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Wissenschaft & Technik

Wie gefährlich sind Facebook, Twitter & Co?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Wie gefährlich sind Facebook, Twitter & Co?Wie gefährlich sind Facebook, Twitter & Co?
iStockphoto

Soziale Netzwerke verändern unser Denken und Handeln. Immer neue Plattformen bevölkern das Internet und bieten ungeahnte 

Möglichkeiten der Kommunikation. Aber: Sie zu nutzen, ist nicht frei von Risiken. Gute Frage! sagt, wo Gefahren lauern - und wie man sich dagegen schützen kann.

Wer nutzt welche Plattform?

Soziale Netzwerke kann man mit Cafés und Diskotheken vergleichen – es gibt für jeden Geschmack etwas Passendes. Man geht dahin, wohin die Freunde auch gehen und wo man mehr oder weniger unter seinesgleichen ist. Vor allem in den letzten Monaten wurden die Unterschiede zwischen den Netzwerken immer deutlicher, wie die Mediensoziologin Danah Boyd herausfand. Während MySpace eher von der ethnisch gemischten Unterschicht der Vereinigten Staaten und Schülern benutzt werde, tendierten die meist weißen College-Studenten zum skandinavisch clean gestalteten Facebook. MySpace repräsentiere mit seinem chaotischen Design eher die Hip-Hop-Underdogs. Oder anders ausgedrückt: Facebook ist die coole Szene-Bar, MySpace stellt die Großraumdisco im Industriegebiet dar. Übrigens: Die Entscheidung für ein bestimmtes Netzwerk ist nicht gleichbedeutend mit der Entscheidung gegen ein anderes Netzwerk: Die Nutzer sind häufig in zwei oder sogar mehreren Plattformen aktiv.

Eine weitere interessante Beobachtung ist, dass sich die Trennung zwischen Facebook und MySpace auch innerhalb des US-Militärs zeigte. Zum Beginn des Irak-Kriegs äußerten viele junge Soldaten auf MySpace ihre hasserfüllten und fremdenfeindlichen Einstellungen. Die besser gebildeten Offizierskameraden hingegen pflegten ihre Kontakte und ihre differenzierteren Meinungen auf Facebook.

Twitter-Nutzer sind dagegen gut verdienende Technikfreaks: Sie haben mehr Geld als alle anderen Netzwerker, und nahezu 40 Prozent von ihnen besitzen drei oder mehr Computer.

Was bringt eine Mitgliedschaft?

Neues wird immer argwöhnisch betrachtet. Ja, die sozialen Netzwerke bergen Gefahren – aber auch große Chancen. Das fängt mit vermeintlichen Kleinigkeiten an. Es ist ein Kinderspiel, längst vergessene Freundschaften wiederzubeleben und mit Kameraden aus der Schule, der Universität oder einem früheren Arbeitsplatz wieder in Kontakt zu treten. Der Mensch definiert sich nun einmal ganz wesentlich über seine sozialen Kontakte, und die neuen Netzwerke bieten die Möglichkeit, zumindest die ersten spannenden Schritte hin zu alten neuen Bekanntschaften via Netz zu tun. Wissen wird geteilt oder kann in Echtzeit diskutiert werden. Das geht von simplen Alltagsfragen („Kennt jemand ein preiswertes Hotel in Berlin-Mitte?“) bis hin zu wertvollen Jobkontakten.

Und natürlich darf auch das Flirten nicht unterschätzt werden. Soziale Netzwerke bieten eine ungeheure Chance, die übliche Kommunikationswege nicht oder nur für sehr viel Geld bieten können. Wie oberflächlich oder tiefgründig die Kommunikation sein mag, hängt vom User selbst ab. Wer sich in ein soziales Netzwerk begibt, begibt sich gewissermaßen auf einen öffentlichen Marktplatz. Was er auf diesem Marktplatz von sich preisgibt, wen er anspricht und wen er überhört, hängt ganz von ihm selbst ab.

Welches sind die Gefahren?

Ja, auch Einbrecher informieren sich im Netz: So lassen sich durch eine längere Beobachtung auf Facebook oder Twitter Lebensgewohnheiten potenzieller Opfer studieren. Achtlos geschriebene Mitteilungen wie „Bin dann mal vier Wochen auf einer Kreuzfahrt“ machen es natürlich besonders leicht. Identitätsklau ist das größere Problem. Man braucht nur einen Namen und das dazugehörige Geburtsdatum – alles, was sich leicht in diesen Netzwerken finden lässt. Hat man dann noch einen weiteren Anhaltspunkt, etwa den Beruf, kann man sich eine E-Mail-Adresse basteln und Waren auf Rechnung bestellen. Identitätsdiebstahl ist eines der am stärksten zunehmenden Delikte im Internet. Die Stiftung Warentest hat bei acht von zehn sozialen Netzwerken erhebliche Mängel bei der Datensicherheit festgestellt.

