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Expansion im Namen Allahs

Weltreich Islam

Bis zum Tod Mohammeds 632 hatten seine Anhänger große Teile Arabiens zum Islam bekehrt. Seine Nachfolger zogen mit ihren Heeren nach Persien, Syrien und Nordafrika. Unser P.M. HISTORY-Autor schildert hier aus moslemischer Sicht den Siegeszug der Araber, die sogar in Europa Fuß fassten und schließlich auf die fränkischen Ritter trafen.

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Wie kommt es, dass der kulturelle Einfluss der dünnen Erobererschicht so nachhaltig sein konnte, dass wir heute noch den Raum zwischen dem Senegal und der chinesischen Provinz Xingjiang als »islamische Welt« bezeichnen?Wie kommt es, dass der kulturelle Einfluss der dünnen Erobererschicht so nachhaltig sein konnte, dass wir heute noch den Raum zwischen dem Senegal und der chinesischen Provinz Xingjiang als »islamische Welt« bezeichnen?
Wie kommt es, dass der kulturelle Einfluss der dünnen Erobererschicht so nachhaltig sein konnte, dass wir heute noch den Raum zwischen dem Senegal und der chinesischen Provinz Xingjiang als »islamische Welt« bezeichnen?
iStockphoto

Turbane und Standarten mit fremdartigen Schriftzeichen flattern im Jahr 732 in Pamplona um die Wette. Der Feldherr Abdarrahman ibn al-Ghafiqi hat etwa 15000 Araber und Berber versammelt. Sein Ziel: die nordwestliche Grenze des Herrschaftsgebiets der Omaijaden-Kalifen von Damaskus über die Pyrenäen nach Mitteleuropa auszudehnen. Die Ostgrenze des Reiches ist der Indus, etwa 7000 Kilometer entfernt.

Drehen wir die Uhr zurück. 122 Jahre zuvor hat der 40-jährige Kaufmann Mohammed bei einem geistigen Rückzug in einer Höhle nahe der Handelsstadt Mekka ein für ihn und den Verlauf der Weltgeschichte bedeutsames Erlebnis: Der Erzengel Gabriel erscheint ihm und befiehlt ihm, die ersten Verse des Korans (= Vortrag, Lesung) nachzusprechen. In der Vorstellung der Moslems ist das der Beginn der Offenbarung des Einen Gottes Allah. Sofort beginnt Mohammed, die Botschaft seinen Landsleuten bekannt zu machen. Sie sollen den Dienst an ihren 300 Götzen aufgeben und sich der Verehrung des Gottes von Abraham, Moses und Jesus widmen.

Vom Schutz der Armen, Witwen und Waisen ist die Rede, von Ehrlichkeit und Gerechtigkeit, von Fasten und Eindämmung des Luxus zugunsten der Armenfürsorge. Aber die herrschende Klasse Mekkas, alle Verwandte des Propheten, sieht dadurch ihren lukrativen Handel und ausschweifenden Lebenswandel gefährdet. Blutig verfolgen sie die neue Religion. Mohammed muss nach Medina flüchten, wo er mit seinen Gefährten ein neuartiges Gemeinwesen gründet: Die koranische Ethik hebt die bestehenden arabischen Traditionen auf, der gemeinsame Glaube wird das einende Band zwischen den Sippen und Stämmen. Aus den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Mekkanern gehen die Moslems schließlich als Sieger hervor. Damit ist nicht nur das Überleben der Gemeinschaft gesichert, sondern auch eine neue politische Kraft auf der Arabischen Halbinsel geboren.

Der Prophet beginnt, Botschaften an arabische Stammesfürsten zu senden, um sie von der Annahme des Islam zu überzeugen. Wenn die Elite eines Stammes oder Volkes Moslems wurden, waren sie dem Propheten und seinen ethischen Lehren verpflichtet. Nicht die Bevölkerung, sondern die Herrscher und mit ihnen die Herrschaft mussten muslimisch werden, um gerecht zu sein, so argumentierte der Prophet. Er hat bei vielen arabischen Stammesführern Erfolg. Doch als er auch den byzantinischen Kaiser und den Großkönig des persischen Sassanidenreichs zur Annahme des Islam auffordert, beißt er auf Granit.

Anfang des Jahres 632 organisiert Mohammed eine erste militärische Expedition gegen Byzanz. Aber wenige Monate später hallt es durch die Gassen von Medina: »Allah schenke seiner Seele Frieden!« Vertraute und Weggefährten können nicht begreifen, was geschehen ist: Der von ihnen über alle Maßen geliebte Prophet Mohammed ist im Alter von 63 Jahren in den Armen seiner Frau gestorben. Es ist ein heikler Moment für die »Gemeinschaft der Gläubigen«. Kann sie, und mit ihr der neue Glauben, ohne den Propheten überleben? Alles hängt jetzt von seinen Weggefährten ab, den Zeugen und Erben der Offenbarung.

Sie einigen sich, dass ihnen Abu Bakr spirituell und politisch als Kalif (»Stellvertreter«) vorstehen soll. Er verhindert das Auseinanderfallen des jungen Gemeinwesens und setzt 633 den vom Propheten geplanten Feldzug gegen Byzanz ins Werk. Es ist der Auftakt für einen einzigartigen militärischen und kulturellen Siegeszug. In der Regierungszeit des zweiten Kalifen Omar ibn al-Khattab (634–644) erobern die moslemischen Truppen Syrien (636) sowie Ägypten (642) und zerschlagen das Sassanidenreich, das den heutigen Irak und Iran umfasst.

Der Kalif Muawiya, einst Sekretär des Propheten, begründet 661 die Dynastie der Omaijaden (661–750) und macht Damaskus zur Hauptstadt des neuen Großreiches. Unter ihnen wird 698 endgültig Karthago, der byzantinische Vorposten in Nordafrika, erobert. Damit zerplatzen die Träume von einer Wiedergeburt des Römischen Imperiums endgültig. Die Kaiser spielen in Afrika keine Rolle mehr und müssen in der Folge sogar um die Existenz ihres Reiches bangen.

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Autor/in: Ulrich Heyn


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