Eine Theorie, die nicht praktisch im Leben Anwendung finden kann, ist wertlose Gedankenakrobatik.
Die 10 großen Mysterien unserer Existenz
Der perfekte Mord ist Geschichte
Papiergeld - Das Risiko des schönen Scheins
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
01/2011
Ausgabe
04/2011
Verlangen die Frauen heute zu viel?
Gibt es bald ein Medikament gegen das Altern?
Wann wird eine Psycho-Krise zum Trauma?
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
01/2012
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
03/2012
Ausgabe
03/2012
92 qualitativ hochwertige Sudokus – für Anfänger, Fortgeschrittene, Experten und Champions
Zu gewinnen: drei Qualitäts-Kochtopf-Sets!
Ausgabe
03/2012
Noch mehr Rätselspaß:
P.M. Logicals bringt Ihre grauen Zellen auf Hochtouren. Mit 45 anspruchsvollen Logik-Puzzles
Ausgabe
01/2011
Etymologie
Wie Länder zu ihrem Namen kamen
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
Hier geht's zum aktuellen Heft »
Wer jetzt in die Ferien startet, interessiert sich vor allem für das Wetter am Urlaubsort. Viel spannender wäre es allerdings, sich danach zu erkundigen, woher eigentlich der Name des Reiselandes kommt.
Spanien: Der Name ist tierisch
Ein kleines Tier hat dieses große Land »getauft«: Spanien. Der Name geht auf das phönizische Wort »i-sepanim« zurück, die Bezeichnung für eine Art Murmeltier. Dass die Phönizier, die einst die iberische Küste bereisten, durch eine Verwechselung auch Hasen so benannten, spielt dabei keine Rolle. Sie tauften die Gegend »sepanim«, woraus später Spanien wurde.
»Tierische« Wurzeln hat vermutlich auch Italien: Der Name leitet sich von »viteliu« ab. Damit bezeichneten die Osker, die vorden Römern im Süden der Halbinsel lebten, einen jungen Bullen.Als »vitello« – fein geschnittenes Kalbfleisch – ist er noch heuteauf italienischen Speisekarten erhalten.
Ein ausgestorbener Riesenvogel, der Moa, hat dem pazifischen Inselstaat Samoa seinen Namen gegeben. Und ein Adler stand Pate für Albanien. Die Albaner nennen ihre Heimat »Land der Adler« (»Shqiperia«) – die offizielle Bezeichnung für den Balkanstaat.
Das Land der glühenden Bäume
Als die Portugiesen im 15. Jahrhundert an der Küste des heutigen brasilianischen Bundesstaates Bahia anlandeten, staunten sie über Laubbäume der Art Caesalpinia echinata: Sie hatten so rotes Holz, dass sie förmlich zu glühen schienen. Glut heißt auf Portugiesisch »brasa«, daraus wurde »Brasil«– ein treffender Name für ein Land, in dem oft eine Gluthitze herrscht.
Den bartartigen Blättern der Feigenbäume verdankt die Karibikinsel Barbados ihren Namen. Denn Barbados heißt in der Sprache der Spanier, die im 16. Jahrhundert die Insel eroberten, »der Bärtige«.
Der Fluss Moldau gab Moldawien – zwischen Rumänien und der Ukraine gelegen – seinen Namen? Falsch: Es war die Fichte – im Rumänischen heißt sie »molid«.
Tschad heisst »See«
Indien wurde nach dem Indus benannt. Der Name dieses Flusses kommt aus dem Sanskrit, wo »Sindhu« Fluss bedeutet. Der Indus fließt seit der Teilung des Subkontinents großenteils durch das Nachbarland Pakistan – übrigens der einzige Staat der Erde, dessen Name ein Akronym ist. Er besteht aus den Anfangs- und Endbuchstaben der Namen muslimisch geprägter Provinzen: P (Punjab), A (Afghan), K (Kaschmir), I (Indus), S (Sindh) und TAN (Belutschistan). Das Akronym Pakistan erfanden in den 1930er Jahren moslemische Studenten in Cambridge.
Der Tschad-See gab dem zentralafrikanischen Tschad den Namen. In der Sprache der Bornu, die hier einst ein Reich begründeten, ist »Tschad« ein See – Tschad-See heißt also »See-See«.
