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»Kotav« = Schrift: Zunächst ist sie nur eine Kette aus Lettern. Heilig wird die Schrift, wenn sich aus vielen Büchern das Buch der Bücher formt: die Bibel. Es dauerte allerdings lange, bis sie ihre heutige Fassung erhielt.
Fackeln erleuchten das Gewölbe, lassen dunkle Gestalten tanzen, wo in Wahrheit nur Schatten sind. Ein alter Mann in prächtigen Gewändern wartet, flankiert von Bewaffneten. Dann kommt sie herein – eine Prozession gebückter Gestalten, Tragen zwischen sich schleppend. Darauf: Pergamentrollen, in Häute verschnürt, in Tonbehältern verwahrt; Codices, die Holzdeckel mit Leder ummantelt, metallene Beschläge funkeln im Fackellicht; Stöße von Papyrus und Pergament, sorgfältig zusammengebunden oder einfach nur in Truhen geschlichtet. Es ist ein Schatz, es ist der Schatz, es ist der einzige wahre Schatz der Menschheit: Erkenntnis, niedergeschrieben in den alten Sprachen und den Silbengemälden einer vergangenen Zeit.
Stundenlang stapfen die Träger mit immer neuer Fracht in das Gewölbe hinein. Endlich ist das letzte Buch, das letzte Pergament versteckt. Die Träger und ihr Anführer verabschieden sich schweigend. Der alte Mann wechselt einen Blick mit seinen Begleitern. Die Bewaffneten folgen den Arbeitern hinaus ins Freie. Diese Nacht wird noch Blut kosten ...
So oder ähnlich stellen wir uns die Szene vor, wenn die verbotenen Bücher unserer Kultur irgendwo versteckt werden. Ob der alte Mann nun einer der machthungrigen mittelalterlichen Päpste ist oder, tausend Jahre früher, ein Rabbiner im Jerusalemer Tempel – immer hat diese Szene mit einem Hirten unseres Glaubens zu tun, und immer sind wir bereit zu unterstellen, dass die Hüter unserer Religion Texte vor unseren Augen verstecken, sie hassen und gleichzeitig fürchten. Warum? Weil ein auf dem Wort, dem logos, basierender Glaube wie der jüdisch-christliche ahnt, dass nur das Wort auch die Macht hat, seine Fundamente einzureißen? Wie ist es dazu gekommen, dass Texte der Bibel apokryph wurden, das heißt »verborgen«?
Fackeln erleuchten das Gewölbe, lassen dunkle Gestalten tanzen, wo in Wahrheit nur Schatten sind. Ein alter Mann in prächtigen Gewändern wartet, flankiert von Bewaffneten. Dann kommt sie herein – eine Prozession gebückter Gestalten, Tragen zwischen sich schleppend. Darauf: Pergamentrollen, in Häute verschnürt, in Tonbehältern verwahrt; Codices, die Holzdeckel mit Leder ummantelt, metallene Beschläge funkeln im Fackellicht; Stöße von Papyrus und Pergament, sorgfältig zusammengebunden oder einfach nur in Truhen geschlichtet. Es ist ein Schatz, es ist der Schatz, es ist der einzige wahre Schatz der Menschheit: Erkenntnis, niedergeschrieben in den alten Sprachen und den Silbengemälden einer vergangenen Zeit.
Stundenlang stapfen die Träger mit immer neuer Fracht in das Gewölbe hinein. Endlich ist das letzte Buch, das letzte Pergament versteckt. Die Träger und ihr Anführer verabschieden sich schweigend. Der alte Mann wechselt einen Blick mit seinen Begleitern. Die Bewaffneten folgen den Arbeitern hinaus ins Freie. Diese Nacht wird noch Blut kosten ...
So oder ähnlich stellen wir uns die Szene vor, wenn die verbotenen Bücher unserer Kultur irgendwo versteckt werden. Ob der alte Mann nun einer der machthungrigen mittelalterlichen Päpste ist oder, tausend Jahre früher, ein Rabbiner im Jerusalemer Tempel – immer hat diese Szene mit einem Hirten unseres Glaubens zu tun, und immer sind wir bereit zu unterstellen, dass die Hüter unserer Religion Texte vor unseren Augen verstecken, sie hassen und gleichzeitig fürchten. Warum? Weil ein auf dem Wort, dem logos, basierender Glaube wie der jüdisch-christliche ahnt, dass nur das Wort auch die Macht hat, seine Fundamente einzureißen? Wie ist es dazu gekommen, dass Texte der Bibel apokryph wurden, das heißt »verborgen«?
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