Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Serie Gesellschaft im Wandel: Teil 6

Werden wir unsterblich?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
Hier geht's zum aktuellen Heft »

Werden wir unsterblich?Werden wir unsterblich?

Der alte Traum vom »ewigen Leben« ist heute keine Utopie mehr. In Zukunft wird es immer besser gelingen, dem Tod mehr und mehr Jahre abzutrotzen. Dabei fragt sich aber kaum jemand: Was bedeutet das für uns alle?

Beim Volk der Batek in Malaysia wird der Tote in seinen schönsten Sarong gewickelt. Die Verwandten blasen ihm Tabakrauch um den Kopf, um ihn zu kühlen und zu erfreuen. Dann kommt das gesamte Dorf und macht seine Aufwartung. Man fragt den Leichnam, wie es ihm geht, ob er alles habe, was er braucht, man singt und tanzt und macht viele Nächte lang so viel Lärm wie möglich. Manchmal wird der Tote in ein großes Fass gesteckt, in anderen Fällen bringt die Familie ihn an einen verborgenen Ort im Dschungel, schmückt ihn mit Blumen, bietet ihm Gaben dar: kunstvoll verzierte Pfeifen, Pfeile, Artefakte. Dann werden Gerten um den Kadaver gepflanzt, die mit Zaubersprüchen gegen Tiger versehen sind.

Der Tod und seine Aufhebung: Das ist der uralte, vielleicht stärkste Traum der Menschheit. In seinem Namen wurden große Mythen geschaffen, gewaltige Städte errichtet, Dynastien mit Blut und Feuer gegründet. Alle Weltreligionen fußen in der einen oder anderen Weise auf der Beantwortung der Frage, was dem Tod seinen Stachel rauben oder ihm Sinn verleihen könnte.

Was immer uns die technologische Zukunft bringt – Fragen von Leben und Tod werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Wir können vielleicht demnächst Marsraketen, fliegende Autos oder intelligente Handys konstruieren. Aber all diese Erfindungen verblassen gegenüber einer einzigen: Wer eine Methode erfände, das Leben nachhaltig zu verlängern – er würde mit Sicherheit den gigantischsten Markt aller Zeiten eröffnen!

Vor uns liegt das Zeitalter der »Life-Sciences« – der Wissenschaften vom Leben. Staunend und bisweilen fassungslos begreifen wir allmählich die komplexen Mechanismen, wie aus dem Code des Lebens Eiweiße ungeheurer Vielschichtigkeit entstehen. Wie die einzelnen Sequenzen des Genoms beim Wachstum an- und abgeschaltet werden, welche Rolle dabei Enzyme, Botenstoffe, RNA und andere Substanzen spielen. In der Proteomik (Eiweißforschung) und der Molekularbiologie, in der Exogenetik und der Hirnforschung, also den Kernbereichen der »LifeSciences«, stehen wir erst am Anfang einer langen Forschungsreise. Liegt es da nicht auf der Hand, dass wir demnächst die entscheidenden »Trigger« erkennen werden, die »schuld« sind an unserer Sterblichkeit und Hinfälligkeit? Fruchtfliegen, behandelt vom Telomerase-Spezialisten Michel Rose, leben dreimal so lange, wie es ihrer natürlichen Lebensspanne entspricht, und zwar ohne Verlust von Lebensqualität. Bei 100-Jährigen hat man das »Chromosom 4« entdeckt, das offenbar die menschliche Lebensphase verlängern kann. In China wachsen bei alten Menschen unter be-stimmten genetischen Bedingungen plötzlich dritte Zähne. Der Altersbiologe Aubrey de Grey behauptet, dass wir nicht mehr weit von hochwirksamen »Verjüngungstechniken« entfernt sind.

Viele Gerüchte. Aber auch viel Ernüchterung. Denn gleichzeitig hat uns die Evolutionsbiologie gelehrt: Lebensspannen sind für biologische Organismen nicht nur ein Nebeneffekt wie blaue Augen oder spitze Nasen. Lebensuhren sind Resultate der Evolution, die jeder Spezies einen bestimmten Zyklus zuweisen. Selbst Bakterien, an sich durch Teilung unsterblich, haben einen Alterungsmechanismus.

