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Welcher Persönlichkeitstyp sind Sie?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Welcher Persönlichkeitstyp sind Sie?Welcher Persönlichkeitstyp sind Sie?

Der Wunsch, sich selbst – und andere – besser zu verstehen, ist so alt wie die Menschheit. Und fast genauso alt sind Typologien der Persönlichkeit, die bei dieser (Selbst-) Erkenntnis helfen sollen. Eine der vielleicht ältesten, das Enneagramm, erlebt seit einigen Jahren eine überraschende Renaissance. Mit seiner oft schonungslosen Darstellung menschlicher »Abgründe« war es ursprünglich als Werkzeug für die spirituelle Entwicklung gedacht. Heute nutzen es auch Psychologen, Trainer, Coaches und Lehrer.

Vor mehr als zweitausend Jahren beschrieb der griechische Arzt Hippokrates vier »Grundtemperamente«, die den Charakter und die körperlichen Anfälligkeiten des Menschen bestimmen – ein früher Versuch, Struktur in die verwirrend große menschliche Vielfalt zu bringen. In den 1990er-Jahren entwickelten amerikanische Psychologen das Modell der »Big Five«. Danach lässt sich jede Persönlichkeit anhand von fünf Grundeigenschaften charakterisieren (F&A berichtete in Heft 6/06).

Zwischen der antiken Temperamentenlehre und dem modernen Big-Five-Persönlichkeitsraster liegen 2000 Jahre Geschichte – und zahllose weitere Typologien: vom altindischen Ayurveda mit seiner Lehre von den drei Grund-Energien (doshas) bis zu den Konstitutionstypen der Homöopathie; von den acht Grundmustern, die der Psychologe Carl Gustav Jung beschrieben hat bis zu den drei vom deutschen Arzt Ernst Kretschmer definierten Körpertypen. Eines der ältesten bekannten Persönlichkeitsmodelle ist das Enneagramm.

Was ist das Enneagramm?

Dargestellt wird das Enneagramm als ein durch neun Punkte gegliederter Kreis (gr. ennea = neun; gr. gramma = Punkt, Buchstabe). Vereinfacht ausgedrückt sollen diese Punkte neun »Gesichter der Seele« beschreiben – neun Grundkräfte, die das Leben bestimmen (siehe rechte Seite). Jede davon ist zunächst als eine mitgebrachte oder vorgeburtlich erworbene Neigung zu verstehen, die sich im Lauf der Jahre zum dominanten Persönlichkeitsmuster verfestigt und damit auch zur Blockade wird.

Häufig gebrauchtes Bild: Wie ein Wind, der immer aus der gleichen Richtung bläst, den Baum am Ende deformiert, engen festgefahrene Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen die Seele in ihrer Freiheit ein. Das könnte erklären, warum Menschen im Leben immer wieder an ähnliche Barrieren stoßen und zum Beispiel in der Liebe immer die gleichen »Fehler« machen.

Woher kommt das Enneagramm?

Die Anfänge liegen im Dunkeln. Die zahlenmystischen Überlegungen, nach denen die neun Punkte im Kreis verbunden sind, zeigen eine Verwandtschaft zur jüdischen Mystik (Kabbala). Nachgewiesen ist der Gebrauch eines Enneagramms bei den Sufis (islamischen Mystikern) im Mittelalter: Sie bezeichneten es als »Angesicht Gottes«. Bei uns im Trend ist das Enneagramm seit den 1970er-Jahren.

Vor allem über den peruanischen Philosophen und »Guru« Oscar Ichazo (er gilt manchen als der Erfinder des modernen Enneagramms) und den US-Psychiater Claudio Naranjo fand es den Weg in die Psychologie und – erstaunlicherweise – in christliche Mönchsorden.

Die Beschäftigung mit dem Enneagramm wurde beispielsweise von den Jesuiten in ihre »geistigen Übungen« (Exerzitien) aufgenommen. Inzwischen ist das Persönlichkeitsmodell auch in die Alltagspsychologie eingegangen. Unternehmen wie Avon, Boeing, General Motors oder Sony setzen es bei Personalentscheidungen ein – obwohl es nie wissenschaftlich anerkannt wurde.

