Eine Theorie, die nicht praktisch im Leben Anwendung finden kann, ist wertlose Gedankenakrobatik.
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Geschichte & Politik
Welche Krankheiten schrieben Geschichte?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Ein kurioses Phänomen, das oft übersehen wird: Immer mal wieder in den vergangenen Jahrhunderten hat ein Fieberschub des Monarchen über Krieg und Frieden entschieden.
Ein einziger falscher Schnitt hat die deutsche Geschichte der letzten 125 Jahre entscheidend beeinflusst. Kaiser Friedrich III. (1831 – 1888) war ein kluger, besonnener Regent und galt als Hoffnungsträger der deutschen Liberalen. Man vermutete bei ihm Kehlkopfkrebs, doch die Gewebeprobe, die dem berühmten Mediziner Rudolf Virchow geschickt wurde, war schlecht gewählt: Sie enthielt nur gesunde Zellen. Virchow gab Entwarnung, der Kehlkopfkrebs breitete sich rasant aus, und Friedrich III. konnte nur 99 Tage regieren, bevor er starb. Mit ihm wäre Deutschland sicher nicht so kopflos in den Ersten Weltkrieg gezogen wie mit seinem geltungssüchtigen Sohn Wilhelm II..
König Ludwig XIII. von Frankreich stand im Jahr 1630 mit mehr als einem Bein im Grab. Er litt an einer schmerzhaften Darmtuberkulose. Durch falsche Behandlung verschlimmerte sich sein Zustand täglich. Wäre er gestorben, wäre der Dreißigjährige Krieg sofort beendet worden, denn sein designierter Nachfolger Gaston I. hätte aus Gründen der Machtabsicherung Frieden schließen müssen. Die Zukunft Frankreichs und Europas hing also an einer Eiteransammlung im Darm des Monarchen. Bei einem der letzten Aderlässe geschah das Wunder: Die Ärzte öffneten eher aus Versehen den Eiterherd, das hohe Fieber sank binnen Minuten, der König überlebte, das Heilige Römische Reich deutscher Nation litt an Auflösungstendenzen, und Frankreich wurde zur dominierenden Macht Kontinentaleuropas.
Beispiele wie diese gibt es unzählige. Napoleon III. litt an Blasensteinen; während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 konnte er kaum klar denken, machte viele Fehler und kapitulierte schnell. Damit war er – beziehungsweise seine Blasensteine – der Geburtshelfer des Kaiserreichs, das die deutschen Fürsten und Hansestädte nach dem Sieg 1871 in Versailles ausriefen.
Unser Tipp:
Detlef Suhr, Visite in der Weltgeschichte – Krankheiten, die Geschichte schrieben, Verlag Neue Literatur, 9,90 Euro

