In China feierte eine Riesenschildkröte vor kurzem ihren angeblich 325. Geburtstag. Dagegen wirkt die aktuelle menschliche Alters-Rekordhalterin fast jung: Die Französin Jeanne Calment starb am 4. August 1997 im Alter von 122 Jahren, 5 Monaten und 11 Tagen. In den Fotos, die an ihrem letzten Geburtstag von ihr gemacht wurden, spiegelt sich nicht nur die Würde des hohen Alters, sondern auch der Zerfall, mit dem wir Menschen ein methusalemisches Alter unweigerlich bezahlen.

Wie lange Menschen leben können, das war viele Jahrtausende hindurch unbekannt – und auf dieser Unschärfe gründete sich eine Unzahl von Mythen. Methusalem wurde 969 Jahre alt. Adam lebte nach der christlich-judäischen Überlieferung 930 Jahre, Noah, der Manager der großen Flut, zählte 600 Lenze, als er mit seiner Arche die Schöpfung rettete. Noch längere Lebensspannen wurden den meso-potamischen Königen zugeschrieben, de-ren letzter vor der großen Flut 64800 Jahre regierte. Gilgamesch, der König im gleichnamigen sumerischen Epos, regierte »nur« 126 Jahre, seine Nachkommen schafften 420 und 325 Jahre. Auch bei Homer finden wir noch den »ewigen König«: Nestor, Held des Trojanischen Krieges, lebte 300 Jahre und führte seine Mannen bis ins hohe Alter heldenhaft in die Schlacht.

Keine Zeit, keine Kultur, die nicht auf ihre eigenen Lebensverlängerungs-Techniken setzt. Der römische Dichter Ovid beschrieb in seinen Metamorphosen einen Trank aus Tausenden von Ingredienzien. Die chinesischen Taoisten lehren, dass eine Lebensspanne von 1000 Jahren möglich ist, wenn der Mensch im Einklang mit den kosmischen Gesetzen lebt. Für Hippokrates von Kos, den Erfinder der Medizinkunst, war Ernährung der Schlüssel zu Lebensverlängerung: »Welche schwache Nahrungsmittel essen, leben nicht lange ...« Thomas von Aquin erklärte in seiner Summa Theologica die kurze menschliche Lebensspanne als Resultat menschlicher Sünden. Roger Bacon, ein englischer Franziskanermönch (um 1214 – 1292), prog-nostizierte, dass man mithilfe von Alchemie, frommer Lebensweise und Erkenntnis sein Leben deutlich verlängern kann. So wie Paracelsus 200 Jahre später glaubte er, dass die natürliche Lebensspanne des Menschen 900 oder gar 1000 Jahre beträgt – ein Modell, das von der Bibel nahe gelegt wurde.

Aus der Renaissance sind erste Fälle tatsächlicher Lebensverlängerung überliefert. Berühmt wurde Lodovicio Cornaro, 1467 in einer reichen venezianischen Familie geboren. In seiner Jugend ruinierte er durch exzessive Lebensweise seine Gesundheit, was er in der zweiten Lebenshälfte wieder wettmachen wollte – durch eine strenge Diät von maximal zwölf Unzen (350 Gramm) fester Nahrung und 14 Unzen (400 Gramm) Flüssigkeit pro Tag. 1550, im Alter von 90, schrieb er: »Ich befinde mich in bester Gesundheit. Ich reite. Ich steige nicht nur eine Treppe, sondern einen Berg ohne fremde Hilfe.«

Im vorrevolutionären Frankreich veränderte sich die Sichtweise: Nicht mehr göttliche Gnade und ein möglichst tugendhaftes Leben sollten das Leben verlängern, sondern Wissen und Klugheit. Und wenig später hielt man ein langes Leben sogar für ein mögliches Nebenerzeugnis der Revolution. Der Marquis de Condorcet, ein strenger Aufklärer und begeisterter Zukunfts-Gläubiger, vertrat die Auffassung, dass »in einer Zeit der Revolution alles revolutioniert werden muss! In einer Welt der Gleichheit und Brüderlichkeit muss die menschliche Natur sich zwangsläufig wandeln – in Richtung auf Unsterblichkeit«.

