Eine Theorie, die nicht praktisch im Leben Anwendung finden kann, ist wertlose Gedankenakrobatik.
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Wie und wo kann man am meisten gewinnen?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Immobilien, Aktien, Fonds: Nach dem Riesenkollaps der Finanzmärkte scheint es keine „sichere Bank“ mehr zu geben. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, sein Geld ins Casino oder an den Pokertisch zu tragen. Doch was gibt es beim Glücksspiel überhaupt zu gewinnen – und zu verlieren? Und welches Spiel bietet welche Chancen?
Zeichen der Zeit: Einer der erfolgreichsten US-Investoren steigt aus der Autoindustrie aus und setzt in großem Stil aufs Glücksspiel. Die Zahlen geben ihm schon jetzt Recht. Während die Finanzmärkte in großem Stil kollabiert sind, ist die Spielleidenschaft der Menschen ungebrochen. In Asien entstehen zurzeit mindestens zehn neue Las Vegas, und das Internet gleicht einer riesigen, unkontrollierten Spielhölle. Doch wie stehen die Chancen, wirklich etwas zu gewinnen? Und warum können wir uns dem Sog des Glücksspiels so schlecht entziehen?
Roulette oder Lotto: Wo ist das meiste Geld im Spiel?
Manchmal wirkt der Rummel um die Lottomillionen fast schon hysterisch – besonders dann, wenn mal wieder ein prall gefüllter Jackpot winkt. Tatsächlich gibt es in der gesamten Glücksspielbranche kaum etwas Verlockenderes: Nirgendwo sonst winken derartige Gewinne bei Einsätzen, die sich jeder leisten kann. Über 37 Millionen Euro – das war der bislang höchste Einzelgewinn der deutschen Lottogeschichte, er ging vor drei Jahren an einen Krankenpfleger in Nordrhein-Westfalen.
Der dickste Jackpot der Welt wurde im März 2007 in den USA ausgeschüttet: 390 Millionen Dollar. Vergleichsweise bescheiden kommt da das Roulette daher. Deutsche Casinos arbeiten mit relativ niedrigen Höchsteinsätzen, um die Spieler vom sogenannten „Martingale“ abzuhalten (bei diesem System verdoppelt man die Einsätze so lange, bis man gewinnt). Die Spielbank von Baden-Baden zum Beispiel erlaubt einen Höchsteinsatz von 300 Euro auf Zahl – wer damit einen Volltreffer landet, bekommt also gerade einmal 10 500 Euro ausgezahlt.
Poker erfreut sich zwar (vor allem im Internet) wachsender Beliebtheit, ist aber auch kein Spiel, bei dem man über Nacht zum mehrfachen Millionär werden kann. Immerhin: 672 000 Euro Preisgeld bekam der Sieger eines hochkarätigen Wettkampfes im Casino Hohensyburg – nach vier recht stressigen Tagen und bei einem Startgeld von stolzen 5000 Euro pro Nase.
Und die einarmigen Banditen?
Spielautomaten rangieren bei uns am unteren Ende der Jackpot-Skala. Bei den „spendabelsten“ von ihnen beträgt der Höchstgewinn 50 000 Euro. Eine weitaus verlockendere Möglichkeit, sein Geld aufs Spiel zu setzen, sind zum Beispiel Pferdewetten. Hier besteht bei großen Rennen immerhin die klitzekleine Chance, einen sechsstelligen Gewinn einzustreichen, vorausgesetzt, man wettet auf einen absoluten Außenseiter, und dieser hat überraschend die Nase vorn. In manchen
Ländern wie etwa Frankreich und Schweden kommt es sogar vor, dass bei Pferderennen Beträge im Millionenbereich erwettet werden.
Wie viele Lottogewinner gibt es pro Woche?