Was ist das Konzept des Enneagramms?

Das Enneagramm beschreibt die Persönlichkeit auf mehreren Ebenen. Die erste und einfachste davon klingt überraschend modern: Die neun Grundtypen sind den drei unterschiedlichen Intelligenzzentren des Menschen zugeordnet – Ratio, Gefühl und Instinkt. Damit nimmt das Enneagramm die moderne Neuroforschung vorweg, die sowohl ein »Bauchhirn« entdeckt hat als auch ein Nervensystem im Bereich des Herzens. Laut Enneagramm ist keines dieser Intelligenzzentren weniger wert als die anderen zwei. Für uns, die wir der Ratio den ers-ten Platz einräumen, eine eher ungewohnte Vorstellung

Wie erkenne ich meinen Typ?

Die klassische Methode, sich selbst einzuordnen, ist Selbstbeobachtung. Vor schnellen Antworten wird traditionell gewarnt, denn die Weisheit des Enneagramms erschließe sich erst mit Geduld und Reflexion. Seit dem Boom des Enneagramms gibt es auch Tests, mit deren Hilfe man sich rascher »auf die Schliche« kommen soll.

Gibt es »gute« und »schlechte« Typen?

Nein. Jeder der neun im Enneagramm beschriebenen Grundtypen hat seine Stärken und Chancen, seine Schwächen und Gefahren. Jedem wird traditionell ein »Wurzelgift« zugeordnet, für das die jeweilige Psyche besonders anfällig ist.

Sie entsprechen interessanterweise den sieben christlichen Todsünden (Hochmut, Neid, Zorn, Geiz, Schamlosigkeit, Maßlosigkeit, Trägheit), hinzukommen: Furcht und Lüge. Diese »Gifte« sind nicht als Sünden zu verstehen, sondern als Fallen, in denen die Persönlichkeit stecken bleiben kann.

Warum gibt es so viele Typologien – und was ist das Besondere am Enneagramm?

Typologien sind Landkarten der Innenwelt. So wie sich die Erde von vielen Perspektiven darstellen lässt (geografisch, politisch, klimatisch, ökonomisch usw.), gibt es auch unendlich viele Möglichkeiten, den inneren Kosmos zu beschreiben.

Das Besondere am Neunermodell des Enneagramms: Es fokussiert sich auf den »blinden Fleck«, jenen Teil der Persönlichkeit, den wir nicht sehen können oder wollen. Und auf Begabungen und Fähigkeiten, die zu Sackgassen werden können.

Ist das Schubladendenken nicht gefährlich?

Jede Typologie, so auch das Enneagramm, steckt im gleichen Dilemma: Einerseits ist jeder Mensch einzigartig, andererseits sind Ähnlichkeiten in der körperlichen Erscheinung, im Auftreten, in den Verhaltensweisen usw. nicht zu übersehen. Der richtige Umgang mit allen Typologien und Persönlichkeitsmodellen besteht darin, sie AUCH als Momentaufnahmen zu betrachten.

Eines der Gesetze des Lebens heißt: Alles befindet sich ständig in Veränderung, auch wenn oberflächlich betrachtet Stillstand herrscht. Sich selbst und seine Mitmenschen für alle Zeiten in eine Schublade zu stecken, ist nicht unbedingt gefährlich, aber – dumm.

Was nützt Selbsterkenntnis – und wem?

Spontan neigen wir alle dazu, von uns auf andere zu schließen: Wir glauben, alle Menschen müssten so ticken wie wir selbst; tun sie es nicht, ist irgendetwas faul an ihnen. Persönlichkeitsmodelle wie das Enneagramm helfen dabei, über den eigenen Tellerrand zu schauen; zu entdecken, dass es viele Arten gibt, das Leben zu sehen und anzupacken. So lässt sich mehr Distanz zu sich selbst und Toleranz für andere (und Humor) entwickeln.

Das Enneagramm beschreibt für jeden der neun Persönlichkeitstypen eine »erlöste Form«: einen Idealzustand, in dem der Mensch sein psychisches Potenzial inklusive der »dunklen Seiten« erkannt hat und in Harmonie damit lebt. Es dient als eine Art Wegweiser – den Weg gehen muss jeder selbst.