Der Libanon heißt so nach dem Libanon-Gebirge, das sich wie ein Rückgrat durchs Land zieht. Da die Gipfel auch im Sommeroft schneebedeckt sind, assoziierten die ersten Siedler damit Milch. Im Aramäischen und in anderen semitischen Sprachen steht die Konsonantenkombination »L-B-N« für Milch – und schon hatten die Milchberge ihren Namen weg und später auch das Land Libanon.
Österreich liegt im Osten. Wo sonst?
Zehn Staaten der Erde – so hat der Fachbuchautor Hugo Kastner herausgefunden – verdanken ihren Namen einer Himmelsrichtung. Zum Beispiel Australien: Als »terra australis« (lat.: südliches Land) trugen es frühe Kartografen auf ihren Landkarten ein. 1817 regte Gouverneur Lachlan Macquarie an, diesem englischen Kronbesitz offiziell den Namen Australien zu verleihen, sieben Jahre später gab die Admiralität in London dafür grünes Licht.
Die Himmelsrichtung steckt auch im Namen »Ost-Timor«. Auf Malaiisch/Indonesisch wird dieser Inselstaat in Südostasien schlicht Timor (»Osten«) genannt. In der amtlichen portugiesischen Form jedoch heißt er Timor-Leste (»leste« = Osten) genau genommen also »Osten-Osten«.
Die im Westen geläufige Umschreibung für China als »Reich der Mitte« geht auf die Bezeichnung zurück, die die Chinesen für ihr Land verwenden: »Zhongguo« – »zentrales Land«. Der Name »China« leitet sich vom Namen einer Dynastie ab: Die »Qin« einigten das Reich im 3. Jahrhundert vor Christus; die persische Aussprache »tschin« gelangte schließlich zu uns. Übrigens: Ein alter englischer Name für China lautete »Cathay«, was in der Airline »Cathay Pacific« weiterlebt.
Tibet ist ein Hochland – nichts anderes bedeutet das arabische »Tubbat«, das über das Persische zu uns kam. Die Tibeter sagen »Bod« zu ihrer Himalaya-Oase, was ebenfalls als »Hochland« zu übersetzen ist.
»Ostarrîchi« bedeutet »Land im Osten«. Diese älteste Form des Namens Österreich (erhalten in einer Urkunde Kaiser Ottos III. aus dem Jahr 996 für Bischof Gottschalk von Freising) trifft geografisch zu – zumindest aus der Sicht des damaligen bayerischen Stammesgebiets.
See + Mond = Mexiko
Manchmal ist es fast unmöglich, einen Landesnamen auf eine einzige Wortwurzel zurückzuführen. Die größte Auswahl an Deutungsvarianten bietet Mexiko. So kann der ursprüngliche Name »mexxica« von dem Wort für Sonne oder Mond aus der indianischen, von den Azteken benutzten Sprache Nahuatl abgeleitet werden. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass sich Mexiko aus »metztlixihtlico« herleitet. »Metztli« bedeutet Mond und »xihtli« Nabel – zusammen also, etwas romantisierend übersetzt, so viel wie »in der Mitte des Mondes«. Das könnte auf eine Insel hindeuten, die inmitten des Salzsees von Texcoco liegt und der Mondgöttin gewidmet ist. Hier bauten die Azteken im 14. Jahrhundert die Stadt Tenochtitlán – in klaren Nächten spiegelte sich um sie herum der Mond im Wasser. Im Lauf der Jahrhunderte fiel der See trocken, später wurde dort Mexiko-Stadt gegründet.
Woher kommt der Name »Deutschland«? Nicht von den Germanen!
Noch die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm glaubten, als sie im frühen 19. Jahrhundert die »Germanistik« erfanden, »Deutsch« und »Germanisch« wäre von ältester Urzeit her identisch. Doch der Name Deutschland lässt sich nicht auf den Namen eines Stammes zurückführen. Die Geschichte des deutschen Volksnamens begann mit dem 786 erstmals belegten lateinischen Wort »theodiscus«, das von dem Substantiv »theoda« (»Volk«) abgeleitet wurde und »zum Volk gehörig« bzw. »volkstümlich« bedeutet. »Theodisca lingua« meinte nichts anderes als die »Volkssprache«, im Unterschied zum Lateinischen.
