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Wie umweltschädlich ist das Internet?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Das Internet und alle daran beteiligten Geräte verbrauchen Strom – aber wie viel eigentlich? Und welche Auswirkungen hat das auf das Klima?
Mache ich das Klima kaputt, wenn ich im Internet surfe? Ehrlich gesagt habe ich mir vor der aktuellen Diskussion über die Klima-Krise nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht. Mir war natürlich klar: Klick für Klick, Mail für Mail verbraucht das Internet Strom. Aber welche Dimensionen dahinterstecken, begann ich zu erahnen, als ich anfing, über die ständige Onlinepräsenz der virtuellen Welten des Web 2.0 und den dadurch entstehenden Stromverbrauch und die CO2-Emissionen nachzudenken.
Denn diese Welt besteht aus nichts als aus Strom; sie erzeugt virtuelle Energie, verbraucht aber reale. So mag zwar mein persönlicher Blog nur wenig dazu beitragen, aber multipliziert man diesen mit 55 Millionen oder gar mehr als 134 Millionen (derzeitige Zahl angemeldeter Blogs bei »MySpace«), entstehen Werte, die erschreckend sind. Aber ich kam noch mehr ins Grübeln. Und das hat damit zu tun, dass seit Kurzem auch mein Mann im Online-Internet-Spiel »Second Life« aktiv ist. Dort kann man mit virtuellen Figuren (Avataren, die man sich selber schafft, ein »zweites Leben« führen; siehe P.M.4/07, S.62). Dieses Spielen verbraucht den PC-Strom des Nutzers. Klar. Aber das ist nicht alles. Strom verbrauchen vor allem jene Maschinen (samt ihren Klimaanlagen), die dieses Spiel erst möglich machen: die Server.
Wie viel »verspielte« Energie das ist, hat der amerikanische Buchautor Nicholas Carr herausgefunden: Jeder virtuelle Second-Life-Mensch »frisst« so viel Strom wie ein durchschnittlicher Brasilianer. Dazu stellt Carr in seinem Blog »Rough Type« folgende Rechnung auf: Um das Spiel zu betreiben, müssen 4000 Server laufen. Jeder benötigt etwa 250 Watt. Pro PC eines jeden Spielers setzt Carr einen Verbrauch von etwa 120 Watt an. Unterm Strich verbrät jeder der 12 500 Avatare 4,8 Kilowattstunden täglich. Das entspricht einem Jahresverbrauch von 1752 Kilowattstunden. Das ist – laut Statistiken von »Earth-trends« – ein bisschen mehr Strom, als ein Brasilianer pro Jahr »verheizt« (1015 kWh).
Umgerechnet könnte man mit dieser Energiemenge mit einem Geländewagen rund 3700 Kilometer weit fahren und mit einem Toyota Prius noch viel weiter. Was diese Energiemenge für unser Klima bedeutet, be-schrieb David Douglas, bei Sun Microsys-
tems als Vizepräsident für ökologische Belange verantwortlich, in einem Kommentar in Carrs Blog: Die Erzeugung von 1752 Kilowattstunden Elektrizität hat einen Ausstoß von 1,17 Tonnen des Klimakillers CO2 zur Fol-ge. »Avatare sind also nicht ganz so immateriell, wie es scheint. Sie haben zwar keine Körper«, so Carr, »aber sie hinterlassen ökologische Fußabdrücke.«
Während Energiesparen zu Hause längst populär geworden ist, nehmen wir das Internet als »Stromfresser« bisher kaum wahr. Doch damit das Internet funktioniert, sind viele Geräte nötig, die alle Strom verbrauchen: PCs, Datenleitungen, Router, Server. Insbesondere die Server – weil sie ungeachtet der Auslastung 24 Stunden am Tag laufen – verbrauchen große Mengen an Strom. Im Jahr 2001 verbrauchten bereits alle in Deutschland betriebenen Server, Router sowie PCs insgesamt 6,8 Milliarden Kilowattstunden Strom. Dies berichtet das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie. Für die nächs-ten Jahre wurden bereits Prognosen angefertigt. So soll im Jahr 2010 der Verbrauch auf 31,3 Milliarden Kilowattstunden steigen. Dies wäre ein Anteil von knapp 6 Prozent am gesamten deutschen Stromverbrauch.
Und je schneller so ein Server arbeitet, umso flotter muss der Prozessor sein. Schnelle Rechner verbrauchen jedoch mehr Energie und entwickeln außerdem auch noch jede Menge Wärme. Deswegen sind Rechenzentren mit Klimaanlagen ausgestattet, die ebenfalls Energie verbrauchen. Und hinter jeder Webseite steckt ein Server – mindestens. Für populäre Webseiten müssen nicht selten mehrere Dutzend Server abgestellt werden. Oder noch mehr: Google allein hat geschätzte 450 000 Server am Start, um alle Anfragen schnellstmöglich zu beantworten.