Auch berufliche Schäden sind möglich für all jene, die ihre Freizeit allzu offenherzig präsentieren. Lustige Partyfotos können bei Einstellungsgesprächen oder Beförderungen problematisch werden. Schon mehrfach ist es vorgekommen, dass Arbeitnehmer auf Facebook über ihren Chef gelästert haben – der mitlas. Krankgemeldete Angestellte, die plötzlich im Facebook-Chat auftauchten, bekamen Abmahnungen oder gleich die Kündigung. Begründung: Wer daheim am Computer sitze, könne das auch in der Firma.

Psychische Schäden sind noch nicht hinreichend erforscht, aber „Cyber-Bullying“ könnte das Mobbing des 21. Jahrhunderts werden: Über Kollegen oder Außenseiter wird hemmungslos hergezogen – für alle anderen sichtbar. Oder man gibt sich für das Opfer aus und publiziert in dessen Namen Peinlichkeiten. In einer US-Umfrage gaben 60 Prozent aller Schüler an, schon einmal Opfer dieser perfiden Methode geworden zu sein.

Beim Wettbewerb um Beliebtheit setzen sich viele selbst unter Druck, denn die Freundesanzahl wird öffentlich dokumentiert. Auch Konflikte werden hemmungsloser ausgetragen, selbst Beziehungsabbrüche werden öffentlicher. Und wie geht man damit um, wenn ein Freundschaftslink für alle anderen sichtbar gelöscht wird?

Psychologen nehmen zunehmend eine Abhängigkeit von Social Networks wahr. Der Zwang, sich einzuloggen und die neuesten Meldungen der Freunde zu lesen, haben eindeutig Suchtcharakter. Es kann sogar zu einem richtigen Burn-Out kommen, wenn Jugendliche versuchen, ihren aufgehübschten Online-Identitäten gerecht zu werden.

Was sind Erste-Klasse-Netzwerke?

Mittlerweile gibt es auch exklusive Netzwerke, die einer ganz speziellen Klientel offenstehen. Man kann unter sich sein, mit seinen Partys, seinen Jobangeboten und seinem neu erworbenen Schmuck. Bei INmobile.org tauschen sich 2000 Führungskräfte unter Ausschluss der Öffentlichkeit in ihrer mondänen Welt aus. Knapp 35 Prozent der Mitglieder haben mindestens einen Posten als stellvertretender Unternehmensleiter inne, jeder Fünfte ist Geschäftsführer oder gleich Firmenlenker höchstpersönlich. Eine Mitgliedschaft kostet 350 Dollar im Jahr. Wer dabei sein will, muss sich eine Woche lang gedulden – man will die Kandidaten überprüfen.

Bei asmallworld.net. ist die persönliche Einladung Bedingung, aber bitte nur von einem „kulturell einflussreichen Menschen“. Heimlich tauschen hier die Mitglieder Reiseziele aus und handeln in den Kleinanzeigen mit Luxusyachten oder Ferien-Resorts. Um der Diamond Lounge beizutreten, braucht man nicht reich und einflussreich zu sein, sondern nur entweder reich oder schön. Wobei Reichtum natürlich für die Männer Bedingung ist und Schönheit für die Frauen. Konsequent geht beautifulpeople.com an die Sache heran: Hier darf nur mitspielen, wer gut aussieht, Geld und Erfolg helfen den Männern dort nicht weiter. Die Auswahl ist gnadenlos demokratisch: 80 Prozent aller Bewerbungen mit Foto und Kurzprofil werden von den bestehenden Mitgliedern abgelehnt. 48 Stunden lang dürfen Männer über neue Frauen und Frauen über neue Männer abstimmen. Mehr als 80000 Mitglieder haben dank der Seite angeblich schon ein romantisches Intermezzo erlebt, 400 entzückende Babys sollen auf diesen Weg geboren worden sein.

Affluence.org ist angeblich das größte Elite-Netzwerk, auf dem Wohlhabende Informationen austauschen. Wer über ein nachweisbares Haushaltseinkommen von 300000 Dollar im Jahr verfügt oder einen Besitz von drei Millionen Dollar belegen kann, bekommt Zugang. Geld verdient die Site, indem sie Einladungen zu exklusiven Marketingveranstaltungen weiterreicht und für jeden erschienenen Gast eine Provision erhält.

Wie retten die neuen Netzwerke die Welt?

