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Geschichte & Politik

Wie mächtig ist der Papst?

Im Juni machte US-Präsident George W. Bush dem Papst seine Aufwartung und nahm Haltung an. Erstaunt registrierten seine Begleiter, dass Bush die mahnenden Worte von Benedikt XVI. mit einem gehorsamen »Yes, Sir!« quittierte.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Wie mächtig ist der Papst?Wie mächtig ist der Papst?
iStockphoto

»Wie viele Divisionen hat der Papst?«, fragte einst Stalin höhnisch. Nun, um genau zu sein: Ihm folgen fast eine Milliarde Gläubige. Seine geistlichen Truppen umfassen zudem 4500 Bischöfe, 400000 Bistums- und Ordenspriester und zudem 750000 Ordensfrauen auf allen Kontinenten. Überall auf der Welt unterhalten Staaten diplomatische Beziehungen zum Vatikan, und auf internationalen Konferenzen hört man die Stimme des Kirchenstaats laut und vernehmlich. Und spätestens seit dem Irakkrieg ist klar: Der Vatikan hat nicht nur spirituelle, sondern auch politische Macht. Nicht zufällig gehen amerikanische Präsidenten im Vatikan Klinken putzen, schließlich geht es um die Zustimmung von mehr als 70 Millionen Katholiken im eigenen Land.

Beispiel Irakkrieg: Nachdem Präsident George W. Bush seine Pläne offengelegt hatte, summte es im Vatikan plötzlich wie in einem Bienenstock. Die Friedensappelle des Papstes wurden auch von papst-kritischen Medien aufgegriffen und gingen um die Welt. Der Pontifex empfing in dieser Zeit nicht nur den damaligen Außenminister Joschka Fischer, sondern auch den irakischen Vizepremier Tarik Aziz und UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Der Rest ließ nicht lange auf sich warten: auch Kriegsbefürworter wie der britische Premier Tony Blair baten um Audienz. Nie zuvor hatten so viele Spitzenpolitiker den Papst als lagerneutrale Instanz aufgesucht. Anfang März schickte Johannes Paul II. zwei Sondergesandte zu Saddam und Bush, und als das nichts fruchtete, rief er zum weltweiten Fasten- und Gebetstag für den Frieden auf. Zwar kam es zum Krieg, aber die USA waren plötzlich sehr daran interessiert, ihre aggressive Politik international zu legitimieren.

Zwar konnte die Stimme des Papstes nicht den Krieg verhindern, aber eine Wirkung auf die öffentliche Meinung hatte sie allemal: Arabische Medien, auch der Fernsehsender Al Dschasira, berichteten über die Friedensmahnungen. – Da fällt uns Napoleon ein, der beim Vorbeimarsch seiner Truppen seufzte: »Was ist das schon – im Vergleich zur Macht des Papstes.«

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