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Kultur & Gesellschaft

Wo liegen die schönsten Friedhöfe?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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iStockphoto

Oasen der Stille, „Freiluftmuseen“ voller Sehenswürdigkeiten und Geschichten: Mit ihrer besonderen Stimmung sind alte Friedhöfe Orte, die zu Besinnlichkeit und Staunen einladen. Wir stellen hier fünf der schönsten vor, alle in Europa.

Zentralfriedhof, Wien

Mit fast drei Millionen beerdigten Menschen hat der 1874 eröffnete Zentralfriedhof mehr „Einwohner“ als die Stadt Wien. Gemessen an dieser gigantischen Zahl handelt es sich um die größte Totenstadt Europas – flächenmäßig wird sie nur von der Pariser Nekropole Père Lachaise getoppt. Wer wenig Zeit mitbringt, sollte den Friedhof durch den Haupteingang am zweiten Tor betreten. Von dort bietet sich ein Spaziergang zur prächtigen Karl-Borromäus-Kirche im Zentrum der Anlage an.

Nicht zu übersehen: die monumentalen Ehrengräber, in denen neben der Walzerdynastie Strauß auch Komponisten wie Brahms, Beethoven oder Schubert ruhen. Nur Mozart muss sich mit der Attrappe eines Grabs begnügen – das musikalische Genie wurde in einem unbekannten Armengrab auf dem Wiener Friedhof St. Marx verscharrt.

Öffnungszeiten
3. 11. – 28. 2.: 8.00 – 17.00, März: 7.00 – 18.00, April: 7.00 – 19.00,
1. 5. – 31. 8.: 7.00 – 20.00, September: 7.00 – 19.00, 1. 10. – 2. 11.: 7.00 – 18.00

www.wien.gv.at/verwaltung/friedhoefe/orte/zentralfriedhof

Friedhof Ohlsdorf, Hamburg

Im Norden Hamburgs hat sich auf 391 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt breitgemacht: Seit 1877 werden inmitten der stillen Schönheit einer behutsam gestalteten Natur Menschen bestattet. Neben der Zoofamilie Hagenbeck haben hier auch Volksschauspieler wie Hans Albers oder Heinz Erhardt die letzte Ruhe gefunden. Auf der Suche nach prominenten Namen empfiehlt sich ein Spaziergang über den älteren Westteil, dessen Wege nicht so streng geometrisch wie im Osten des Friedhofs angelegt sind. Besonders in der Zeit von Ende April bis Mitte Mai entwickelt sich der Friedhof zu einem wahren Touristenmagneten – neben Erholung suchenden Anwohnern lockt dann die Rhododendronblüte jede Menge Botanikfreunde nach Ohlsdorf. Wie verwurzelt der Friedhof im Denken der Hamburger ist, zeigt ein geflügeltes Wort: „In Ohlsdorf, da sehen wir uns wieder.“

Öffnungszeiten
8.00 – 21.00 (November bis März: 8.00 – 18.00)

www.friedhof-hamburg.de/ohlsdorf

Père Lachaise, Paris

Dieser 1804 eröffnete Friedhof verdankt seinen Namen dem Jesuitenpater La Chaise, der Ludwig XIV. als Beichtvater diente. Die Liste der prominenten Toten mobilisiert eine gewaltige Fangemeinde: Neben Abaelard und Héloîse, dem großen Liebespaar des Mittelalters, sind hier auch Künstler vom Kaliber einer Sarah Bernhardt oder eines Oscar Wilde beerdigt. Der auf dessen Grab platzierte Löwe ist Gegenstand anhaltender Verehrung, in allen Rottönen leuchten die Lippenstiftabdrücke hunderter Küsse auf seinem Sockel. Legendär sind die Alkohol- und Drogenexzesse, zu denen es früher beim Grab des Doors-Sängers Jim Morrison kam. Mit rund zwei Millionen Besuchern pro Jahr gehört der Friedhof zu den populärsten Sehenswürdigkeiten von Paris.

Öffnungszeiten
Mo – Fr 8.00 – 18.00, Sa 8.30 – 18.00, So 9.00 – 18.00

www.pere-lachaise.com

Cimitero Monumentale, Mailand

In der Modemetropole Mailand gehört es auch nach dem Ableben zum guten Ton, „bella figura“ zu machen: Auf dem 1866 eröffneten Cimitero Monumentale kommt es zu einer selbst für italienische Verhältnisse gigantischen Prachtentfaltung. Geldadlige wie die Apéritif-Könige Campari oder die Panettone-Bäcker Motta ließen sich hier ebenso zur letzten Ruhe betten wie herausragende Genies – mit Arturo Toscanini wurde einer der größten Dirigenten aller Zeiten beerdigt. Romanik, Gotik, Renaissance und Jugendstil: Der wilde Stilmix droht mitunter, den Besucher zu überwältigen. Wer sich am Meer der Skulpturen und der Pracht der 250 Meter breiten Eingangshalle sattgesehen hat, kann im friedhofseigenen Park neue Kraft tanken.

Öffnungszeiten
Di – So 8.00 – 18.00, Mo geschl.

www.monumentale.net

Highgate Cemetery, London

Unter Romantikern gilt Highgate Cemetery als der vielleicht schönste Friedhof der Welt. Der Zahn der Zeit nagt hier an allem: Gotisch oder ägyptisch angehauchte Grabgebäude erheben sich dramatisch aus dem allgegenwärtigen Efeu, der von so manchem Engel völlig Besitz ergriffen hat. Um wenigstens den Status quo aufrechterhalten zu können, werden Besucher am Eingang zur Kasse gebeten – dafür können sie sich im 1854 eröffneten Ostteil frei bewegen und eine überdimensionale Büste von Karl Marx betrachten. Der Theoretiker des Kommunismus ist ebenso in Highgate bestattet wie die Schriftstellerin George Eliot und der Maler Dante Gabriel Rossetti. Die Gräber dieser Künstler sind jedoch im Westteil gelegen, der nur im Rahmen einer Führung zugänglich ist. So geleitet muss man sich wenigstens nicht vor jenen Hexentreffen fürchten, die hier nachts angeblich immer wieder stattfinden.

Öffnungszeiten

Ostteil: Mo – Fr 10.00 – 17.00 (1. 9. – 31. 3.: 16.00),
Sa u. So 11.00 – 17.00 (1. 9. – 31. 3.: 16.00), Eintritt 3 Pfund, Kinder unter 16 Jahren frei

Westteil: Mo-Fr Geführte Tour tägl. um 14.00, Sa u. So Geführte Tour tägl. von 11.00 bis 16.00 zu jeder vollen Stunde (1. 9. – 31. 3.: 15.00)
Teilnahme 5 Pfund, Kinder zwischen 8 und 16 Jahren 1 Pfund.

www.highgate-cemetery.org

Wo findet man sehenswerte Friedhöfe?

Fündig wird man vor allem in Städten, in denen im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein wohlhabendes Bürgertum lebte. Denn für diese Schicht gehörte es zum guten Ton, die Nachwelt mit prunkvollen Gräbern an die eigene Wichtigkeit zu erinnern. Noch frühere Grabmonumente sind in Deutschland kaum zu finden, denn aus Platzgründen wurden mittelalterliche Friedhöfe oft aufgelöst oder überbaut. Auch Reiseführer enthalten inzwischen Infos über schöne Friedhöfe – längst hat sich in der Tourismusbranche herumgesprochen, wie beliebt die Spaziergänge zwischen eindrucksvollen Gräbern heute sind.

 

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