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Kultur & Gesellschaft
Wo arbeiten die Menschen am längsten?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Der Trend ist in allen Industrienationen gleich: Die Alten werden immer älter, immer weniger Junge kommen hinzu. In Japan ist das am extremsten, die Zahl der Hundertjährigen hat sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt. "Da die jungen Leute die Last des Rentenund Gesundheitssystems nicht alleine tragen können, müssen die älteren Bürger einen höheren Anteil übernehmen", erklärt Atsushi Seike, Experte für demografische Ökonomie von der Keio-Universität in Tokio. Die Folge: In Japan geht man durchschnittlich mit 69,5 Jahren in Rente, für viele kommt der Ruhestand erst, wenn sie über 70 Jahre alt sind. Ein Gesetz regelt die Weiterbeschäftigung von Senioren, dazu dürfen Firmen alternativ Arbeitnehmern nach der Pensionierung einen neuen Job anbieten, in der Regel ist der anspruchsloser und wird nur mit einem Teil des alten Gehalts dotiert. Allein im letzten Jahrzehnt ist die Zahl der berufstätigen Senioren über 65 um rund eine Million auf etwa 5,8 Millionen gestiegen.
Viele haben keine Alternative: Im Vergleich zu Europa sind die Volksrenten in Japan deutlich niedriger, oftmals zahlen japanische Firmen beim Ausscheiden aus dem Unternehmen Abfindungen, aber keine Betriebsrenten. Es gibt aber auch kulturell bedingte Gründe, warum Japaner immer länger berufstätig bleiben: So entspricht es zum Beispiel der konfuzianistischen Lehre, seine Kraft und Fähigkeiten bis ins hohe Alter vollends auszuschöpfen. Auch kommt es zwischen Rentnerpärchen oft zu Ehekrisen, wenn der Partner untätig zu Hause die Zeit totschlägt. Japanische Frauen nennen ihre Gatten dann "Sodai Gomi", Sperrmüll. Zwischen Männern und Frauen gibt es deutliche Unterschiede beim Renteneintrittsalter: Etwas mehr als die Hälfte aller männlichen Arbeitnehmer zwischen 65 und 69 Jahren sind in Japan noch voll erwerbstätig, bei den Frauen sind es knapp 35 Prozent. Ebenfalls recht rührig im hohen Alter sind US-Bürger (64,6) und Briten (63,2). Deutschland liegt mit einem Renteneintrittsalter von 62,1 Jahren auf Platz 5, der EU-Durchschnitt beträgt 61,4 Jahre.
P.M. Fragen & Antworten 05/2011

























