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Hannibals Elefanten

Wie marschierte Hannibal über die Alpen?

Um die Römer zu überraschen, zog Hannibal 218 v. Chr. über die Alpen – mit Kriegselefanten. Wir werfen einen neuen Blick auf die berühmte Tat des Feldherrn

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Gegen alle Widerstände bahnt sich Hannibals Armee den Weg durch die verschneiten AlpenGegen alle Widerstände bahnt sich Hannibals Armee den Weg durch die verschneiten Alpen

Gegen alle Widerstände bahnt sich Hannibals Armee den Weg durch die verschneiten Alpen

iStockphoto
Der Weg ist das Ziel. Falls es der karthagische Feldherr Hannibal darauf angelegt haben sollte, sich im Gedächtnis der Menschheit festzusetzen, hätte er jedenfalls keine bessere Methode wählen können: Einfach mit einer riesigen Armee die Alpen überqueren, allen Schwierigkeiten und Gefahren zum Trotz. Tausende Pferde, Esel und Wagen über holprige Pfade zerren. Und, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, auch noch 37 graue Kolosse mitschleppen, die im Hochgebirge nun wirklich nichts verloren haben: Kampfelefanten, die Panzer der Antike.

Hannibal gelang das Bravourstück, er drang in Italien ein, bot den Römern im Zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr. zwischen den Karthagern – lat. »Punier« – und Rom) die Stirn und konnte anfangs so manche Schlacht für sich entscheiden. Doch in Erinnerung geblieben ist er vor allem wegen der Elefanten und dem Alpenübergang. Dank dieses außergewöhnlichen Schachzugs konnte er die Römer überrumpeln, die einen Angriff von Norden nicht erwartet hatten – so die gängige Lesart. Hannibal erscheint uns als Tausendsassa, der das Unmögliche möglich machte. An diesem Bild zu kratzen hieße deshalb, eine Legende zu beschädigen.

Doch auch Legenden sollten vor kritischen Fragen nicht geschützt sein: War dieser Zug über die Alpen wirklich so eine einmalige Leistung? Haben die Elefanten diese Tortur unbeschadet überstanden, wie antike Quellen behaupten? Und kann man sich wirklich vorstellen, dass die Römer von der herannahenden Gefahr nichts mitbekamen?

Schließlich hatten sie Grund genug, ihre Erzrivalen genau im Auge zu behalten. Mit den Karthagern, die weite Teile der nordafrikanischen Küste kontrollierten, hatten sie im Ersten Punischen Krieg (264–241 v. Chr.) schon einmal um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum gerungen. Damals waren die Karthager unterlegen und mussten unter anderem Sizilien räumen. Ihre Niederlassungen im Süden der Iberischen Halbinsel konnten sie jedoch behaupten.

Auch Hannibal, um 246 v. Chr. in Karthago geboren, kommt mit neun Jahren nach Spanien, wo er den Großteil seiner Jugend verbringt. Sein Vater ist Oberbefehlshaber über die hiesigen Truppen. Später übernimmt Hannibals Schwager Hasdrubal diesen Posten. Als der 221 v. Chr. einem Mordanschlag zum Opfer fällt, wird die Führung der karthagischen Verbände dem jungen Hannibal übertragen. Er hat eigentlich genug damit zu tun, die unbotmäßigen iberischen Stämme in seinem Herrschaftsbereich unter Kontrolle zu halten. Aber es dauert nicht lang, bis sich der Heißsporn auch mit Karthagos mächtigstem Feind anlegt: Rom.

Hannibal erregt den Zorn der antiken Großmacht, als er im Frühjahr 219 v. Chr. die mit Rom verbündete Stadt Saguntum (heute Sagunt) an der iberischen Mittelmeerküste belagert und nach acht Monaten erobert. Rom sieht darin den »casus belli« (lat. »Kriegsgrund«) – so kommt es zum Zweiten Punischen Krieg. Von der römischen Kriegserklärung erfährt Hannibal in seinem Hauptquartier in der südiberischen Hafenstadt Neukarthago (Carthago Nova, heute Cartagena). Er ahnt, dass die Römer eine Invasionsarmee nach Nordafrika und auch nach Spanien entsenden werden. Dem will Hannibal zuvorkommen, koste es, was es wolle.

Unverzüglich beginnt er mit den Vorbereitungen für einen Feldzug. Statt in Spanien zu warten, bis der Feind hier einfällt, will er den Krieg nach Italien tragen. Sein Plan ist es, das Bündnissystem zwischen Rom und den übrigen Stadtstaaten der Italischen Halbinsel aufzuspalten. Nur dann kann er die Römer so weit schwächen, dass sie Karthago in Zukunft nicht mehr gefährlich werden können.

Doch wie soll sein Heer nach Italien gelangen? Der Seeweg scheidet aus, zu stark ist die karthagische Flotte im Ersten Punischen Krieg dezimiert worden. Bleibt nur der Marsch über Land. Hier wird Hannibal unweigerlich auf die Alpen stoßen. Im Süden kann er sie nicht umgehen, denn eine durchgehende Küstenstraße existiert nicht, außerdem wäre der Weg durch die mit Rom verbündete Stadt Massilia (heute Marseille) blockiert. Also setzt er alles auf eine Karte – und riskiert den Zug über Europas höchstes Gebirge.

Im Frühjahr 218 v. Chr. ist es so weit: Vor den Toren Neukarthagos formiert sich eine gewaltige Kriegsmaschinerie aus 90000 Fußsoldaten und mehr als 10000 Reitern. Die Karthager stellen nur das Offizierskorps, die Masse der Kämpfer besteht aus Libyern, Numidern und iberischen Verbündeten. Als sich die Armee im Mai endlich in Bewegung setzt, schieben sich in ihren Reihen auch die heute so berühmten Kriegselefanten voran. Hannibal hofft, dass seine 37 nordafrikanischen Waldelefanten (eine heute ausgestorbene Art) unter den Feinden für Furcht und Schrecken sorgen werden.

Im Verlauf des Sommers marschieren die Karthager die spanische Mittelmeerküste hinauf, überwinden die Pyrenäen und ziehen weiter durch Südfrankreich. Unterwegs müssen sie widerspenstige iberische und keltische Stämme bezwingen, die den Durchmarsch durch ihr Gebiet nicht dulden wollen. Dennoch kommen die Karthager zügig voran. Im August erreichen sie nördlich des heutigen Avignon die Rhone.

Über den mächtigen Strom zu gelangen, wird kein Kinderspiel, zumal Hannibal hier auf massiven, organisierten Widerstand stößt. Am jenseitigen Ufer lauert ein feindliches Keltenheer. Was tun? Hannibal greift zu einer Kriegslist: Er lässt Einheiten seiner Armee bei Nacht und Nebel 35 Kilometer flussaufwärts ziehen, wo sie unerkannt übersetzen können. Drüben angekommen, schleicht sich der Stoßtrupp in den Rücken der völlig überraschten Gegner, die nach kurzem Kampf vernichtend geschlagen werden.

Nun ist der Weg für den Übergang frei. Aber jetzt droht eine neue Gefahr: Von keltischen Gefangenen erfährt Hannibal, dass im Rhone-Delta eine römische Flotte vor Anker liegt! Hat der Feind etwa seine Absichten geahnt und ist ihm entgegengezogen, um ihn aufzuhalten?

 

P.M. HISTORY 2/2012
 

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