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Kultur & Gesellschaft
Wer waren Dr. Jekyll und Mr. Hyde?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Zwei Menschen in einem – das hat sich Autor Stevenson nicht einfach nur ausgedacht. Für die Romanfigur gab es einen lebendigen Menschen als Vorbild.
Tagsüber Saubermann, Verbrecher in der Nacht – so präsentiert sich das historische Vorbild des gespaltenen Dr. Jekyll, den der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson (1850–1894) in seiner beunruhigenden Erzählung beschrieb. William Brodie (1741–1788) war ein Kunsttischler in Edinburgh und bekleidete als Stadtrat ein öffentliches Amt.
Doch bei Nacht verwandelte sich der Biedermann in einen ausgekochten Langfinger. Seine kriminelle Karriere startete 1768, indem er die Eingangsschlüssel einer Bank mittels Wachsabdruck kopierte und 800 Pfund stahl. Tagsüber ging er in den Häusern der Reichen ein und aus, nachts raubte er sie aus. Das ergaunerte Geld investierte er in zwei anspruchsvolle Geliebte, fünf Kinder und in seine Spielsucht. Auf diese Weise verschleuderte Brodie Unmengen Geld.
Das Glück blieb dem Verbrecher treu, bis er im Jahr 1786 einen bewaffneten Überfall auf das Steueramt in Chessel’s Court organisierte. Die Sache lief schief und ein Spießgeselle Brodies wurde dabei gefasst. Brodie versuchte, sich über die Niederlande in die Neue Welt abzusetzen. Doch der Arm des Gesetzes erwischte ihn, bevor er den rettenden Dampfer erreichte.
Aufgrund mangelnder Beweise schleppte sich das Verfahren monatelang hin, aber dann wurde man in einem Versteck seines Hauses fündig: kopierte Schlüssel, Pistolen und Verkleidungen brachten den zwiespältigen Mann an den Galgen. Zusammen mit einem Komplizen, dem Schlosser George Smith, wurde er am 1. Oktober 1788 vor den Augen von 40000 Zuschauern hingerichtet – das Gerüst hatte er selbst ein Jahr zuvor in seiner Tischlerwerkstatt entworfen.

























