Man kann sogar die Vergangenheit ändern. Die Historiker beweisen es immer wieder.
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Illuminaten
Weltverbesserer mit schlechtem Ruf
Die Illuminaten waren gegen die Monarchie, wollten Freiheit, Bildung und Gleichheit – nur wenige Jahre vor der Französischen Revolution. Wie kommt es, dass die Illuminaten, ein Geheimbund, der das Gute anstrebte, bis heute so ein miserables Image hat?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Die Liste der üblen Taten ist lang. Sie beginnt mit der angeblichen Ermordung Mozarts im Jahr 1791 und endet mit den Anschlägen des 11. September 2001. Weltverschwörungen, Politikermorde, tödliche Seuchen: Vieles von dem, was in diesen 210 Jahren an Bösem geschah, soll auf das Konto der Illuminaten gehen. Schlechter könnte der Ruf eines Geheimordens nicht sein.
Wie kommt es, dass der Organisation, die 1776 von dem Philosophen und Kirchenrechtler Adam Weishaupt in Ingolstadt gegründet wurde, bis heute eine derartige kriminelle Macht unterstellt wird? Warum lösen die Illuminaten noch immer eine düstere Faszination aus? Selbst rational denkende Politiker unserer Zeit können sich der dunklen Magie nicht entziehen: »Das Illuminatentum war kein vorübergehendes Phänomen«, meinte der ehemalige US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Pat Robertson im Jahr 1991. »Die Prinzipien von Weishaupt, seine Jünger und sein Einfluss treten bis auf den heutigen Tag immer wieder von Neuem in Erscheinung.«
Das bestätigt auch Dr. Marian Füssel, Historiker an der Universität Münster: »Der Geheimbund der Illuminaten gilt bis heute als Sinnbild konspirativer Politik und geheimer Machenschaften. « Aber auch zu Recht? Was sind Gerüchte, was Unterstellungen, was ist die Wahrheit?
Das herauszufinden, ist im Grunde nicht schwer – denn der Geheimbund ist erstaunlich gut erforscht. Füssel: »Grund dafür dürfte vor allem die vergleichsweise günstige Quellenlage sein.« Die ist einem Missgeschick zu verdanken: Die Mannen um Weishaupt waren bei der Geheimhaltung ihrer Korrespondenz nicht vorsichtig genug, sodass 1786 umfangreiche Teile der Schriften an die Öffentlichkeit gelangten.
Anfangs hatten die Geheimbündler durchaus ehrenwerte Ziele. Sie strebten nach den Idealen der Aufklärung, forderten Mündigkeit, Freiheit und Gleichheit, um die alte, als despotisch empfundene Gesellschaftsordnung der Monarchie abzulösen. Diese Ziele sollten durch Unterwanderung, den »langen Marsch durch die Institutionen« (Füssel), erreicht werden. Statt eine offene Revolution anzuzetteln, wollten die Illuminaten wichtige Positionen im Staat heimlich erobern.
Aus der Sicht der Herrschenden forderte Adam Weishaupt damit einen zersetzenden Aktivismus, der die bestehende Ordnung untergraben sollte. Das galt aus staatlicher Sicht als gefährlich, auch wenn nie von Gewalt, Umsturz oder Mord die Rede war. So ließ der bayerische Kurfürst Karl Theodor die Illuminaten schon 1785 verbieten, neun Jahre nach ihrer Gründung und vier Jahre vor der Französischen Revolution mit ihren dramatischen Auswirkungen.
Als Hochschullehrer setzte Weishaupt nicht auf Gewalt, sondern auf Bildung. Die Mitglieder seiner Geheimgesellschaft sollten den Staat durch intellektuelle und sittliche Vervollkommnung zum Zusammenbruch bringen. An seiner Stelle wollte Weishaupt dann ein herrschaftsfreies System errichten.
Was in seinem Kopf vorging, zeigt eine Rede aus dem Jahr 1782, die er hielt, als neue Illuminaten in den Orden aufgenommen wurden: »Wer also allgemeine Freiheit einführen will, der verbreite allgemeine Aufklärung: Aber Aufklärung heißt nicht Wort-, sondern Sachkenntnis, sie ist nicht Kenntnis von abstrakten, spekulativen, theoretischen Kenntnissen, die den Geist aufblasen, aber das Herz um nichts bessern.«
Die Illuminaten, wörtlich die »Erleuchteten«, sahen sich in der Rolle von Weltverbesserern. Sie pflegten eine gezielte Geheimhaltung, zu der neben geheimen Treffen und geheimen Schriften auch geheime Namen beitrugen: Jedes neue Mitglied bekam einen. Adam Weishaupt zum Beispiel nannte sich »Spartacus « und spielte damit auf den Anführer des antiken Sklavenaufstandes an. Das prominente Mitglied Johann Wolfgang von Goethe nannte sich nach einem skythischen Magier »Abaris «, und Adolph Freiherr von Knigge gab sich den Namen »Philo«. Auch Orte und Städte wurden umbenannt: Ingolstadt hieß »Eleusis«, München wurde zu »Athen« und Frankfurt zu »Edessa«.
Jeder Illuminat war angehalten, sich intensiv mit der Biografie, dem Wirken und den Idealen seines Namenspatrons zu beschäftigen. Das gehörte ebenso zu dem strengen Bildungsprogramm der geheimen Weisheitsschule wie regelmäßiges Lesen. Außerdem musste jeder ein Tagebuch führen und darin genau aufschreiben, wie er sich geistig und sittlich weiterentwickelte. Wurde dieses »Quibuslicet-Heft« schlampig geführt, gab es eine Rüge vom Ordensoberen.
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