Ein gut abgelagerter Lottojackpot ist demnach der dickste Gewinn, der dem deutschen Verbraucher zugänglich ist. Und auch der durchschnittliche Wochengewinn ist nicht zu verachten: Jede Woche landen rund zehn Personen einen „Sechser“, was immerhin eine halbe Million Euro bedeutet. Doch diese Art von Glück liegt nicht gerade auf der Straße: Den 30 Milliarden Euro, die die Deutschen pro Jahr verspielen, steht eine eher klägliche Gewinnsumme von nur 22 Milliarden gegenüber.
Anschaulich ausgedrückt liegt die Chance auf einen Volltreffer beim Lotto (sechs Richtige plus Superzahl) ungefähr so: Wenn man 140 Millionen einzelne Euromünzen nebeneinander aufreiht, ergibt das eine Kette von 3200 Kilometern Länge – das ist einmal die Strecke Hamburg-Rom und zurück. Den Hauptgewinn bekommt dabei derjenige, der auf Anhieb die richtige Münze herausgreift!
Warum spielen wir ein so aussichtsloses Spiel?
40 Prozent der Deutschen füllen mindestens einmal pro Jahr einen Tippschein aus. Forscher vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung haben kürzlich festgestellt, dass acht von zehn Lottospielern sehr genau wissen, wie unwahrscheinlich ein tatsächlicher Gewinn ist. Trotzdem lohnt sich die kleine Investition, der Lottoschein ist die Eintrittskarte ins Reich der Fantasien, eine „Baugenehmigung für Luftschlösser“, wie der Studienautor Mark Lutter es ausdrückt. Mit dem Los in der Hand lässt es sich wunderschön träumen, was man mit den gewonnen Millionen so alles machen würde.
Gibt es beim Lotto „gute“ und „schlechte“ Zahlen?
Wer sich klarmacht, wie die Mitspieler „ticken“, hat zumindest einen winzigen Vorteil beim Ansturm auf den dicken Lotto-Coup: Er weiß, welche Zahlen man besser nicht setzt. Kurioserweise tippen nämlich Tausende exakt dieselben Zahlenreihen – womit die Quoten für diese Kombinationen von vorneherein im Keller sind. Wer den Lottokuchen lieber ganz für sich alleine behalten würde, sollte deshalb drei Regeln beachten.
Regel Nummer eins: Alle Geburtsdaten sind tabu – die 19 wird am häufigsten angekreuzt, dicht gefolgt von allen Zahlen unter 30. Regel Nummer zwei: Hübsche Muster haben auf dem Tippschein nichts zu suchen. Wer seine Kreuzchen regelmäßig anordnet, kann davon ausgehen, dass diese Idee nicht besonders originell ist. Ganz besonders beliebt sind Diagonalreihen, diese treten gleich 8700- mal häufiger als der Durchschnitt auf. Und Regel Nummer drei schließlich lautet: Zahlenreihen, die einem logischen Prinzip folgen (zum Beispiel 2-4-6-8-10-12), sind zu vermeiden.
Wer sich bemüht, seine Zahlen einigermaßen willkürlich herauszupicken, hat zwar keine größere Gewinnchance als seine Mitspieler – diese bleibt sich immer gleich, egal, wo man seine Kreuzchen macht. Der Unterschied besteht darin, dass zumindest die Chance auf
dickere Gewinne steigt. Welche Zahlen kaum angekreuzt werden, weiß der Mathematiker und „Lotto-Prof“ Karl Bosch: „Die selten getippten Zahlen befinden sich am rechten und linken Rand der Lottokästchen sowie in der letzten Reihe.“
Wer streicht beim Lotto das ganze Geld ein?
Nehmen wir mal an, ein Bekannter lädt Sie zu einer kleinen privaten Glücksspielrunde mit zehn Leuten ein. (Das ist illegal, aber darum soll es jetzt nicht gehen.) Zehn Euro wirft jeder in den Topf; es kommen also hundert Euro zusammen. Nur: Ihr Bekannter legt fest, dass es insgesamt nur 50 Euro zu gewinnen gibt – den Rest will er für sich behalten. Würden Sie sich unter solchen Bedingungen beteiligen? Wahrscheinlich nicht. Doch genau so funktionieren die meisten staatlich geregelten Glücksspiele – die Ausschüttungsquote liegt im 50-Prozent-Bereich.
