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Anti-Aging

Wie ich dem Alter davonlief

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Wie ich dem Alter davonliefWie ich dem Alter davonlief

Die Jahre vergehen – aber der Körper bleibt jung: Dieser uralte Traum ist heute erfüllbar. P.M.-Autor Robert Buchacher hat unter ärztlicher Aufsicht einen Selbstversuch gewagt – und das Ergebnis ist sensationell. Anti-Aging ist machbar!

Wie eine Feder fühle ich mich. In drei Monaten habe ich zwölf Kilogramm abgenommen, ohne zu hungern. Der Fettanteil meines Körpers: um 3,5 Prozent verringert. Meine Blutwerte: Marke Bilderbuch. Meine alten Anzüge: passen wieder. Ich laufe die Treppe heute hinauf wie ein 20-Jähriger. Ich bin 63.

Wie war das möglich?

Es begann eher beiläufig. In einem Gespräch über das Altern wurde ich gefragt: »Wieso machst du nicht einen Anti-Aging-Selbstversuch und berichtest darüber?« Der Gedanke lag in der Tat nahe – ich war im Thema drin: Zusammen mit dem Wiener Hormonforscher und Anti-Aging-Mediziner Johannes Huber hatte ich ein Buch mit dem Titel »Das Ende des Alterns« geschrieben, das im September 2005 im Berliner Econ-Verlag erschienen ist.

Durch die Recherchen für das Buch wusste ich, dass der Alterungsprozess des Menschen kein fest gefügter, sondern ein beeinflussbarer Vorgang ist. Unser Körper altert nicht wie ein Auto, dessen Teile durch stetige Abnutzung defekt werden und ausgetauscht werden müssen, bis das ganze Vehikel den Geist aufgibt. Nein, der menschliche Organismus verfügt selbst über beträchtliche Reparaturpotenziale. Zu diesem Zweck sind überall Stammzellendepots eingerichtet – im Knochenmark, in der Haut, im Herzen, ja sogar im Gehirn. Die Depots liefern jene Körperzellen nach, die ständig und überall absterben. Wenn man so will, ein permanenter Jungbrunnen. Dass und wie intensiv er sprudelt, belegen inzwischen wissenschaftliche Studien.

Aber wenn sich der Körper immer wieder zellbiologisch erneuert – wieso altern wir dann? Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens lässt der Nachschub aus den Stammzellendepots im Lauf der Jahrzehnte nach. Zweitens werden die so genannten Telomere, Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, mit jeder Zellteilung kürzer, bis sie ganz verbraucht sind. Da die Telomere die Zellteilung steuern und dafür sorgen, dass danach das Erbgut wieder richtig geordnet wird, bedeutet ihr Ende auch das Ende der Zellteilung. In der Summe ergeben der zurückgehende Nachschub an jugendlichen Stammzellen und das Abflauen der Zellteilung jenen Prozess, den wir »Altern« nennen.

Äußere Einflüsse kommen hinzu. Britische Forscher haben herausgefunden, dass Stress die Alterung beschleunigt. Dazu verglichen sie die Zellen von zwei unterschiedlichen Personengruppen: In der einen waren nur Mütter von behinderten Kinder, in der anderen nur Mütter mit gesunden Kindern. Ergebnis: Bei den Müttern mit behinderten Kindern waren die Telomere deutlich kürzer als bei den anderen – ein Zeichen für mehr Stress.

Auch andere Stressfaktoren wirken wie ein Alterungsmotor. Durch Nikotin und Alkohol werden die Zellen von aggressiven Stoffen attackiert – das strapaziert ihre Abwehrmechanismen, bis diese schließlich schwächer werden und irgendwann erlahmen. Wenn dem Körper ständig zu viel Leistung abverlangt wird, etwa durch exzessiven Sport oder Überernährung, bildet sich in den Zellen eine Vielzahl von freien Radikalen – die können das Erbgut schädigen.