Ob Schweine- oder Vogelgrippe: Die nächste Seuche kommt bestimmt. Und Facebook & Co. könnten dazu beitragen, Pandemien wirkungsvoll einzudämmen. Experten suchen schon seit Jahren fieberhaft nach Ideen, wie man im Ernstfall die „Superspreader“ identifizieren kann – jene kontakt- und feierfreudigen Menschen, die im Anfangsstadium einer Epidemie gleich Dutzende von anderen anstecken und so den Verlauf einer Seuche entscheidend anheizen. Die verblüffend einfache Idee: soziale Netzwerke. Ein speziell entwickeltes Computerprogramm durchkämmt die zugänglichen Seiten und kann analysieren, wer mit wem wie oft Kontakt hat. Sozial besonders aktive Menschen könnten mit der Such-Software aufgespürt und bevorzugt geimpft werden.

Mit welchen Prominenten kann man in Kontakt treten?

Während die Facebook-Seiten wirklich prominenter Personen fast immer von PR-Managern oder von Fan-Gruppen betrieben werden, sind viele internationale Stars bei Twitter. Hier ist die Privatsphäre gesichert (der Star tritt nur mit seiner Kurzmitteilung und einigen ins Netz gestellten Fotos in Erscheinung), dennoch können Fans durchaus mit ihren Idolen kommunizieren. Ob diese wirklich antworten, hängt nicht nur von ihrer Laune und ihrem Terminplan ab, sondern auch von der Qualität der Anfragen. Und natürlich wird Barack Obama vermutlich nicht auf Ihre Vorschläge zur Sanierung des US-Haushalts reagieren, aber wer weiß? Hier kommt eine winzige Auswahl:

@BarackObama, US-Präsident
@Danny_DeVito, Schauspieler
@Karl_Lagerfeld, Modeschöpfer
@alaindebotton, Schriftsteller
@JohnCleese, Schauspieler und Komiker
@David_Lynch, Regisseur
@HSPartei, Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling
@lancearmstrong, Radchampion
@richardbranson, exzentrischer Milliardär
@coldplay, britische Band
@jk_rowling, Harry-Potter-Schöpferin

Der Platzhirsch

Der damals 20-jährige US-Amerikaner Mark Zuckerberg entwickelte im Jahr 2004 mit zwei Freunden eine soziale Plattform, die ursprünglich nur für Harvard-Studenten gedacht war. Mittlerweile sind bei Facebook 500 Millionen Nutzer aktiv. Fast zehn Millionen Deutsche sind dabei (jeder Achte), 1,9 Millionen Österreicher und 2,1 Millionen Schweizer.

Der zweite Sieger

MySpace ist mit sieben Jahren schon der
Methusalem der sozialen Netzwerke. Im Juli 2003 gründete Tom Anderson das Netzwerk, das erst kürzlich von Facebook überholt wurde. MySpace kommt auf 80 Millionen Nutzer weltweit, davon leben 3,4 Millionen in Deutschland.

Der Kurzdienst

Twitter begann erst im März 2006 als ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt der Firma Odeo in San Francisco. Jack Dorsey, Biz Stone und Evan Williams heißen die geistigen Väter des Zwitscherdienstes. Bis zu 15 Millionen Nutzer weltweit versenden elektronische Kurznachrichten, nicht länger als 140 Zeichen. In Deutschland sind es knapp 2,7 Millionen.

Der Kontaktmanager

Xing wurde 2003 unter den Namen OpenBC (Open Business Club) von Lars Hinrichs und Bill Liao gegründet. Rund acht Millionen Nutzer – darunter drei Millionen Deutsche – erhoffen sich hier vor allem berufliche Kontakte, denn im Business-Netzwerk sollen in erster Linie Geschäftsbeziehungen geschlossen und gepflegt werden.

Der Business-Konkurrent

Linkedin, in Kalifornien von Reid Hoffman entwickelt, ist der stärkste Konkurrent von Xing. Weltweit sind rund 50 Millionen Mitglieder auf der Suche nach Geschäftskontakten, in Deutschland nutzen zwischen 500000 und 800000 den Linkedin-Service.

Der Teenie-und Twen-Verbund

VZnet Netzwerke ist ein Deutsches Unternehmen für webbasierte soziale Netzwerke. 2005 wurde das Online Prokekt studiVZ gegründet, im Februar 2007 startete der Ableger schülerVZ, ein Jahr später das allgemein orientierte meinVZ. StudiVz und schülerVZ haben fünf bzw. sechs Millionen Mitglieder, meinVZ kommt auf vier Millionen. Im Schüler-Netzwerk sind Erwachsene ausdrücklich ausgeschlossen.

Der Foto-Shop

Flickr, gegründet von einem kanadischen Ehepaar, entstand aus einem Online-Spiel, bei dem die User eigene Fotos hochladen konnten. Inzwischen stellen 40 Millionen registrierte Besucher weltweit ihre Bilder und Foto-Blogs ins Netz.

 

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Autor/in: Jan May


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