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Kultur & Gesellschaft

Welche Stadien sind die schönsten?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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iStockphoto

Noch schöner, noch größer, noch teurer: Wer den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele bekommt, möchte den Zuschauern – und den Sportlern – auch bauliche Sensationen bieten.

Im Zentrum des (nicht nur ästhetischen) Interesses steht dabei jedes Mal das zentrale Stadion, wo die Eröffnungs- und Schlussfeier sowie die Wettkämpfe der Leichtathletik stattfinden. Schon immer wollten die Gastgeberländer mit ihren Sportstätten auch neue Rekorde brechen – und ein Stück Architekturgeschichte schreiben.

Das »Nationale Stadion« von Peking (Beijing) – ein Kuschelnest aus Stahl

Stararchitekten aus aller Welt beteiligten sich am Wettbewerb für den Austragungsort der Sommerspiele 2008. Den Zuschlag bekamen vor fünf Jahren die Basler Jacques Herzog und Pierre de Meuron, die auch die Münchner Allianz Arena entworfen haben. Ihre Strategie: Um nicht in kulturelle Fettnäpfchen zu treten, ließen sie sich von chinesischen Designern und Künstlern beraten – wohl wissend, dass die Chinesen sensibel auf Formen reagieren, die das Feng Shui verletzen oder Unglück bringen könnten.

Der Balanceakt zwischen Ost und West ist voll gelungen: Die Kombi aus einer Betonschüssel im Inneren und einem (begehbaren) Geflecht aus Stahlträgern erinnert an ein Vogelnest – ein in China äußerst positiv besetztes Symbol. Medien loben denn auch die »Chineseness« (die chinesische Anmutung) der Sportstätte.

Um diese noch zu unterstreichen, soll das Stadion »Nationalstadion« heißen, ohne den (europäischen) Namenszusatz »olympisch«. Das »Nest« bietet 91 000 Zuschauern Platz, ist 320 Meter lang, 70 Meter hoch und liegt in der »Kaiserachse« – in Verlängerung der Linie von der Verbotenen Stadt zum Tiananmenplatz und zum historischen Trommelturm. Die Erbauer hoffen, dass es für Peking zu einem Wahrzeichen wird wie der Eiffelturm für Paris.

Das älteste:»Los Angeles Memorial Coliseum«

Die »Große Alte Dame« – so nennen die Amerikaner das Stadion, das 1921 von den Architektenbrüdern John und Donald Parkinson gebaut wurde. In seiner ursprünglichen Form bot es Platz für 90 000 Zuschauer, heute für mehr als 100 000; insgesamt hat das Bauwerk für Errichtung und Umbauten eine Milliarde Dollar verschlungen. Der altehrwürdige Sportpalast sorgt immer noch für Schlagzeilen: Als einziges Olympiastadion der Welt hat es gleich zwei Mal die Sommerspiele beherbergt (1932 und 1984). Weitere Höhepunkte in seiner Geschichte: vier Konzerte der Rolling Stones (1989) und eine bewegende Rede von John F. Kennedy, nachdem er zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gewählt worden war (1960).

Das »Münchner Olympiastadion« – Sternstunde der Architektur

Als München 1966 den Zuschlag für die Sommerspiele 1972 bekam, war den Organisatoren die ganz besondere Verantwortung bewusst: Nach dem pompösen Olympiaspektakel, mit dem sich Nazideutschland 1936 in Berlin präsentiert hatte, war diesmal so etwas wie kultiviertes Understatement angesagt. Heraus kam ein Meisterwerk, entworfen von einem Architektenteam um Günter Behnisch; das legendäre Zeltdach über dem Stadion und den Zufahrtswegen ist die geniale Konstruktion des Architekten Frei Otto. Bei der Eröffnung der Sommerspiele am 26. August ahnte noch niemand, dass es diesmal nicht nur eine Schluss-, sondern auch eine Trauerfeier geben würde: Am 6. September gedachten die Athleten im voll besetzten Stadion der israelischen Sportler, die am Tag zuvor durch palästinensische Terroristen umgekommen waren.

Seit diesem dunklen Debüt hat das Stadion viele heitere Stunden erlebt. Heute öffnet es seine Tore nicht nur für Sportveranstaltungen und Konzerte, sondern auch für religiöse Events wie Kirchentage oder Papstmessen.

Das grösste: »Stadium Australia« in Sydney

Gebaut wurde das Stadion für die Olympischen Spiele 2000 in einem westlichen Vorort von Sydney, eingebettet in Parks, Sport- und Spielplätze. Der Entwurf eines australischen Architektenteams (Blight Lobb Sports Architects) war auf Rekordgröße angelegt: An der Schlussfeier der Spiele 2000 nahmen mehr als 114 000 Menschen teil. 2002 überarbeiteten die Architekten ihre Pläne, installierten Dächer über dem Nord- und dem Südende und sorgten für die Möglichkeit, das ovale Spielfeld bei Bedarf in ein Rechteck umzuwandeln. In seiner ovalen Form bietet das Stadion jetzt Platz für 83 500 Menschen, in der rechteckigen etwa tausend weniger. Genutzt wird es heute für Fußball-, Cricket- und Rugbyspiele, aber auch für Konzerte und Großveranstaltungen wie den Weltjugendtag im Juli 2008.

Und wer ist der Nächste, bitte?

London wird 2012 zum dritten Mal Gastgeber für der Olympischen Sommerspiele sein. Herzstück der Veranstaltungen: ein neues Stadion, das auf einem am Flüsschen Lea gelegenen, 200 Hektar großen Gelände im Osten der Stadt errichtet wird. Den Zuschlag bekam das renommierte australische Architektenteam, das schon das Stadion in Sydney sowie das neue »Wembley Stadium« in London und das »Estadio da Luz« in Lissabon gebaut hat. Die Bauarbeiten stecken noch in den Anfängen, jedoch wird schon an Zufahrtsstraßen und einer eigenen U-Bahn-Linie zum »Olympic Park« gearbeitet. Geplant sind 80 000 Plätze. Nach den Olympischen Spielen und den Paralympics soll es in ein sportmedizinisches Zentrum und ein mit 25 000 Plätzen relativ kleines Stadion umgewandelt werden.

Und was ist aus den Stadien der früheren Olympischen Spiele in London geworden? An das »White City Stadium«, in dem die Spiele 1908 stattfanden, erinnert nur noch eine Gedenktafel – es wurde 1984 abgerissen. Auch der Austragungsort der Sommerspiele 1948, existiert nicht mehr: Das alte Wembley Stadium wurde 2000 abgetragen und ein komplett neues mit gleichem Namen gebaut.

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