Aber ob wir rauchen oder uns überfressen, haben wir selbst in der Hand. Spätestens im 50. Lebensjahr sollte man sich fragen: Wie gehe ich mit meinem Körper um? Will ich ihm weiterhin Stress, Schwerstarbeit und permanentes Vollgas zumuten – oder ist jetzt Schonzeit angesagt? Mit anderen Worten: Will ich schnell oder langsam altern? Und will ich bis ins hohe Alter fit bleiben, oder akzeptiere ich, zum Pflegefall zu werden?

Wer in diesem Sinne Lebensplanung betreibt, sollte auch einen privaten »Gen-Check« durchführen. Die erste Frage lautet: Woran sind meine Vorfahren aus der Eltern- und Großelterngeneration gestorben – etwa an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Herzinfarkt und Schlaganfall, an Krebs, und wenn ja, an welcher Art Krebs? Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs sind – in dieser Reihenfolge – in allen Industrieländern die größten Killer. Die zweite Frage betrifft die eigene Biografie: War mein bisheriges Leben durch Krankheiten oder eher durch gesundheitliche Robustheit geprägt?

In meinem Fall lassen sich die Fragen rasch beantworten: Mein Großvater väterlicherseits erlag früh einem Hirnschlag. Meine Großmutter mütterlicherseits wurde 92 Jahre alt und starb an Altersschwäche, ohne eine lebensbedrohliche Krankheit entwickelt zu haben. Mein Vater wurde fast 86, hatte Parkinson und starb an Altersschwäche. Meine Mutter starb mit 77 an Nierenversagen, verursacht durch arteriosklerotisch verengte Blutgefäße und damit in Zusammenhang stehendem langjährigem Bluthochdruck. Als Mutter von fünf Kindern hatte sie ein aufopferungsvolles Leben mit erheblichem Stress geführt. Ein Blick auf die Gesundheit meiner Geschwister verfestigt das Bild meiner eigenen Risiken: Einer meiner Brüder, zwei Jahre älter als ich, wurde wegen einer Gefäßverengung am Bein operiert, ein zweiter erlitt im Alter von 57 Jahren einen schweren Herzinfarkt und ist seither Frührentner. Summa summarum ergibt mein privater Gen-Check: früher Hirnschlag, Gefäßverengung und Herzinfarkt in der Familie – das bedeutet auch für mich eine erhöhte Arteriosklerose-Gefahr. Einen signifikanten Hinweis auf ein geerbtes Krebsrisiko gibt es aber nicht.

Mein eigenes bisheriges Leben war von ungewöhnlich geringer Krankheitsanfälligkeit geprägt. Allerdings war mein Lebensstil, typisch Journalist, ziemlich exzessiv: viele Zigaretten, viel Alkohol, unregelmäßige Mahlzeiten, jede Menge durchzechte oder am Schreibtisch durchwachte Nächte. Im Alter von 50 Jahren hörte ich von einer Minute auf die andere auf zu rauchen – ohne Probleme. Aus heutiger Sicht war das meine Rettung – auch, dass ich mit 54 Jahren mit Ausdauersport begann. Allmählich steigerte ich mein Laufpensum auf 40 Minuten am Stück, dann auf eine Stunde, später auf zwei Stunden – mit der Regelmäßigkeit haperte es allerdings noch.

Aber all das war nur der Anfang meines neuen Lebens. Erst durch den Anti-Aging-Selbstversuch unter Anleitung des Hormonforschers Johannes Huber kam ich dorthin, wo ich hinwollte.