Unternehmen wie Google müssen sich also schon allein aus Kostengründen Sorgen um ihre Stromkosten machen. So zeigt eine Studie von Google, dass sich die »Leistung pro Watt«- Kurve bei Servern im Vergleich zum Anschaffungspreis und der reinen Rechenleistung in den vergangenen Jahren so gut wie nicht verändert hat. Anders gesagt: Jede Leistungssteigerung entspricht einer proportionalen Steigerung im Stromverbrauch. Sollte diese Kurve sich nicht verändern, werden die Kosten für die Energie bald höher sein als jene für die Anschaffung der Server.
Auch Serverbauer wie Sun Microsystems beginnen, über Energieeffizienz nachzudenken. Das Unternehmen hat diesen Trend frühzeitig erkannt und bietet mittlerweile Server, die mit deutlich geringerer Energieaufnahme bei höherer Leistung auskommen. Zudem gründete Sun Microsystems vor Kurzem zusammen mit AMD, IBM und HP die Initiative »the Green Grid«, die auch von der EPA (Environmental Protection Agency) unterstützt wird. Dabei geht es um das Thema Energiesparen im Rechenzentrum. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Leistungsaufnahme und die Abwärme der Server mittlerweile zum zentralen Problem der Rechenzent-ren geworden ist. Klimaanlagen verschlingen üblicherweise mittlerweile genauso viel elektrische Leistung wie die Rechner selbst.
Die Bedeutung, die die Computerbranche nunmehr dem Energiesparen zumisst, hat dabei weniger damit zu tun, dass diese Firmen in plötzlicher Liebe zur Umwelt entflammt wären. Es geht um Geld, wie das »Wall Street Journal« vorrechnete: 20 bis 50 Prozent der Kosten, die durch den Betrieb eines Rechenzentrums anfallen, werden heute gemäß Schätzungen des Finanzchefs von Yahoo für Elektrizität ausgegeben. Ein großes Rechenzentrum verbrauche dabei ohne Weiteres so viel Strom wie eine Kleinstadt mit ein paar zehntausend Einwohnern.
Aber wie viel Strom verbraucht nun das gesamte Internet? Das wollte der Prozessorbauer AMD genauer wissen – und hat bei Wissenschaftlern eine Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis von Jonathan Koomey, Wissenschaftler am Lawrence Berkeley National Laboratory: 123 Milliarden (!!) Kilowattstunden, das entspricht einer Stromrechnung von über 7,3 Milliarden Dollar. Weltweit sind sage und schreibe 14 komplette Kraftwerke von je 1000 Megawatt nötig, um die Server und Klimaanlagen dieser Welt mit Energie zu versorgen. Demnach hat sich die von Rechenzentren benötigte Energie seit dem Jahr 2000 bis 2005 nahezu verdoppelt. In den USA entspricht das etwa 1,2 Prozent des gesamten Energiebedarfs – so viel, wie alle US-Fernsehgeräte zusammen.
In der aktuellen Diskussion über Klimawandel und Energieverbrauch erschrecken diese Zahlen. Zu Recht. Ist das Internet womöglich am Ende schlimmer als alle Geländewagen zusammen? Das ist schwer zu sagen. Denn natürlich spart das Internet auch eine Menge Energie ein. Millionen Briefe, Fotos, CDs und DVDs müssen nicht hergestellt, gepresst, verschickt und transportiert werden. Weil es eben heute auch digital geht. Per Mausklick.
Doch die Umweltbelastung durch den Internetbetrieb ist bisher unterschätzt worden. Wird der derzeitige Strommix beibehalten, ist – so Greenpeace – im Jahre 2010 der Internetbetrieb für rund 18,5 Mio. Tonnen CO2 und über 27 Tonnen hochradioaktiven Atommüll verantwortlich. Es muss also eine Debatte her, ob das Internet mit »sauberem Strom« versorgt werden kann, d. h. statt Atom- und Kohlestrom mit regenerativen Energien. So bietet z. B. »Internic« seit Sommer 2006 für Internetnutzer Websitehosting und Serverhousing mit sauberem Strom von »Greenpeace energy« an. Die Initiative »ecologeenet« widmet sich ebenfalls diesem Thema.
Aber auch die für den Betrieb des Internets eingesetzten Geräte müssen stromsparender werden. Prozessoren sollten nicht unbedingt immer nur leistungsfähiger werden – sondern auch mal sparsamer. In der Welt der Notebooks ist das längst ein Thema, um den Akku zu schonen. Doch jetzt sollte das allmählich auch in der Welt der Desktop- PCs und Server umgesetzt werden, der Umwelt zuliebe. »Nicht nur die Automobil- und die Flugbranche gehören in den Fokus.
Auch die Computer- und Telekommunikationsbranche muss ihren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten«, sagt jetzt auch die Chefin des Bundesverbandes der deutschen Verbraucherzentralen (VZBV), Edda Müller, der »Berliner Zeitung«. Die oberste Verbraucherschützerin fordert jetzt: »Es wird höchste Zeit, dass die Energiefresser vom Markt verschwinden.« Ich habe mir jetzt zumindest eine atomstromfreie, kostenlose E-Mail-Adresse zugelegt: manon.baukhage@atomstromfreies-internet.de.
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