Von nun an war Langlebigkeit auch ein revolutionäres Motiv. In Russland entdeckte man die »kaukasischen Super-Alten« – ihre Langlebigkeit wurde mit der sowjetrussischen »gerechten sozialen Lebensweise« erklärt. Stalin war Kaukasier, unter seiner Herrschaft begann eine Fülle von Experimenten, hart an der Grenze zum Menschenexperiment. Aleksandr Bogomoletz, Präsident der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, erfand das »Bogomoletz-Serum«, ein Wundermittel, das gegen alles helfen sollte – Krebs, Impotenz und Sterblichkeit.

Die Mittel und Methoden, mit denen man dem Tode ein Schnippchen zu schlagen suchte, spiegeln die Sehnsüchte und Verzweifelungen der jeweiligen Ära. Im Mittelalter setzte man ganz auf alchemis-tische Elixiere, die »Wasser des Lebens«. Franz Anton Mesmer, ein deutscher Wissenschaftler, machte 1780 mit seinen »magnetischen Sitzungen« Furore. Chris-toph Wilhelm Hufeland (1762 – 1836) publizierte 1796 das Buch »Makrobiotik – die Kunst, das Leben zu verlängern«. Darin schloss er sich der Rousseau’schen These an, die verderbte zivilisatorische Lebensweise raube dem Menschen sein langes Leben von mindestens 150 Jahren. Aber auch die hedonistische Variante kam nicht zu kurz. Schon die alten Chinesen hatten Sex zur Lebensverlängerung empfohlen. Und Vicomte de Lapasse widersprach 1798 allen asketischen oder makrobiotischen Diätweisheiten. Er pries die Wohltaten der abwechslungsreichen ländlichen Küche. Und des Weines.

Ende des 19. Jahrhunderts, als die Hormone entdeckt wurden, implantierte der russische Arzt Dr. Serge Voronoff Hammel- und Schimpansenhoden in Menschen, um die »vitalen« Kräfte wieder herzustellen. Zwischen 1950 und 1970 war es für westliche Millionäre angesagt, sich von östlichen Wissenschaftlern »Frischzellen« junger Schafe spritzen zu lassen – ein primitiver Vorläufer der Stammzellentherapie, der vor allem dem DDR-Staat Geld in die Kassen spülte. Heute sind es nun die Rezepte der Pillen- und Vitaminpäpste, die das Leben verlängern sollen.

Selten, eigentlich viel zu selten, haben sich die Menschen bei all diesen Versuchen gefragt: Was wäre denn, wenn es klappt? Goethes »Faust« handelt vom tragisch gescheiterten Handel »Seele gegen Unsterblichkeit«. Jonathan Swift erfand in »Gullivers Reisen« die »Struldbruggs«, eine Rasse von unsterblichen Menschen, die schon mit 80 zu grantigen Greisen werden, um dann Tausende von Jahren sich selbst, die Umwelt und die Ehepartner zu nerven. Walter Besant schildert 1888 in seiner Erzählung »The Inner House« eine Kolonie von 24000 »Trans-Temporären«, die zwar biologisch unsterblich sind, aber durch Unfälle sterben können. In der Folge entwickeln sie sich zu neurotischen Wirklichkeitflüchtern, die panische Angst vor dem Ausbruch eines Feuers haben, jede Reise vermeiden und am Ende nur noch in ihren Wohnungen dahindämmern. Im 20. Jahrhundert spielt Aldous Huxley das Immortalitäts-Thema in »After many Summers dies the Swan« durch, eine elegische Geschichte, bei der ein Multimillionär sich die Unsterblichkeit erkauft – um den Preis des Absinkens auf die Intelligenzstufe eines Affen.