»Ist es möglich, mein biologisches Alter innerhalb von drei Monaten um drei Jahre zu senken?«, fragte ich den Professor vor dem Start. Auf eine konkrete Jahreszahl mochte er sich nicht festlegen – wohl aber auf die Formulierung »deutlich senken«. Und dann präsentierte mir Huber das Programm für meine dreimonatige Anti-Aging-Rosskur:

- REGELMÄSSIGE BEWEGUNG

Das schon begonnene Lauftraining sollte ich fortsetzen – nur regelmäßiger: Drei wöchentliche Trainingseinheiten von mindestens 45 Minuten, lautete die Vorgabe. Regelmäßige Bewegung scheint ein Allheilmittel zu sein: Sie steigert die Elastizität der Blutgefäße, senkt den Blutdruck, stärkt das Herz-Kreislauf-System, festigt die Muskulatur, fördert die Durchblutung, steigert die Sauerstoffaufnahme des Blutes und damit die Leistungskraft, und sie wirkt positiv auf Stoffwechsel und Immunsystem. Außerdem werden überall im Körper Stammzellen mobilisiert und zur Regeneration verschiedenster Organe abkommandiert. Also ein Jungbrunnen in vielfältiger Hinsicht – das war mir aber schon bekannt.

KALORIEN-REDUKTION

Bekannt war mir auch, dass eine geringere Kalorienaufnahme Anti-Aging-Effekte hat: Zahlreiche an Fadenwürmern, Mäusen oder Primaten durchgeführte Tierversuche haben gezeigt, dass sich das biologische Alter dadurch erheblich senken und die natürliche Lebensspanne erstaunlich verlängern lässt. Aber weniger essen – brauchte ich für diese Erkenntnis einen versierten Anti-Aging-Arzt?

Die Antwort ist Ja, denn Huber hatte neben der üblichen Forderung, auf ungesunde Speisen wie fettes Fleisch oder schlechte Öle zu verzichten, noch eine Spezialität auf Lager: das »dinner cancelling« – das Streichen des Abendessens. Ab 16 Uhr sollte ich nichts mehr zu mir nehmen – was und wie viel ich davor aß, kümmerte ihn weniger.

Mit leerem Magen ins Bett – das wirkt laut Huber gleich mehrfach als Jungbrunnen, denn dadurch wird während des Schlafs der Glukosespiegel im Blut gesenkt. Blutzucker sei nicht nur ein Alterungsbeschleuniger par excellence, sondern auch die bevorzugte Nahrung für Krebszellen. Außerdem erhöhe er den Insulinspiegel im Blut, was sich besonders ungünstig auf Blutgefäße und Stoffwechsel auswirke. Umgekehrt hätten viele biomedizinische Experimente gezeigt, dass ein niedrigerer Insulinspiegel den Alterungsprozess bremse.

Ein weiterer Effekt der nächtlichen Absenkung des Glukose- und Insulinspiegels: Er führt zu einer Verminderung der Körpertemperatur um bis zu 0,5 Grad Celsius und damit zu einer Verlangsamung aller Körperfunktionen. Dieses Schonprogramm wirkt nach Meinung Hubers schon für sich als Altersbremse. Außerdem steigt nach dem abendlichen Fasten die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin sowie des Wachstumshormons, das die körpereigenen Regenerationsmechanismen anregt.

Das »dinner cancelling« des Professors überzeugte mich – machte es doch die übliche Kalorien-Zählerei überflüssig.

- ALKOHOL & MEDIKAMENTE

Bier, Wein usw. sollte ich während meiner Kur komplett streichen – nur grünen Tee oder Wasser trinken. »Weil Alkohol nicht nur viele Kalorien hat, sondern auch die Fetteinlagerung fördert. Und wir wollen ja den Fettanteil Ihres Körpers verringern«, sagte Huber.

Zur Unterstützung meines Anti-Aging-Programms bekam ich bestimmte Medikamente, Nahrungsergänzungmittel und Vitamine verordnet, die im Wesentlichen
folgende Wirkungen haben sollten: Senkung des Glukose- und Cholesterinspiegels, Bekämpfung von freien Radikalen, Entgiftung des Körpers, Aktivierung von Langlebigkeitsgenen.

