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Geschichte & Politik
Welche Burgen wurden nie zerstört?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Die meisten der mittelalterlichen Bauwerke sind zerfallen oder wurden völlig umgebaut. Doch es gibt noch ein paar spektakuläre »Originale«.
Die ersten Burgen entstanden im zehnten, die »jüngsten« im 16. Jahrhundert, doch die meisten und die mächtigsten in der Blütezeit zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert. Heimkehrende Kreuzritter brachten damals zahlreiche wehrtechnische Erfindungen der Araber aus dem Orient mit, so zum Beispiel die berühmte Pechnase, zu sehen an deutschen ebenso wie an burgundischen Burgen und englischen Schlössern. Durch diese Art »Balkon« konnten Angreifer mit heißem Pech überschüttet werden. Auch der Zinnenkranz wurde in ganz Europa aus dem Orient übernommen. Die meisten Burgen waren übrigens ursprünglich verputzt und farbig getüncht, also keineswegs so düster, wie wir sie uns heute vorstellen.
Die wenigsten überdauerten unversehrt bis heute. Kriege und Überfälle setzten ihnen zu, ihre Besitzer verarmten oder der Standort war plötzlich strategisch nicht mehr interessant. Aufgegebene Burgen wurden von der Bevölkerung als Steinbruch genutzt, manche Ruine fast völlig abgetragen. Andere Burgen stehen zwar heute toll da, sind aber so oft umgebaut und neu gestaltet worden, dass sie mit dem Original kaum noch etwas zu tun haben. Auch in der weltberühmten Burgenlandschaft am Mittelrhein (Unesco-Weltkulturerbe!), mit ihren gut 40 Burgen auf 65 Kilometern, sind viele der Gemäuer romantisierende Wiederaufbauten aus dem 19. Jahrhundert. Hier zeigen wir ihnen sechs Originale: Burgen, die nie erobert wurden und – mit allenfalls kleinen Veränderungen – bis heute erhalten blieben. Eine Augenweide für alle Burgenfreaks.
Burg Eltz
Die kommt vielen sicher sehr bekannt vor: Denn die in der Eifel (bei Wierschem) gelegene Burg zierte von 1965 bis 1992 die Rückseite von 500-Mark-Scheinen. Niemals wurde dieses Juwel unter den deutschen Burgen erobert, und abgesehen von einem schlimmen Brand 1920, auch nie verwüstet. Mit ihren zahlreichen Türmchen und Erkern ist sie wie eine Welt für sich, vor allem im Innenhof scheint die Zeit seit dem Mittelalter stehen geblieben zu sein. Geschätztes Geburtsjahr der auf drei Seiten von der Elz umflossenen Burg: 1157. Als Fundament für die gesamte Anlage dient ein elliptischer, bis zu 70 Meter hoher Felskopf. Karl Graf und Edler Herr von und zu Eltz-Kempenich führt die Burg derzeit in 33. Generation.
Marksburg
Sie ist die besterhaltene sogenannte »Höhenburg« am Mittelrhein (zwischen Bingen und Koblenz), gilt als fast unverfälschtes Zeugnis des spätmittelalterlichen Burgenbaus. Erste Hinweise auf ihre Existenz stammen aus dem Jahr 1231, doch da war das imposante Bauwerk vermutlich schon einige Jahrzehnte älter. Stolze Erstbesitzer: die Herren von Eppstein. Heutiger Eigentümer: die Deutsche Burgenvereinigung, die hier ihren Vereinssitz hat. Die Marksburg gilt als »die« Ritterburg schlechthin und ist in vielen Spielzeugburgen wieder zu erkennen. In Japan steht seit 1996 eine Kopie im Maßstab 1:1 im »Ueno German Culture Village« auf der Insel Miyako.
Burg Guttenberg
Nie zerstört und noch immer bewohnt liegt die Stauferburg Guttenberg auf einer Bergnase zwischen Neckar- und Mühlbachtal. 1232 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt, ist aber wahrscheinlich wesentlich älter. Seit 1449 gehört sie den Freiherren von Gemmingen. Der älteste Teil ist der Bergfried aus dem 13. Jahrhundert. Die Wohngebäude der Kernburg und die Verteidigungsmauern entstanden im 15. Jahrhundert. Die Burg beherbergt ein privates Wohngebäude, die Deutsche Greifenwarte, ein Rittermuseum und eine Burgschänke. Die um 1790 entstandene »Holzbibliothek« stellt 93 Baum- und Straucharten mit Samen, Keimling, Wurzel, Blättern, Borke und der typischen Holzstruktur vor.
Burg Heidenreichstein
Die mächtige Wasserburg in Niederösterreich – zu betreten nur über zwei Zugbrücken – hat ihren Ursprung im Jahr 1160. Mit ihren massigen Rundtürmen und den hohen, fast fensterlosen Mauerflächen, wirkt sie wie eine echte Trutzburg. Tatsächlich wurde in ihrer ganzen Geschichte nie ernsthaft versucht, sie einzunehmen. In den Innenräumen ist noch die gesamte Einrichtung aus den verschiedenen Lebensphasen der Burg zu sehen, zum Beispiel eine tausendjährige Tischplatte und zahlreiche Möbel aus der Gotik, der Renaissance- und Barockzeit. Nach den Heidenreichsteins hatte die Burg viele Besitzer. Seit 1961 gehört sie der Adelsfamilie Kinsky, die sie zu ihrem Wohn- und Verwaltungssitz machte.
Pfalzgrafenstein
Wie ein steinernes Schiff liegt sie auf einem Felsenriff mitten im Rhein, durch eine Fähre mit dem Ort Kaub (Rheinland-Pfalz) verbunden. Und warum auf dem Wasser? Natürlich, um Zoll zu kassieren. Kaiser Ludwig der Bayer tat das denn auch ausgiebig, nachdem er 1326/27 zuerst einen Zollturm errichtete, der wenig später zu einer vergleichsweise kleinen Burg ausgebaut wurde.
Heutiger Besitzer ist die Staatliche Schlösserverwaltung Rheinland-Pfalz. In die Geschichtsbücher ging die Burg (oft nur knapp »die Pfalz« genannt) durch ein Ereignis aus der jüngeren Geschichte ein: Auf den Fersen Napoleons überquerte General Blücher hier in der Neujahrsnacht 1813/14 mit 60000 Mann und 15000 Pferden den Rhein. Die gesamte Anlage ist vollständig erhalten. »Neu« sind nur die barocke Haube auf dem fünfeckigen Turm (1714) und der barocke rot-weiße Verputz.
Burg Lichtenberg
Sie liegt idyllisch inmitten von Weinbergen in Baden Württemberg; ist mit ihrem 30 Meter hohen Bergfried, den Fachwerkbauten und dem beeindruckenden Innenhof eine der ältesten und am besten erhaltenen Burgen Deutschlands. Wohngebäude, Wehrmauern und Tor entstanden um das Jahr 1200. Seit 1483 ist die Burg im Besitz der Familie von und zu Weiler, die sie auch immer noch bewohnt. Wer es besonders romantisch möchte, kann sich hier in der Burgkapelle trauen lassen.

