Und heute? Im Supermarkt der Lebensverlängerungs-Bewegung gibt es nichts, was es nicht gibt. Pillen- und Vitaminpäpste mit gigantischen Buchauflagen und eigenen Lebensverlängerungs-Kliniken. Eingefrorene Menschenkörper, die irgendwann einmal wieder aufgetaut und von heute unheilbaren Krankheiten geheilt werden sollen. Ganz nebenbei entwickelt sich Unsterblichkeit auch zum neuen Kerngeschäft für Sekten. Die »Realianer« beispielsweise befinden sich nach eigener Aussage in ständigem Kontakt mit Außerirdischen, die 750 bis 1200 Jahre alt werden und entsprechendes Know-how vermitteln.

Ohne Zweifel verändert sich der Mensch auch als biologische Spezies. Obwohl die humane DNA seit etwa 100000 Jahren relativ stabil geblieben ist, gibt es Veränderungen auch in unseren biologischen Grundkonstruktionen. So werden die Menschen heute größer, eine Folge der eiweiß- und zuckerreichen Ernährung. Und die weibliche Fruchtbarkeitsspanne erweitert sich, die Menopause schiebt sich allmählich bis weit jenseits der 45 – auch das ein Anpassungsprozess an veränderte Lebensumstände.

Vieles deutet also darauf hin, dass der menschliche Gencode durchaus flexibel und »bearbeitbar« ist. Je mehr wir über die Mechanismen des Lebens wissen, desto deutlicher zeigt sich aber auch: Es ist schwierig, einzelne Faktoren – wie etwa Intelligenz oder Sterblichkeit – genetisch zu isolieren. Die neuesten Erkenntnisse der Exogenetik beweisen darüber hinaus, dass der Gencode in einer komplexen Wechselwirkung mit der Umwelt steht. Damit eine Fruchtfliege oder ein Mensch wächst, braucht es mehr als »nur« den biologischen Code. Eine Vielzahl von »Umweltschaltern« wird während der Embryonalentwicklung an- und abgeschaltet. Die DNA ist nicht eine isolierte Einheit, sondern Teil des Netzwerks des Lebens.

Und in diesem Netzwerk spielt die Sterblichkeit eine wichtige Rolle. Als Regulativ der Population, aber auch auf einer tieferen Ebene als vitales Moment des Lebens, der Zellstrukturen überhaupt. Die Erfahrungen mit der Gentechnik zeigen zudem, wie schwer es ist, gentechnisch optimierte Organismen in ihrem biologischen Umfeld stabil zu halten. So verlieren gentechnisch optimierte Pflanzen schnell wieder ihre besonderen Fähigkeiten. Oder aber sie erzeugen unerwünschte Veränderungen bei anderen Organismen, die ihrerseits anpassend auf neue Mitbewerber reagieren.

Könnte man die menschliche Lebenserwartung durch einen entsprechenden genetischen »Umbau« tatsächlich deutlich hochschrauben, legen die bisherigen Erfahrungen mit Genoptimierung folgende Schlüsse nahe:

Lebensverlängerte Menschen würden sich in ihrem Wesen verändern. Sie wären nicht mehr die alte, aus der evolutionären Nische für großhirnige Multivoren hervorgegangene Spezies, die heute den Planeten besiedelt.

Lebensverlängerte Menschen wären womöglich aus irgendeinem Grund »sehr empfindlich« und müssten deshalb entweder von der Umwelt total isoliert werden – oder man müsste mit ihrem Auftauchen die gesamte Umwelt entsprechend verändern!

Gentechnische Lebensverlängerung wäre wahrscheinlich am Anfang sehr, sehr teuer, nur die Superreichen würden sie sich zunächst wohl leisten können – eine Tatsache mit system– und gesellschaftssprengenden Konsequenzen.

Wird es dann vielleicht erbitterte Kämpfe zwischen den »Langlebigen« und den »Kurzlebigen« geben? Kommt es zu einem radikalen Aufstand der »Kurzlebigen«, die nun als vital-produktive Kaste gegen die gelangweilten Götter auf dem Olymp des Langlebens antreten? Was bedeutet die Verschiebung der Sterblichkeits-Grenze für unsere Fortpflanzung? Ist unser begrenztes Leben nicht die Bedingung unserer Fertilität, der tiefere Antrieb für Sex und Liebe ebenso wie für Bücherschreiben, Komponieren, Reisen, Surfen, Streiten, Wissenwollen? Eine immortale – oder stark lebensverlängerte – Kultur könnte jener ähneln, in die der Zeitreisende aus H.G. Wells Zeitmaschine im Jahre 80000 gerät. Die »Eloy«, gelangweilte geklonte Menschen, essen unentwegt Früchte in verfallenden Palästen. Und sie interessieren sich für nichts, schon gar nicht für Sex.

