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Natur & Reise
Wie spinnt die Spinne den ersten Faden?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Ein waagrechter Faden von A nach B bildet die Grundlage für jedes Spinnennetz in Radform. Doch wie schlagen Spinnen diese Arbeitsbrücke?
Kleben sie das eine Ende fest, krabbeln zu Fuß zu Punkt B und ziehen den Faden dann straff? Oder springen sie rüber und ziehen die Seide mit? Die Wahrheit ist spektakulärer: Sie werfen ein Lasso.
Boris Striffler, Biologe und Vorsitzender der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft, erklärt: „Der erste Faden, den Radnetzspinnen, aus ihren Spinnwarzen ziehen, ist sehr leicht. Lassen sie ihn los, fliegt er waagrecht in der Luft und verfängt sich mit dem Ende irgendwann an einem erhöhten Punkt.“
Anschließend klettert die Spinne an dieser Verbindung entlang, wobei sie einen zweiten, dickeren Faden spinnt. Diesen befestigt sie wieder am gegenüberliegenden Ende. Dann klettert sie an dem dicken, leicht hängenden Faden bis zur Mitte und lässt sich an einem dritten Faden zum Boden hinab – ein Y entsteht, der Rahmen für weitere Speichen und klebrige Spiralfäden.
In unseren Breiten geht beispielsweise die Kreuzspinne so zu Werke. Ihr Netz erfordert rund 20 Meter Spinnfaden und kaum mehr eine halbe Stunde Arbeit. Nur ein halbes Milligramm ist das Gewebe schwer, und doch trägt es seine bis zu einem Gramm schwere und vollgefressene Besitzerin.
Auch Hauswinkel- und Wespenspinnen verfahren nach dem beschriebenen Bauplan. „Viele Arten gestalten ihr Netz allerdings sehr individuell“, weiß Striffler, „machen daraus teils richtig perfide Fallen.“ So etwa die Dreiecksspinne: Sie baut ein Radnetz aus drei Segmenten und klappt es im richtigen Moment über dem Opfer zusammen. Außer Radnetzen beeindrucken aber auch Trichter-, Raum- und Baldachinnetze durch ihre raffinierte Konstruktion.
Das älteste Spinnenetz der Welt haben diesen Winter britische Forscher analysiert: Seine in Bernstein eingeschlossenen Fäden sollen 140 Millionen Jahre alt sein.

























