermühle), nicht zuletzt dank seiner bunten Nightlife-Szene. Die Nummer eins auf polnischer Seite: die alte Künstlerkolonie Szklarska Poreba (Schreiberhau).
Den Titel »Winterhauptstadt Polens« beansprucht jedoch das in der Hohen Tatra gelegene Zakopane: Mehr als drei Millionen Wintersportler pilgern alljährlich in den quirligen Ort südlich von Krakau. Ruhiger geht es im slowakischen Jasná in der Niederen Tatra zu, einem Dorado für Freerider und Naturfreaks; dennoch ist es das beliebteste Wintersportzentrum des Landes.
In Slowenien heißen die alpinen Schwergewichte Maribor und Kranjska Gora; erprobte Weltcup-Gucker kennen die Namen. Bulgarien macht derzeit die größten Sprünge im unweit der griechischen Grenze gelegenen und aufstrebenden Ort Bansko – geografisch auf der Höhe Roms gelegen. Laut den Ski-Legenden Marc Girardelli und Alberto Tomba soll Bansko das »beste neue Skiresort Osteuropas« sein. Auch das nördlicher gelegene Borovets schickt sich an, seiner sozialistischen Vergangenheit in Riesenschritten davonzueilen. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich in Rumäniens mondänem Skiareal Poiana Braçov in den Südkarpaten beobachten.
Ist Skifahren im Osten wirklich günstiger?
Das große Plus der osteuropäischen Skiareale ist – wen wundert’s? – der Preis. Ein Vergleich: Der Sechstagepass in Europas teuerstem Skigebiet, dem schweizerischen Zermatt, schlägt mit rund 240 Euro zu Buche. Immer noch Peanuts gegenüber der amerikanischen Konkurrenz. Bis zu 440 US-Dollar müssen Skifreunde etwa in Aspen (Colerado) pro Hochsaison-Woche hinblättern. In den osteuropäischen Skigebieten aber wird es nirgends teurer als 150 Euro pro Woche, in der Regel liegt der Sechstagepass zwischen 80 und hundert Euro.
Auf der Preisskala ganz oben rangiert Bansko mit rund 150 Euro, Slowenien liegt im Ranking dahinter, am günstigsten kommen Sparfüchse in Rumänien weg. Die Verantwortlichen aus den Nobelorten Zermatt und Aspen freilich weisen immer wieder darauf hin, dass sie für ihren höheren Preis auch wesentlich mehr Pistenkilometer anbieten. Tatsächlich bieten die Skigebiete im Osten durchwegs weniger als 65 Pistenkilometer.
Aber das Drumherum ist im Osten unschlagbar preiswert: Ein Skilehrer für zehn Euro am Tag ist in St. Anton undenkbar, nicht so in der Slowakei. Übernachtungspreise um die 20 Euro inklusive Halbpension in kleinen Pensionen, und in Dreisternehotels für ca. 30 Euro sind selbst im Riesengebirge noch immer die Regel. Etliche Spezialveranstalter locken zudem mit unschlagbaren Pauschalangeboten. Beispiel: Ein bulgarisches Sechstage-Skipaket, bestehend aus Leih-ausrüstung, Skipass, Skikurs und Après-Ski-Abend, ist schon ab 120 Euro zu haben.
Liegt denn da überhaupt genug Schnee?
Oh ja! In den Karpaten, der Tatra und im Riesengebirge liegt auf den Pisten mindestens bis Anfang April genügend Schnee. Außerdem: Im Gegensatz zu den Gletschern und der hochalpinen Konkurrenz der Alpen befindet sich das Gros der Abfahrten so gut wie immer unterhalb oder nur knapp oberhalb der Baumgrenze. Das bedeutet weniger scharfen Wind und weniger Kälte auf den Pisten.
Und noch ein weiteres Argument spricht für die neuen Skigebiete: Mehr Platz! Vor allem Familien und Anfänger schätzen die leeren Pisten. Noch ein Pluspunkt: Gemessen am Einerlei im normalen Alpin-Zirkus, wo Glühwein und Käsespätzle überall gleich schmecken, geht es hier fast exotisch zu. Ein Grill-Spanferkel im Freien neben der Bergstation, israelische, dänische und russische Nachbarn in der Sesselbahn, tschechische Charts in den Partykellern beim Après-Ski ... in den östlichen Skigebieten bekommt man noch neue Eindrücke geboten.
Im Osten nichts Neues – oder doch?
Generell hinkt der technische Standard in den neuen Skigebieten dem Westen rund 20 Jahre hinterher. Es gibt sie eben noch, die antiquierten und ruckeligen Einersessel, die in den Alpen so gut wie ausgestorben sind. Andererseits erleben Skiareale wie Bansko oder Zakopane einen unerhörten Modernisierungsschub, der mit neuesten Doppelmayr-Liften, High-Tech-Schneekanonen und elektronischen Lifttickets überrascht. Fazit: Dank zum Teil enormer Investitionen wird eine Handvoll osteuropäischer Areale schon bald in der skifahrerischen »Champions League« spielen.
Abstriche muss der Wintersportler allerdings trotzdem machen: zum einen bei der Länge der Pisten und ihren Schwierigkeitsstufen. Zum anderen bei der Anfahrt zu einigen interessanten Skiarealen. Aufgrund der geringen Berghöhe sind die Abfahrten eher kurz und »schwarze« Pisten für Profis sind rar.
Es gibt nur wenige interessante Freeride-Zonen und attraktive Couloirs, beispielsweise in Jasná. Der Weg dorthin jedoch führt überwiegend über Landstraßen, selbst aus Bayern ist man gut und gerne zehn Stunden unterwegs. Auch rumänische und bulgarische Skiorte kommen nur mit dem Flugzeug infrage – und dann warten noch stundenlange Busfahrten. Aber die Mühe lohnt sich.
Und wo kann man noch die Skier schwingen?
Skifahrmöglichkeiten enden nicht am Schwarzen Meer. Im türkischen Anatolien, im Libanon und selbst im Iran surren dutzendweise Lifte. Doch als absolutes Nonplusultra gilt derzeit Heliskifahren im Kaukasus – und noch besser auf den Vulkanen des sibirischen Kamtschatkas. Einige Spezialveranstalter bieten Tagestouren zum 2170 Meter hohen Mutnovskij-Vulkan an und versprechen sogar eine Abfahrt vom Kraterrand.

