Die Quote wird noch schlechter, wenn eine „Superzahl“ im Spiel ist. Super ist diese Zahl nämlich nur für den Gewinner – damit der Jackpot möglichst spektakulär wirkt, sind zehn Prozent der verfügbaren Gewinnsumme für die oberste Gewinnklasse reserviert. Logischerweise folgt daraus, dass es wenige kleinere Gewinne zu verteilen gibt, ganz nach dem Motto „Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer“. Im Fall von Lotto steigen die staatlichen Einnahmen – dorthin wandert nämlich das Geld, das nicht in den Topf mit den Gewinnen fließt und an die glücklichen Gewinner ausgezahlt wird.
Was macht der Staat mit dem Geld?
Dieser deftige Obulus, den die Spieler gezwungenermaßen leisten, ist in den Haushalten der Bundesländer fest verplant: für Sport, Kultur und soziale Zwecke. Nach Ansicht von Michael Ahlheim von der Forschungsstelle Glücksspiel an der Uni Hohenheim erfüllt diese Verwendung der Gelder eine Art „Ablassfunktion für die sündigen Spieler“. Nüchtern betrachtet, ist das Ganze schlicht und einfach ein unfaires Spiel. An den Roulette- und Kartentischen der Spielbanken liegen die Gewinnausschüttungsquoten zwar bei über 90 Prozent, doch ganz fair geht es auch hier nicht zu: Die Spielregeln sorgen dafür, dass am Ende immer die Bank gewinnt.
Kann man die Spielbank nicht doch knacken?
Davon träumt wohl jeder Spieler: ein sicheres System, um die Gewinnzahlen vo-rauszusagen. Auch wenn wir den Zufall ungern akzeptieren (siehe Kasten nächste Seite) – er regiert das Spielgeschehen. Doch es gibt eine Ausnahme: Der Lauf der Roulettekugel lässt sich theoretisch berechnen, denn von der Wurfsekunde bis zu dem Moment, in dem die Kugel auf die erste Raute im Roulettekessel trifft, verläuft alles nach streng physikalischen Gesetzen. Man muss also „nur“ zwei Geschwindigkeiten ermitteln: die des Kessels und die der Kugel. Beides hängt von der Arbeitsweise des Croupiers ab.
Stellt man – beziehungsweise der Minicomputer, den man für diesen Zweck benötigt – nach 50 Testläufen fest, dass dieser sehr regelmäßig wirft und dreht, lohnen sich weiterführende Berechnungen. Dann kann der Computer tatsächlich zwar nicht die genaue Zahl, aber doch das Zahlenfach bestimmen, auf das man setzen sollte. Das ist zwar auch kein todsicherer Tipp, doch die Wahrscheinlichkeit hat man damit ein Stück weit auf seiner Seite. Es soll sogar versierte „Kesselgucker“ geben, die solche Prognosen allein durch Beobachtung stellen können.
Warum mischt der Staat bei den Glücksspielen so viel mit?
Seit jeher blickt die Obrigkeit mit gemischten Gefühlen auf die Spielleidenschaft ihrer Untertanen – schon im Alten Rom waren Würfelspiele nur an bestimmten Feiertagen erlaubt. Auch heute hält der Staat die Hand über das Glücksspiel; in Deutschland benötigt man zur Durchführung eine behördliche Erlaubnis. Hinter dieser Regelung stecken drei Gründe: Erstens sollen die Verbraucher vor Betrügern geschützt werden. Zweitens sollen die Menschen vor ihrer eigenen Psyche bewahrt werden – Spielsucht ist eine Krankheit, die schon ganze Familien ins Verderben gestürzt hat. Und drittens sichert sich der Staat so, wie schon gesagt, beträchtliche Einnahmen – pro Jahr über vier Milliarden Euro.