Vieles weist darauf hin, dass eine radikale Verlängerung der Lebensspanne erst in ein, zwei Jahrhunderten möglich sein wird. In der Zwischenzeit werden wir wahrscheinlich das durchschnittliche Sterbedatum immer nur um ein paar Jahre nach oben verschieben. Aber schon dabei wird sich unser Verhältnis zum Tod verändern.

Eine typische Klage unserer Zeit betrifft die »Verdrängung des Todes«. Gestorben wird, so der Vorwurf, nur noch in anonymen Krankenhäusern, in der Abschiebehaft der Altersheime. Aber längst ist eine mächtige Gegenbewegung entstanden. Die Debatten über Sterbehilfe und Palliativmedizin, das Erstarken der Hospiz-Bewegung und die zunehmende Bereitschaft, todkranke Angehörige zu Hause zu betreuen, signalisieren einen Wertewandel. Im Zeitalter der Individualität empfinden wir den Tod zwar als den größten Skandal überhaupt – gleichzeitig finden wir neue, individuelle Wege, uns mit ihm auseinander zu setzen.

Bis vor wenigen Jahren spielten sich praktisch alle Begräbnisse in den USA und Europa nach dem gleichen christlichen Ritual ab. Der Pfarrer sprach einige Bibelworte, man schritt hinter dem Sarg zum Grab, schaufelte eine Hand voll Erde. Für immer mehr Menschen wirkt dies heute bis zur Schmerzgrenze unpersönlich und sinnentleert.

Rund um den Tod entwickelt sich deshalb eine Vielzahl von individuellen Dienstleistungen. Wer heute in einer Großstadt stirbt, kann sich im Designersarg unter die Erde bringen lassen, einen professionellen Grabredner bestellen, ein Fest mit balinesischer Trauermusik inszenieren. Er kann seine Asche in einem Park verstreuen oder in einem Wald vergraben lassen. Professionelle Sterbe- und Trauerbegleiter werden bald so verbreitet sein wie Ergotherapeuten oder Fitnesstrainer. Gedenktage und Erinnerungsdinner bringen den Freundes- und Verwandtenkreis zusammen, um den Verstorbenen zu feiern und ihm – wie in der Ahnenkultgesellschaft – »Geschenke« zu bringen. In Form von Gedichten, Erinnerungen, Bildern.

So schliesst sich der Kreis. Während die archaischen Gesellschaften den Tod zelebrierten, verneinten und überzeichneten, freunden wir uns heute auf neue Weise mit ihm an. Unser soziales Netzwerk lebt ja auch nach unserem Ableben weiter – und solange sich jemand unserer erinnert, sind wir nicht »wirklich« tot. Das Internet mit seinem gigantischen Gedächtnis ermöglicht, dass wir über den Tod hinaus »online« bleiben – lebendig gehalten im gewaltigen digitalen Speicher der Erinnerungen.

Der Zeitpunkt ist nicht mehr weit, bis wir gute Bekannte in einer entspannten Atmosphäre fragen werden: »Und wie wirst du deinen Tod gestalten?« Wer darauf keine Antwort weiß, kann noch eine finden. Oder finden lassen, mithilfe der vielfältigen Thanatos-Berater, die uns in die Zukunft begleiten werden.

Literatur:
Von Matthias Horx ist vor kurzem das Buch WIE WIR LEBEN WERDEN – Liebe, Arbeit, Lernen, Tod in der kommenden Wissensgesellschaft erschienen.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 1 (2 Bewertungen)
Autor/in: Matthias Horx


Mehr zum Thema:

Einsortiert unter:

Evolutionsbiologie  /  Ewiges Leben  /  Hipprokates  /  LIfe-Sciences  /  Methusalem  /  Mythos  /  Ovid  /  Sterben  /  Tod