Diese Seite bookmarken:

Diese Seite bookmarken

Wenn’s beim Baumstamm funkt

Wenn’s beim Baumstamm funktWenn’s beim Baumstamm funkt

Es war eine kleine Sensation, als vor einigen Jahren die Reisepässe in Europa mit winzigen RFID-Chips ausgestattet wurden. Diese machen mit Hilfe einer eingebauten Mini-Antenne auf speziellen Scannern Passbild und Fingerabdrücke des Besitzers sichtbar. Damals eine Novität, heute Alltag.

Jetzt erobern funkende Wälder den Markt – mit derselben Technik, die bereits an Pässen erprobt ist. Forscher des Berliner Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) haben neuerdings Funketiketten für Bäume entwickelt: Sie sollen helfen, Logistik und Transport in der Forstwirtschaft zu verbessern.

Die Informationsträger können problemlos an Bäumen befestigt werden. Ohne den Baum zu berühren, liest ein RFID-Scanner alle relevanten Infos ab: Wem gehört ein Stamm, und wohin kommt er? Das digitale System macht bunte Farbmarkierungen, wie wir sie von Bäumen im Wald kennen, unnötig. Außerdem wird die Kooperation zwischen Waldbesitzern, Fuhrunternehmen und Endabnehmern leichter.

Bisher wurden Funketiketten nur bei hochwertigem Holz eingesetzt, jetzt sollen alle Holzsorten davon profitieren – bei geringen Kosten. Auf den Plättchen selbst ist nur ein Zahlencode gespeichert. Weitere Informationen über Qualität oder Bestimmungsort sind in den Systemen der beteiligten Partner eingetragen. Diese erscheinen, wenn die „Baumchips“ gescannt werden. Es reicht, wenn nur jeder 20. bis 30. Baum funkt – eine einzige Etikette kostet immerhin zwischen 50 Cent und einem Euro.

Die Etiketten bestehen größtenteils aus Papier und dem Pflanzenbestandteil Lignin. Das bietet einen finanziellen Vorteil: Sie müssen nicht entfernt werden, wenn die Stämme in die Verarbeitung gehen – schließlich bestehen sie ja selber aus holzähnlichen Materialien. Zwar ist der Chip auch weiterhin aus Silicium, dafür wurde aber die Antenne um ihn herum angepasst: Statt wie gewohnt aus Kupfer ist sie aus Silberpaste.

"Wenn man daran denkt, dass Baumstämme bisweilen durchaus noch Geschosse aus dem Zweiten Weltkrieg enthalten", erklärt Fraunhofer-Forscher Mike Wäsche, "dann kann man das bisschen Metall der Antenne echt vernachlässigen."

Foto: Es zeigt einen mit Baumstämmen beladenen Laster, der ein Spezialtor passiert. Es enthält Scanner, die die Chips auf den Holzstämmen auslesen. So wird beim Durchfahren innerhalb von Sekunden die gesamte Ladung, ihre Herkunft, Qualität und Bestimmung erfasst (Foto: Mike Wäsche / Fraunhofer IFF).

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)