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Naturkatastrophe

Wie sicher sind Deutschlands Deiche?

Der Meeresspiegel steigt, schwere Stürme häufen sich: Wie lange werden die Nordseedeiche das mitmachen? Am Computer testen Experten den Ernstfall der Naturkatastrophe.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Auch an der Nordseeküste könnte sich eine Supersturmflut zusammenbrauenAuch an der Nordseeküste könnte sich eine Supersturmflut zusammenbrauen
Auch an der Nordseeküste könnte sich eine Supersturmflut zusammenbrauen
iStockphoto

Eine ganze Nacht lang hatte »Katrina« über New Orleans getobt. Selbst Hochhäuser aus Beton zitterten unter der Wucht ihrer wirbelnden Luftmassen. Der Hurrikan peitschte das Wasser im nahen Lake Pontchartrain auf. Die Wogen krachten mit bislang ungekannter Macht gegen die alten Deiche – und brachten sie zum Einsturz. Die tosenden Wasser des großen Sees und des Mississippi ergossen sich in die tief gelegene Stadt.

Tagelang flimmerten die Katastrophenbilder aus New Orleans über die Fernsehschirme. Und dabei tauchte die bange Frage auf: Kann so etwas auch bei uns in Deutschland passieren? Immerhin liegen Teile Norddeutschlands ebenfalls unter dem Meeresspiegel und werden durch eine fast 800 Kilometer lange Deichlinie von Emden bis Sylt geschützt.

Zwar gibt es in unseren Breiten keine Hurrikans, und die Experten sind darin einig, dass die Deiche von New Orleans altersschwach und zu niedrig waren. Auch sind die deutschen Deiche gut in Schuss und bis zu neun Meter hoch – so hoch, dass man in ihnen ein Einfamilienhaus versenken könnte. Dennoch sind die aktuellen Forschungsergebnisse von Sturmflutexperten der Universität Siegen ernüchternd: Auch an der Nordseeküste könnte sich eine Supersturmflut zusammenbrauen. Computermodelle zeigen, wie sich starker Wind, einsetzende Flut und so genannte Fernwellen aus dem Atlantik zu einer riesigen Sturmflut addieren können, die die heutigen Deiche überspült.

Fest steht auch, dass der mittlere Tidehochwasserstand an der deutschen Nordseeküste, der höchste Punkt der täglichen Gezeiten, in den vergangenen 100 Jahren um rund 25 Zentimeter gestiegen ist – als natürliche Folge der Erwärmung der Nordhalbkugel nach der letzten Eiszeit. Weil es milder wurde, dehnte sich das Wasser aus. Für die nächsten 100 Jahre rechnen Fachleute angesichts des Treibhauseffekts mit einem weiteren Anstieg des Mee-resspiegels um 55 bis 70 Zentimeter. Das lässt Schlimmes befürchten.

Grund zur Panik sieht Jürgen Jensen, Professor für Wasserbau und Hydromechanik in Siegen und Leiter des Simulationsprojektes, dennoch nicht. Eine Supersturmflut ist zwar theoretisch möglich, aber »extrem unwahrscheinlich, und die modernen Deiche sind ausreichend bemessen», sagt er. Doch er warnt zugleich: »Grundsätzlich müssen sich die Menschen, die hinter den Deichen leben, aber des Risikos bewusst sein, dass jederzeit eine Supersturmflut eintreten kann. Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz.«

Damit es zu einem Unglück gar nicht erst kommt, werden die Deiche unablässig weiter erhöht. Derzeit führt die Hansestadt Hamburg ihr »Bauprogramm Hochwasserschutz« zu Ende, das mit der Sturmflut von 1962 begann. Damals hatte ein Orkan eine Sturmflut in die Elbe gedrückt. Das Wasser brachte die Deiche zum Einsturz und verwüstete riesige Areale im Hafengebiet. 20000 Menschen verloren Hab und Gut, 340 starben. Noch bis zum Jahr 2009 wird die Hamburger Hochwasserschutzlinie auf einer Länge von knapp 100 Kilometern verstärkt oder erhöht – zum Teil bis auf neun Meter.

Grundlage der Maßnahmen ist die so genannte Bemessungsflut – ein Wasserstand, der ungünstige Windverhältnisse und Meeresspiegelanstieg berücksichtigt und in den Auswertungen der Sturmfluten seit 1750 eingeflossen sind. Selbst die Höhe der Wellen spielt eine Rolle. Die Experten versprechen, dass die nach der Bemessungsflut ausgelegten Anlagen für Jahrzehnte ausreichenden Schutz bieten.

Auch in Niedersachsen macht man die Deiche für die Zukunft fit. Unweit des Fährhafens Harlesiel etwa, wo die Schiffe zur Insel Wangerooge ablegen, brausen seit zwei Jahren täglich dröhnende Radlader hin und her. Sie schleppen feuchten, klebrigen Kleiboden heran und bewegen Unmengen von Sand, um den alten Seedeich von Elisabethgroden zu erhöhen. Der war bislang 70 Zentimeter zu niedrig. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 2008 soll die Deichkrone eine stattliche Höhe von 8,10 Meter über Normalnull erreichen und der Fuß des Deiches eine Breite von 120 Metern aufweisen.

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