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Wissenschaft & Technik
Wie steuern Pilze Roboter?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Roboter sind technologische Wunderwerke, aber sie haben ein gravierendes Defizit: Sie tun genau das, was der Speicherchip ihnen vorgibt – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die Fähigkeit, flexibel auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren, ist bisher immer noch das Privileg von Lebewesen. Ingenieure und Informatiker suchen deshalb nach Möglichkeiten, wie man den Maschinen ein Minimum an Spontaneität einpflanzen könnte.
Vergangenes Jahr gab es auf diesem Gebiet eine faszinierende Neuentwicklung, bei der eine giftgelbe schleimige Kreatur namens Physarum polycephalum die Hauptrolle spielte: Ein britisch-japanisches Forscherteam entwickelte den ersten schleimpilzgesteuerten Roboter. Wieso ausgerechnet Schleimpilz? Weil diese sonderbare Spezies ein paar praktische Eigenschaften mitbringt: Erstens kann dieser Einzeller, der weder Tier noch Pflanze ist, ja nicht einmal ein richtiger Pilz, zu einer beliebigen Form gezüchtet werden, und das bis zu einer Größe von mehreren Metern!
Wohlgemerkt, es handelt sich dann immer noch um eine einzige Zelle, bei der sich nur der Zellkern milliardenfach vermehrt. Zweitens kann der Schleim »laufen« – er bewegt sich auf Futter zu und vom Licht weg. Möglich macht das ein feines Geflecht aus Kanälen, durch die das Zellplasma je nach Außenreiz hin- und herfließt.
Auf diese Weise findet das Geschleim in jedem Labyrinth sofort den kürzesten Weg zur Nahrung. Die Wissenschaftler aus Kobe und Southhampton züchteten nun ihren Schleimpilz zu einem sechszackigen Stern heran. Dann koppelten sie jeden der Zacken per Computer mit den Beinen eines sechsbeinigen Roboters. Resultat: Wann immer man den Schleimpilz mit Licht verschreckte, bewegte sich auch der Roboter in entsprechender Weise – allein durch „Bio-Steuerung“.
Von konkreten Anwendungsmöglichkeiten ist der Schleimpilz-Roboter zwar noch weit entfernt. Doch am Horizont zeichnen sich bereits erste denkbare Einsatzgebiete ab. Zum Beispiel beim Feuerlöschen: So wäre ein Bio-Roboter möglicherweise in der Lage, den Flammen selbstständig auszuweichen.

