Die neun Typen der Persönlichkeit: Finden Sie sich wieder?

Typ EINS:
DIE GOTTESKRIEGER
Man kann sie auch Reformer, Superidealisten oder Perfektionisten nennen: Getrieben von der Suche nach Vollkommenheit, stellt dieser Typ maximale Ansprüche an andere und sich selbst. In seinem Kampf gegen Unvollkommenheit wird er schlimmstenfalls zum religiösen Eiferer oder zum lächerlich-tragischen Don Quichotte. Sein Dilemma in Liebesbeziehungen: Dauerenttäuschung über die »Fehler« des vermeintlichen Traumpartners.

Er zählt zu den »Instinkttypen«, sein »Wurzelgift« ist brennender ZORN, den er lange Zeit unterdrückt.

Sein Ziel: Humor und Gelassenheit. In seiner »erlösten« Form ist er der Typ des viel geliebten Vorbilds ohne moralischen Zeigefinger.

Typ ZWEI:
DIE LIEBENDEN
Mitfühlend, großzügig, fürsorglich: Der Altruismus der Zweiertypen ist überwältigend – und auf Dauer oft schwer erträglich. Sie tun alles dafür, gebraucht und geliebt zu werden. Und das ist einfach zu viel. Auch für sie selbst. Überfordert von ihrem eigenen Gutsein, fahren sie zum Schrecken der Umwelt plötzlich die Krallen aus oder ziehen sich frustriert zurück.

Sie zählen zu den »Herztypen«, ihr »Wurzelgift« ist versteckter HOCHMUT – sie halten sich für »besser« und maßen sich an, die ganze Welt mit ihrer Liebe zu erlösen.

Das Ziel: Demut. In seiner »erlösten« Form ist der Zweiertyp ein Wohltäter ohne
Hintergedanken.

Typ DREI:
DIE ÜBERFLIEGER
Alles scheint ihnen zuzufliegen, und dabei strahlen sie Kompetenz und jugendlichen Optimismus aus. In Wirklichkeit arbeiten sie aber hart für den Erfolg und lechzen, obwohl sie darüber erhaben scheinen, nach Lob. Die »Dreier« sind meist schon als Kinder »tolle Typen«, sehen oft sehr gut aus, können es im Leben weit bringen.

Sie gehören zu den »Herzmenschen«, ihr Wurzelgift ist die LÜGE. Um Erfolg zu haben, nehmen sie es mit der Wahrheit sehr ungenau, gehen ihren Lügen sogar selbst auf den Leim.

Ziel: mehr Tiefgang. In der »erlösten« Form ist der Dreiertyp ein charismatischer Mensch, der überzeugt, ohne sich und andere zu blenden.

Typ VIER:
DIE GRALSSUCHER
Sie haben viel Stil, wirken dabei oft angestrengt und in ihren Augen steht riesengroß die Frage: »Wie gefalle ich dir?« Sehnsucht nach Schönheit ist die bestimmende Kraft dieser »Herztypen«, und man findet bei ihnen ein ausgeprägtes Empfinden für Ästhetik. Egal, was sie erreichen – sie bleiben auf der Suche nach dem »Höherem« (oft auch in der Liebe). Auch mit sich selbst sind sie unzufrieden, sie neigen zu Essstörungen und Melancholie.

Das »Wurzelgift« ist der NEID – auf alle, die womöglich schöner und kreativer sind.

Das Ziel: Ausgeglichenheit. Der erlöste »Vierer« ist ein mitfühlender Mensch, der die Gefühlswelt kennt wie kein anderer – aber darüber steht.

Typ FÜNF:
DIE ERHABENEN
Sie gehören zur Gruppe der Vernunftmenschen, sind geborene Entdecker, Tüftler, Philosophen, und viele von ihnen leben in einem unsichtbaren Elfenbeinturm. Sie hören gut zu, geben aber wenig von sich preis. Der dominante Antrieb ist das Horten von Wissen und Besitz, wie um eine innere Leere zu füllen. Sie fühlen sich intellektuell überlegen, kultivieren ihre Objektivität und haben eine spontane Abneigung gegen menschliche Nähe. Ihre körperliche Schwachstelle sind die Augen, viele tragen schon früh eine Brille.