Der wohl älteste Beleg für dieses erste »Deutsch«, das »Theodisk« hieß, findet sich im Bericht eines päpstlichen Nuntius von 786. Ihm zufolge wurde damals angeordnet, dass die Beschlüsse der Synode in England sowohl auf Lateinisch als auch auf Theodisk verlesen werden sollten, damit jeder sie verstehen könne. Vermutlich geht das Wort auf Karl den Großen zurück. Der wollte seine Sprache weder als »lingua vulgaris« (vulgär) noch als »lingua barbara« (barbarisch) oder gar als »lingua gentilis« (heidnisch) verstanden wissen. In seinem Werk »Capitulare Italicum« aus dem Jahr 801 hat sich Karl mit dieser Form der Volkssprache identifiziert; er meinte damit noch alle Sprachen von Stämmen und Völkern germanischen Ursprungs – im Gegensatz zum Latein und seinen Abkömmlingen, den romanischen Sprachen. Eine ethnische Differenzierung war damit aber noch nicht gemeint, es handelte sich um eine reine Sprachbezeichnung: Ursprünglich ist Deutschland also das Land, in dem Deutsch gesprochen wird.
Kolumbus erfand Ländernamen im Akkord
Bei Christoph Kolumbus (1451–1506) fällt einem zuallererst das südamerikanische Kolumbien ein. Das Land wurde 1863 ihm zu Ehren umbenannt – obwohl er Kolumbien nie betreten hat, sondern nur dessen Küste abgesegelt ist. Doch Kolumbus ist auch der einzige Mann, der neun Staaten ihre heutigen Namen gegeben hat: den Karibikinseln Antigua und Barbuda (die «Alte« und die »Bärtige«), Costa Rica (»Reiche Küste«) sowie Dominica, die Kolumbus nach dem Wochentag ihrer Entdeckung benannte: einem Sonntag, spanisch »Domingo«. Die Dominikanische Republik erhielt ihren Namen nach der von Kolumbus gegründeten Hauptstadt Santo Domingo (Heiliger Dominik).
Weitere von Kolumbus mit Namen versehene Länder sind Honduras (span. »Honduras« = Tiefe), St. Kitts (ursprünglich St. Christopher), Nevis (nach span. »nieves« = Schnee) sowie St. Lucia. Auf dieser Insel ist Kolumbus wohl nie gelandet, aber man sagt ihm nach, dass er ihr am 13. Dezember 1502, dem Lucia-Tag, ihren Namen gab. Hinzu kommen noch St. Vincent und die Grenadinen: Diese Inselgruppe erreichte er 1498 am Sankt-Vinzenz-Tag. Trinidad-Tobago nannte er so wegen ihrer drei markanten Bergspitzen: »Trinidad« bedeutet Dreifaltigkeit.
Wie kam Venedig nach Südamerika?
Der italienische Seefahrer Amerigo Vespucci (1454–1512) taufte Venezuela auf eine kuriose Weise. Als er zum ersten Mal die Pfahlbauten der Eingeborenen im Maracaibo-See im Nordwesten der Region sah, erinnerten sie ihn an Venedig. Und so nannte er diesen Landstrich Venezuela – Klein-Venedig. Vespucci erforschte auch einen großen Teil der Ostküste Südamerikas. 1507 erkannte er als Erster, dass das Land nicht Indien, sondern ein ganz neuer, bis dahin völlig unbekannter Erdteil sein musste. Noch im selben Jahr wurde der neu entdeckte Kontinent von dem deutschen Kartografen Martin Waldseemüller nach dem Vornamen des Florentiners Amerigo Vespucci »America« benannt.
Liechtenstein: Der Schein bestimmt das Sein
Es gibt nur ein einziges europäisches Land, das seinen Namen auf eine Herrscherfamilie zurückführen kann – das Fürstentum Liechtenstein: Der Staat, heute eine umstrittene Steueroase, ist nach dem Geschlecht derer von Liechtenstein benannt. Der Name leitet sich vom früheren Stammschloss bei Wien ab: Burg Gutenberg in Liechtenstein – so benannt nach dem hellen Stein des Felsens, auf dem das Schloss 1135 erbaut wurde. Hier residierte die Adelsfamilie Liechtenstein, die zwar unbedeutend war – aber ehrgeizig. Doch erst 1719 gelang es ihr, den nördlichen Teil der Herrschaft Schellenberg und die Grafschaft Vaduz zu kaufen. Beide waren zwar nicht besonders groß (so groß wie das heutige Liechtenstein), dafür aber »reichsunmittelbar«: Das bedeutete, dass sie nur den Kaiser über sich hatten – und der beförderte die Liechtensteins zu Fürsten. Freilich dauerte es noch ein gutes Jahrhundert, bis der erste Fürst Liechtenstein seinen Wohnsitz in der Burg über der Hauptstadt Vaduz nahm.