Doch in den letzten Jahren ist das ganze System ins Wanken geraten – das Internet hat der staatlichen Kontrolle längst ein Schnippchen geschlagen. Online-Glücksspiele sind in Deutschland eigentlich illegal, doch ihr Siegeszug geht rasant weiter, da das Verbot kaum durchzusetzen ist. Den meisten der rund 250 000 deutschen Online-Glücksspieler ist vermutlich gar nicht klar, dass sie sich strafbar machen und bis zu sechs Monaten Gefängnis riskieren. Besonders die neu erwachte Pokerleidenschaft wird im Internet ausgelebt – Pokerräume im Netz haben allein im Jahr 2005 zwölf Milliarden US-Dollar Umsatz verzeichnet, und diese Summe soll sich vorläufigen Prognosen zufolge spätestens bis zum kommenden Jahr sogar verdoppelt haben. Die Rede ist also von Geldmengen, die dem Bruttoinlandsprodukt ganzer Staaten gleichen.
Welches Spiel macht am leichtesten süchtig?
„Roulette bis sechs Uhr abends. Alles verloren.“ Mit diesen dürren Worten fasste der russische Romancier Leo Tolstoi sein Spielerpech am 14. Juli 1857 in Baden-Baden in seinem Tagebuch zusammen. Tolstoi war über lange Jahre spielsüchtig, so wie heute in Deutschland schätzungsweise 100 000 Menschen. Weitere 225 000 sind, vermuten Experten, hochgradig suchtgefährdet. Anders als zu Tolstois Zeiten sitzt der typische Spielsüchtige jedoch nicht im Spielcasino, sondern in einer Eckkneipe.
„80 Prozent aller Glücksspielsüchtigen sind automatenspielsüchtig“, weiß Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel. Warum die Spielautomaten so leicht süchtig machen, ist bekannt: Das Automatenspiel dauert nur ein paar Sekunden, hat man verloren, kann man gleich nachsetzen. Psychologen sprechen hier vom „Chasing-Verhalten“: Verluste sollen sofort ausgeglichen, Gewinne sofort gesteigert werden. Problematisch ist außerdem, dass dem Spieler suggeriert wird, er könne aktiv in den Spielablauf eingreifen, zum Beispiel indem er auf blinkende Tasten drückt.
Und natürlich hat die Automatenindustrie das Multimedia-Zeitalter nicht verschlafen: Die neuen 3-D-Spiele in faszinierender Video-Optik üben eine viel intensivere Wirkung auf die Spieler aus als die guten alten „Daddelkästen“. Neben den Automaten warnen die Beratungsstellen vor den (inzwischen verbotenen, aber gleichwohl sehr beliebten) Internet-Sportwetten: Bei Live-Wetten wird noch während eines Spiels ständig neu gesetzt, blitzschnell per Mausklick.
Gewonnen! (K)ein Grund zur Freude?
Wie gewonnen, so zerronnen, heißt es – und mit Blick auf das traurige Schicksal so vieler Lottomillionäre kann man dem nur zustimmen. Oft genug ist der Geldsegen der Anfang vom Ende – dass ein strahlender Lottokönig nach nur wenigen Jahren verarmt an Leberzirrhose stirbt, ist keine Ausnahme. Überhaupt scheint die menschliche Psyche heillos überfordert zu sein, wenn urplötzlich das Füllhorn über ihr ausgeschüttet wird: Vor allem für jene, die anfällig sind für süchtiges Spielverhalten, ist der erste größere Gewinn oft ein Startschuss für die Spielerlaufbahn.
Die beste Strategie nach einem Gewinn scheint zugleich die schwerste zu sein: Statt alle Brücken zum alten Leben hinter sich abzureißen und dem Chef mit triumphierender Geste die Kündigung auf den Tisch zu knallen, ist es zweifellos klüger, den neuen Reichtum erst einmal in aller Stille zu genießen.

