Ihr Wurzelgift: GEIZ (oft mehr mit ihren Gefühlen als mit Geld).

Das Ziel: Leidenschaft. Der »erlöste« Fünfertyp kann lieben. Er nutzt seine Fähigkeit, Distanz zu wahren, um anderen zu helfen.

Typ SECHS:
DIE STADTNEUROTIKER
Witzig, selbstironisch, und dabei freundschaftlich und loyal – immer wieder hat der US-Komiker Woody Allen den oft skurrilen Sechsertypen in Szene gesetzt. Dilemma dieses »Kopftyps«: Aus Pessimismus und diffuser Angst vor der Fülle des Lebens vermasselt er sich seine Erfolge.

Das Wurzelgift der Sechser ist: FURCHT. Einige von ihnen treten damit die Flucht nach vorne an: Sie verbergen ihre Ängste hinter besonders markigem Auftreten, verschanzen sich hinter radikalen Gedanken und Autoritätsgläubigkeit.

Ihr Ziel: Optimismus. »Erlöste« Sechser können spielerisch Tradition und Neues miteinander verbinden und nehmen das Leben mit Humor.

Typ SIEBEN:
DIE GÖTTERKINDER
Jeder hat sie gerne – erst mal. Denn sie können sich kindlich freuen und über die Schönheit des Lebens staunen. Schmerzliche Erfahrungen überspielen sie mit einem Lächeln, und ihr Standardsatz lautet: »Wird schon wieder.« Und was das Glück stören könnte, wird ganz einfach »vernünftig« wegerklärt. Sie sind begabt, sinnlich, unbescheiden, neigen nicht selten zum Dickwerden. Ihr Dilemma: Der Unwille, sich mit Traurigkeit auseinanderzusetzen, erschwert den Tiefgang in Beziehungen, enttäuscht die Umwelt und macht blind für die Wirklichkeit.

Das Wurzelgift: MASSLOSIGKEIT.

Das Ziel: mehr Nüchternheit. In seiner erlösten Form ist das »Götterkind« sich treu geblieben – aber erwachsen geworden.

Typ ACHT:
DIE BOSSE
Sie sind stark, athletisch gebaut (auch die Frauen unter ihnen), und sie lieben die Macht. Die größte Gabe dieser »Instinkttypen« ist der Gerechtigkeitssinn – wenn ihnen etwas »stinkt«, gehen sie notfalls über Leichen. Sie lernen früh, Stärke zu zeigen, sind oft mit dem Satz aufgewachsen »Wehr dich, schlag zurück«. Mit ihrer Aggression und Konfliktbereitschaft flößen sie vielen Menschen Angst ein. Ebenbürtige Feinde sind ihnen lieber als ergebene Freunde; sie nutzen Menschen (auch Liebespartner) aus, lassen sich von Verbotsschildern nicht schrecken, besitzen das Potenzial zu einer Führergestalt.

Ihr Wurzelgift: SCHAMLOSIGKEIT.

Ihr Ziel: Entdeckung des eigenen weichen Kerns. In der erlösten Form setzen sie ihre Unerschrockenheit und Vitalität auch für andere und vor allem Schwächere ein.

Typ NEUN:
DIE FRIEDENSSTIFTER
Was andere nur mühsam lernen, ist ihnen in die Wiege gelegt: die Gabe, andere Menschen vorurteilslos zu akzeptieren. Ihr instinktives Verständnis für alle(s) bereitet ihnen aber auch Probleme: Sie können sich schwer entscheiden oder motivieren, sitzen Schwierigkeiten aus, statt sie anzupacken und kommen mit den Anforderungen der modernen Leistungsgesellschaft oft nicht zurecht. Jeder hat sie gerne, entspannt sich in ihrer Gegenwart, sie werden aber auch leicht ausgenutzt. Viele von ihnen entwickeln mit der Zeit Gleichgültigkeit und eine Spur von Zynismus.

Ihr Wurzelgift: TRÄGHEIT.

Das Ziel: mehr Verbindlichkeit. »Erlöste« Neunertypen sind Heiler, Friedensstifter und ein Segen für die Menschheit.

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