Eine Theorie, die nicht praktisch im Leben Anwendung finden kann, ist wertlose Gedankenakrobatik.
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Kultur & Gesellschaft
Wie reich ist der Vatikan?
Seit drei Jahren sind im Vatikan nicht nur die Kardinalsroben purpurrot, sondern auch die päpstlichen Bilanzen: Minus neun Millionen Euro im Jahresabschluss 2003. Die Weltwirtschaft lahmt, nicht zuletzt die Broker des Papstes haben das in Anbetracht ihrer Verluste von 32,9 Millionen im letzten Jahr feststellen müssen. Doch trotz Millionenminus – von Sparzwängen fühlt man sich frei. Der päpstliche Finanzminister, Kardinal Sebastiani, freut sich über den Anstieg der weltweiten Spendenbereitschaft um 5,7 Prozent auf 55,8 Millionen Euro und relativiert die finanzielle Durststrecke mit Hilfe von Bibelzitaten: Auf sieben fette Jahre folgen nun mal sieben magere.
Der eigentliche Grund für so viel Gottvertrauen liegt aber vielleicht doch woanders: Die Bilanzen, die der Papst nach Jahrhunderten der Geheimniskrämerei auf Grund eines Geldwäsche-Skandals in den Achtzigern zu veröffentlichen begann, erzählen keinesfalls die ganze Wahrheit. Tatsächlich sind die vatikanischen Finanzen so unübersichtlich wie eh und je. Ein Großteil des Vermögens erscheint in den Rechnungsbüchern gar nicht erst. Etwa der gewaltige Immobilienbesitz: Wahrscheinlich – genaues weiß keiner – gehören dem Vatikan über 3000 Wohnungen in Rom, die allein schon einen Wert von mehreren Milliarden Euro haben dürften. Auch das Eigentum von 1048 Kirchen und Kapellen in der Ewigen Stadt erscheint den klerikalen Würdenträgern wenig erwähnenswert. Gleiches gilt für die prächtigen Palazzi von rund 3000 Ordensgemeinschaften.
Und dann natürlich: die Kunstschätze. Der Petersdom ist die berühmteste Kirche der Welt, und auch die Vatikanischen Museen sind ein Ort der Superlative. Geschätzter Wert: unermesslich. Allein die Sixtinische Kapelle lockt rund dreieinhalb Millionen Besucher im Jahr an, der Petersplatz ist einer der meistfotografierten Orte der Welt. Vor einigen Jahren erst wurde man sich im Kirchenstaat dessen bewusst, dass diese Attraktivität Gold wert ist – bei Verhandlungen mit potenziellen Sponsoren. Die prächtigen Michelangelo-Fresken in der Sixtinischen Kapelle z. B. wurden mit freundlicher Unterstützung einer japanischen Fernsehgesellschaft aufwändig restauriert – die Vermarktungsrechte liegen seither bei Nippon Television.
























