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Kultur & Gesellschaft

Welche Kunst kommt aus dem Knast?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Welche Kunst kommt aus dem Knast?Welche Kunst kommt aus dem Knast?
iStockphoto

Der Mathemaiker Bertrand Russel schrieb im Knast ein großes Werk, der Spanier Miguel de Cervantes dichtete eine Heldengeschichte. Und auch der Engländer John Cleland schrieb ein weltbekanntes Meisterwerk im Gefängnis.

Gefängnisse gelten nicht gerade als Ideenschmieden. Dennoch griffen so manche große Geister erst hinter Gittern zur Feder – ihre Knastaufenthalte machten sprichwörtlich Literaturgeschichte. Beispielsweise fand sich der Spanier Miguel de Cervantes (1547–1616) wegen Schulden 1597 im Gefängnis wieder. Damals begann er die Geschichte eines tragischen Heldens niederzuschreiben, der bis heute Weltruhm genießt: »Don Quijote«.

Hinter Gefängnismauern erblickte auch eine berüchtigte junge Frau das Licht der Welt, deren Geschichte in den USA bis 1966 verboten war: Der Roman »Fanny Hill oder die Memoiren eines Freudenmädchens« (1749) verdankt seine Existenz ebenfalls einer finanziellen Misere. Wie Cervantes brummte Fannys geistiger Vater John Cleland (1709–1789) wegen Zahlungsunfähigkeit. Im berüchtigten Londoner Gefängnis Newgate machte ihm der Verleger Drybutter ein unmoralisches Angebot: 20 Goldmünzen für einen unzüchtigen Roman. Cleland nahm das Angebot an und kaufte sich mit dem Lohn der Mühe frei.

Glück im Unglück hatte auch der französische Satiriker Voltaire (1694–1778). Weil er in einer bitterbösen Satire den Herzog von Orléans lächerlich machte, wurde er 1717 in der verhassten Pariser Bastille eingekerkert. Nach elf Monaten Haft präsentierte er der Öffentlichkeit seine Tragödie »Oedipe«, deren Bühnenerfolg ihn schlagartig berühmt machte.

Eine weitaus trockenere Materie suchte sich derweil der britische Mathematiker Bertrand Russel (1872-1970) aus, als er im Ersten Weltkrieg wegen pazifistischer Schriften für ein halbes Jahr im Gefängnis darbte. Seine »Einführung in die mathematische Philosophie« (1919) ist bis heute ein Standardwerk. Diesen Titel kann ein anderer Text nicht für sich beanspruchen, der allerdings auch nicht zur Weltliteratur gezählt werden darf: Auch Adolf Hitlers Hetzschrift »Mein Kampf« wurde im Knast begonnen.

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