Der Preis für die kühnste Namensgebung durch einen Herrscher im 20. Jahrhundert steht wohl Saudi-Arabien zu. Staatsgründer Ibn Saud (1880–1953) heftete selbstbewusst seinen Familiennamen Saud an den der Halbinsel Arabien. Auch in Asien und Afrika leiten eine Reihe von Staaten ihren heutigen Namen von früheren Herrschern und Staatsgründern ab: In Afrika sind es die Länder Angola (nach dem Herrschertitel »Ngola a kiluanje«, den der König der Mbundu zur Zeit der portugiesischen Eroberung im 16. Jahrhundert führte), Mosambik (eine portugiesische Verballhornung des Namens »Musa al Biq«, der ein früher arabischer Herrscher über dieses Gebiet war) und Swaziland (nach dem einstigen König Mswati). In Asien stammen die Armenier der Legende zufolge in direkter Linie von einem Ur-Urenkel (?) Noahs namens Hayk ab – in der Landessprache heißt das Land daher auch Hayastan (Land des Hayk).
Kambodscha verdankt seinen Namen dem amourösen Abenteuer von Kambu, dem mythischen Stammvater der Khmer, und der Nymphe Mera. Und vielleicht gab es ja auch den legendären Lao tatsächlich, der seinem Land Laos den Namen gab. Das Sultanat Oman bekam seinen Namen von dem einstigen Gründer des Staates, Oman Ben Ibrahim al-Khalil, den der römische Schriftsteller Plinius als »Omano« bereits im ersten Jahrhundert erwähnte. Frühere Herrscher und Staatsgründer im Namen des Landes zu verewigen, dahinter steckte oft der Wunsch, die Kolonialepoche bzw. die Fremdherrschaft abzuschütteln.
Als heimlicher Herrscher kann Jean Moreau de Séchelles gelten, der Finanzminister des französischen Königs Ludwig XV. Nach ihm wurde nicht nur das tropische Inselparadies der Seychellen benannt: Ihm wurde 1756 diese Inselgruppe der Französischen Ostindien-Kompanie auch noch als »Besitz« zugesprochen.
Der Name heiligt die Länder
Auf den heiligen Marinus geht der Name des europäischen Zwergstaates San Marino zurück: Der dalmatinische Steinmetz gründete am Ende des dritten Jahrhunderts an der adriatischen Küste bei Rimini eine Einsiedelei.
Der Name der Kaukasus-Republik Georgien soll nach dem heiligen Georg benannt worden sein. Allerdings nennen sich die Georgier selbst »Kartveli« und ihren Staat »Sakartvelo« – nach dem legendären Urvater des Landes, einem gewissen Kartlos: Er soll der Enkel eines der drei Söhne Noahs gewesen sein. Der heilige Georg schlich sich über einen Hörfehler in die Namensgebung ein: Die Perser nannten ihre kaukasischen Nachbarn »Gurjan«, und daraus wurde in westlichen Ohren Georg. Zu diesem Missverständnis trug wohl auch bei, dass die Verehrung des heiligen Georg bei den Kartveli sehr ausgeprägt war. Heute jedenfalls haben sich die Georgier so mit ihrem westlichen Namen angefreundet, dass sie das rote Kreuz des Heiligen gleich fünf Mal in ihre Fahne aufgenommen haben.
Nicht immer soll der Name schmeicheln
Bei der Benennung von Ländern gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder gibt sich das betreffende Volk den Namen selbst. Eine Eigenbezeichnung (Endonym = »Innenname«) ist zum Beispiel »Sakartvelo« für Georgien. Eine Fremdbezeichnung (Exonym = »Außenname«) dagegen kann auch mal weniger schmeichelhaft ausfallen. So gaben etwa die Ägypter dem Gebiet südlich ihrer Grenze abschätzig den Namen »Land der Schwarzen« – abgeleitet von dem arabischen »Balad-as-sudan«: der Sudan.
Literatur:
Hugo Kastner; Von Aachen bis Zypern, Geografische Namen und ihre Herkunft, Humboldt Verlag, 2007
- Natur & Reise
- Uma Thurman
- Kultur & Gesellschaft

























