Eine Theorie, die nicht praktisch im Leben Anwendung finden kann, ist wertlose Gedankenakrobatik.
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Kultur & Gesellschaft
Wie funktionieren Tauschringe?
Man muss ja nicht gleich ideologisch werden und im Geld allein die Wurzel allen Übels sehen. Aber offensichtlich vergrößert das System von Zins und Zinseszins die Kluft zwischen Arm und Reich, und das ist auch nur logisch: Ein Haufen Geld vermehrt sich von selbst, ohne dass sein Besitzer einen Finger krümmen müsste. Deshalb haben die Anhänger von Tauschringen etwas gegen die Zinswirtschaft.
Über 25000 Bundesbürger haben sich in den letzten zehn Jahren in rund 300 Tauschringen organisiert und bieten ihre Fähigkeiten und Hobbys gegenseitig zum Tausch an. So sparen sie eine Menge Geld und lernen obendrein viele Leute kennen. Denn soziale Kontakte, die besonders in anonymen Großstädten bekanntlich Gold wert sind, gibt’s gratis dazu. Mit dem Resultat, dass kaum einer seine Stechuhr mitbringt. Aber wohlgemerkt: Tauschringe sind keine Wohltätigkeitsvereine.
Wer nimmt, muss auch etwas geben. Damit die Rechnung stimmt, führt der Tauschring in der Regel eine Komplementär-Währung ein, also eine Art Geld, das unbehelligt von Euro und Cent seine Kreise zieht. Dieses Geld hat so nette Namen wie Rheintaler, Dankeschöns, Kreuzer, Klüngel oder Klümpchen und ist die Währung, in der eine erbrachte Leistung auf einem Konto gutgeschrieben wird.
Wenn ich bei Oma Müller zwei Stunden Fenster putze, habe ich z. B. 20 Kreuzer auf dem Konto. Die gebe ich wiederum für den PC-Dienst von Herrn Schmitt aus – et cetera. Weil Sparen nichts bringt, bleibt das System in Bewegung. Manche Tauschringe belegen Guthaben gar mit einer Art Anti-Zins von etwa einem Prozent: Geld ist dann also kein Wertspeicher mehr, sondern ähnelt verderblicher Ware. Schließlich entspricht das doch dem Wesen des Geldes: Es muss fließen.
