- KÖRPERVERMESSUNG

Bevor ich mich Hubers Rosskur hingab, ließ ich bei dem Wiener Internisten und Sportmediziner Professor Paul Haber meinen Ist-Zustand feststellen. Die Blutanalyse, die »Body-composition-Vermessung« zur Feststellung der Fett- und Muskelmasse sowie der Leistungstest via Ergometer brachten für einen zu diesem Zeitpunkt 62-Jährigen durchaus passable Ergebnisse: Cholesterin 194, das »gute« HDL-Choles-terin 51, Cholesterin/ HDL-Quotient 3,8 – das lag alles in der Nähe der jeweiligen Referenzwerte für Gesunde. Auch der Körperfettanteil von 28,6 Prozent: nicht schlecht. Und die Ergebnisse des Leistungstests konnten sich sogar sehen lassen: 171 Watt sind in meiner Alters- und Gewichtsgruppe 100 Prozent – ich kam auf 183 Watt, satte 107 Prozent. Würde ich in drei Monaten mehr schaffen?

Über die Zeit bis dahin führte ich genau Buch. Schon in der ersten Woche verlor ich sechs meiner 96 Kilogramm Körpergewicht; innerhalb weniger Wochen hatte ich auf 84 Kilo abgespeckt. Zugegeben, während dieser Zeit hatte ich die eine oder andere »heroische« Phase zu durchleben – vor allem, wenn ich mich mitten unter lustigen Weintrinkern einsam an mein Glas Mineralwasser klammerte. Umso größer mein Triumph, als ich danach einem zehn Jahre jüngeren, durchaus trainierten Kollegen spielend davonlief.

Mein Laufpensum steigerte ich von dreimal wöchentlich zwei Stunden auf dreimal wöchentlich drei Stunden (jeweils 21 Kilometer). Nach Problemen mit der Achillesferse verringerte ich den Trainingsumfang auf Anraten von Haber auf dreimal anderthalb Stunden – ausreichend, um meine Fitness zu erhalten. Zusätzlich startete ich ein Hanteltraining zum Muskelaufbau: 30 Armbeugen mit 1,8 Kilogramm in jeder Hand – meine Anfangsbilanz.

Mit Spannung erwartete ich die Schlussbilanz der Huber’schen Kur. Um es vorweg zu nehmen: Ich war begeistert. Laut Blutanalyse hatten sich meine biochemischen Parameter teils signifikant verbessert – trotz der ohnehin schon guten Ausgangswerte. Beim besonders wichtigen Cholesterin/ HDL-Quotienten, also dem Verhältnis zwischen gutem und schlechtem Cholesterin, betrug die Verbesserung sogar zehn Prozent. Meine Hanteln riss ich jetzt 350-mal ohne Pause. Aber die wirkliche Überraschung war der abschließende Leistungstest auf dem Ergometer: statt der ursprünglichen 183 nun 198 Watt! Wenn man mein inzwischen um zwölf Kilogramm geringeres Körpergewicht in die Rechnung einbezieht, sind das stolze 121 Prozent – nicht weit entfernt vom Idealwert 130 Prozent. Und dabei war mein Blutdruck auf allen Leistungsstufen deutlich niedriger als bei der Einstiegsuntersuchung.

Doch das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Die wahre Wirkung meines Anti-Aging-Programms, hatte mir Professor Haber prophezeit, werde sich erst nach einem halben Jahr zeigen – wenn ich weitermache. Hochmotiviert, wie ich war, machte ich weiter. Mittlerweile sind die sechs Monate um – und ich habe das Ergebnis eines erneuten Ergometer-Leistungstests in Händen: unglaubliche 138 Prozent! Habers Kommentar dazu ist Musik in meinen Ohren: »Es wird nicht viele Männer in Ihrem Alter geben, die diesen Wert schaffen.« Und: Die Steigerung von 107 auf 138 Prozent komme einer biologischen Verjüngung von 20 Jahren gleich. Anti-Aging ist machbar!

Robert Buchacher ist Redakteur beim Wiener Nachrichtenmagazin »profil«, wo er sich auch schon umfassend mit Fragen des Alterns und des Anti-Aging beschäftigt hat.

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Autor/in: Robert Buchacher


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